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Die Reise des jungen Che

Che? DER Che? Müssen wir uns jetzt einen Propagandafilm angucken? Oder Kommunistenschelte?

Glücklicherweise keines von beiden und doch von Ersterem einiges, das lässt sich wohl nicht umgehen. In erster Linie ist es ein Roadmovie von einer Reise durch Lateinamerika, die ihren Ausgangspunkt in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires nimmt. Und besonders am Anfang sind auch beeindruckende Landschaftsaufnahmen die Kulisse des Films. Das ändert sich nach der ersten Stunde, als zunehmend das Elend weiter Bevölkerungsschichten diesen Hintergrund (und den für Che Guevaras Wandlung zu dem, was er später wird) bilden.

Worum geht es?

Buenos Aires 1952: Der 23-jährige Ernesto Guevara de la Serna (gespielt von GAEL GARCÍA BERNAL, der Neuentdeckung aus Versuchung des Padre Amado und sehr überzeugend auch in dem letzten Streifen von Almodóvar "Mala Educacion") studiert Medizin und steht kurz vor dem Examen. Trotzdem entschließt er sich, sein gutbürgerliches Zuhause in der argentinischen Hauptstadt zu verlassen und mit dem Biochemiker Alberto Granado (RODRIGO DE LA SERNA), einem Freund der Familie, auf Fahrt zu gehen.

Die beiden haben einen Traum: Auf Albertos betagter Norton 500, die sie optimistisch „La Poderosa“ („Die Allmächtige“) nennen, wollen sie quer durch Lateinamerika reisen – ein ihnen damals in großen Teilen unbekannter Kontinent. Sie haben wenig Geld, die Ausrüstung ist dürftig, aber ihre Routenplanung umso ambitionierter – durch die Anden, an der Küste Chiles entlang, durch die Atacama-Wüste ins peruanische Amazonas-Gebiet. Venezuela, ihr erstes Etappenziel, planen sie rechtzeitig zu Albertos 30. Geburtstag zu erreichen.

Nach einem Abschiedsbesuch bei der adligen Familie von Ernestos Freundin Chichina Ferreira (MÍA MAESTRO) im argentinischen Schickimicki-Ort Miramar brechen sie auf, kommen auf dem klapprigen Motorrad aber nur langsam voran. Während die beiden Idealisten das Land um sich herum in sich aufsaugen, träumen sie von den Kliniken, die sie bauen, und dem Fortschritt, den sie erleben werden.

Doch bald gibt das alte Motorrad seinen Geist auf und die beiden müssen zu Fuß, per Amazonas-Dampfer und auf den Ladeflächen unzähliger klappriger Lastwagen. (Trotz nicht unherzlichen Abschieds haben beide Eltern offensichtlich nicht viel, zumindest kein Geld, für die Eskapaden ihres Nachwuchses über.) Und so werden im Laufe der Reise, durch ihre Bekanntschaft mit den unterschiedlichsten Menschen, aus den unbesorgten Jünglingen, die sorglos in den Tag hinein leben und mit fantasievollen Abenteuergeschichten die lokalen Dorfschönheiten becircen, nachdenkliche Männer.

Damit nicht falsche Erwartungen entstehen sei hier betont, dass Che und Alberto nur Freunde sind, die zusammen auf Reisen und (hier auch jeder einzeln) auf Damenfang gehen. Darüber hinaus gehende emotionale Bindungen zwischen den beiden gibt es nicht. Und uninteressant ist der Film schon allein ob des eher unterrepräsentierten und unbekannten Themas Lateinamerika auch nicht. Der letzte Teil mit dem lebensgeschichtlich wie dramaturgisch/bildtechnisch verwirklichten Wandel der beiden, besonders Ches, ist natürlich auch politisch angehaucht, ohne jedoch vollends ins Propagandistische abzugleiten.

Insofern: der Film ist ok, ohne dass er einen nun wahnsinnig fesselt. Aber er geht einem auch nicht mit politischem Gedusel auf den Keks.

Gedreht von Walter Salles, der mit "Central do Brasil" den Goldenen Bären der Berlinale, den Golden Globe sowie eine Oscar®-Nominierung erhielt.

Zwei Anmerkungen zum Schluss:

1) Die Gleichheit des Nachnamens von Che Guevara (DE LA SERNA) mit der des zweiten Hauptdarstellers ist keineswegs zufällig, die beiden sind in der Tat miteinander verwandt (mütterlicherseits).

2) Der Film bringt auch Aufklärung darüber, wieso Che eigentlich Che heißt: eben weil er aus Argentinien ist und die Argentinier häufig dieses Wörtchen che gleichsam als Füllwort in ihre Sätze einfließen lassen - so etwas wie im Deutschen "ähm" oder "ne/nicht". (Verliehen wurde ihm dieser Ehren-Beiname von den Kubanern, wo er als Kampfgefährte von Fidel Castro bis heute als Held verehrt und ausgehängt wird.)

Jetzt als vorbildlich ausgestattete DVD mit zahlreichen Extras - erschienen bei Highlight.
 

Die DVD

DVD-Bild:   16:9
DVD-Ton: Deutsch, Spanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Extras:

+ Darsteller-Informationen als Textseiten
+ Interviews
+ Deleted Scenes
+ Featurette
+ Blick hinter die Kulissen

OT: The Motorcycle Diaries / Diarios de motocicleta

Roaddrama
USA, D, GB, Arg 2004

Regie: Walter Salles
 

DVD-Start: 19. Mai 2005

 

Darsteller und Rollen

GAEL GARCÍA BERNAL ..... Che Guevara
RODRIGO DE LA SERNA ... Alberto Granado
MÍA MAESTRO ................. Chichina Ferreira

 

Robin's Hood

Ein Film von Sara Millman


Eine leidenschaftliche, unglaublich sexy Liebesgeschichte vor dramatischem Hintergrund: Robin ist eine wunderschöne schwarze Sozialarbeiterin, die sich sehr in ihrem Job engagiert. Brooklyn ist weiß und burschikos, eine professionelle Charmeurin, Diebin und Automechanikerin. Brooklyn ist nicht auf der Suche nach Liebe und Robin nicht auf der Suche nach einer Frau, schon gar nicht einer weißen. Entsprechend verläuft ihre erste Begegnung wenig vielversprechend und voller Ressentiments.
Doch das Schicksal führt sie wieder zusammen. Je desillusionierter Robin in ihrer täglichen Arbeit wird und erkennt, dass das System sich gegen die Armen richtet, anstatt ihnen zu helfen, umso empfänglicher wird sie für Brooklyns Outlaw-Philosophie und ihr verführerisches Werben. So finden die beiden - jenseits des Gesetzespfades - zueinander. Sie beginnen eine heiße Liebesaffäre und Brooklyn stellt Robins Welt auf den Kopf. Das Geld muss umverteilt werden, finden sie, und so begehen sie bald den ersten gemeinsamen Banküberfall...

Im kalifornischen Oakland angesiedelt und mit R&B- und Hiphop-Rhythmen untermalt, ist diese urbane Liebes- und Räubergeschichte ein bezauberndes Erstlingswerk, das alleine schon durch die überzeugende Chemie zwischen den beiden umwerfenden Hautdarstellerinnen besticht.

Die beiden Haupdarstellerinnen wurden vom britischen Kultmagazin DIVA zum
"photogensten Paar 2004" gekürt.

"Entwaffnend sexy" (OutFest Film Review)

"Großartig gespielt, wunderschöne Frauen, originelles Drehbuch" (InsideOut
Film Review)

Produktinfo:
VHS:
Sprache: Englisch/französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

DVD:
Extras: Original Trailer, Slideshow, Biografie der Regisseurin, Featurette,
Outtakes
Ton: Dolby Digital Stereo
Sprache: Englisch/französische Originalfassung mit ausblendbaren dt. UT

 

USA 2003, 77 Minuten, Farbe, FSK voraussichtlich ab 16

 

 

Kameraden

Der russische Militäralltag, attraktive Matrosen und Kameradschaft, gewürzt mit einem Schuss Homoerotik,
das sind die Zutaten dieses bewegenden Dokumentarfilmes von Steve Kokker. In sehr persönlichen Interviews schildern die jungen Kadetten offenherzig vom Überleben im russischen Militär, von eiserner Disziplin, der Hingabe ans Vaterland und der Zärtlichkeit für die Kameraden. Mit kritischem Blick und ohne das Militär zu verherrlichen zeichnet der Filmemacher ein sehr menschliches und liebevolles Porträt der vermeintlich harten Kerls, deren Vertrauen und Freundschaft er über lange Zeit gewonnen hat. Die jungenhafte Verletzlichkeit der Soldaten und ihre Unschuld stehen in Widerspruch zu der Härte, die sie demonstrieren. Es geht um widersprüchliche Auffassungen von Männlichkeit und uneingestandene Homosexualität, um Kameradschaft und Körperlichkeit und so gelingt es dem Film ebenso Projektionsfläche für lüsterne schwule Fantasien zu sein als auch Ort der intellektuellen Auseinandersetzung. 

DVD-Extras: Original Trailer, Regisseursbiografie, Bonuskurzfilm BIRCH, Slideshow, ausführliches Booklet mit Fotos und Hintergrundinformationen zu den Filmen 
Sprache: Engl./Russisch mit wahlweise deutschen/englischen Untertiteln


 

(Kanada 2003, 94 Min.)

 

Alexander

Wer Wolfgang Petersens "Troja" noch in Erinnerung hat, wird sich auf "Alexander" gefreut haben. Ein weiteres "Sandalenepos" aus der Monumentafilm-Liga. Und hey, die Achilles-Sache wird mehrfach zitiert.

Doch leider werden die hohen Erwartungen deutlich enttäuscht. Der Film ist sozusagen in den Wüstensand gesetzt.

Der Inhalt in Kürze
Griechische Stadtstaaten uneins. 
Großreich der Perser als Nachbar. 
Unter Mazedonen ist ein Einäugiger König (Philip).
Sohnemann Alexander erfährt strenge Erziehung von allen Seiten.
Machtgeile Mutter mit Hexenqualitäten.
Schlacht, Schlachten, Schlächter.
Wahre Liebe gibt's halt nur unter Männern.

Der Verriss in Länge
Damit geht's schon los. Der Film ist zu lang geraten. Knapp 30 Lebensjahre wollen in 3 Stunden Film komprimiert sein. Aber müssen sie das auch? Regisseur Stone zeigt uns den "größten Feldherrn aller Zeiten" vom Hosenmatz (äh... Tunikamatz) über das Ephebenstadium bis hin zu seiner Ermordung wenige Tage vor seinem 33. Geburtstag. Seine Kindheit wird ausgiebig dargestellt. Sogar seine besondere Beziehung zu seinem Pferd wird minutenlang aufgearbeitet. Klar, dass die Mutter Olympias (mit einer besonderen Affinität zu Schlangen) noch epischer vorgestellt wird; denn schließlich prägen die Eltern ein Kleinkind ganz gewaltig. Aber den ganzen Kladderadatsch hätte auch Ptolemäus in seine drei zweibeinigen Diktiergeräte blubbern können. Den Zuschauer hätte es gefreut.

Sinn und Zweck soll wohl die Beleuchtung der Hintergründe sein. Warum ist Alexander so geworden, wie er war? Wie wir ihn aus den Geschichtsbüchern zu kennen glauben. Aber leider verfranst sich der Film in den Hintergründen und Nebenfiguren. Nur geschichtlich versierte Zuschauer(innen) blicken bei der Unzahl von historischen Figuren, die recht breit ausgewalzt werden, noch durch. Weniger wäre mehr gewesen.

Colin Farrell ist ein anerkannt guter Schauspieler - keine Frage - aber den Alexander nehme ich ihm nicht ab. Obwohl er alle Register von zart bis hart zieht, er den gefühlvollen, ruhmhungrigen, dem Wahnsinn anheim gefallenen mit Inbrunst auf die Leinwand bringt. Charismatisch ist er nicht. Und genau das muss Alexander gewesen sein: charismatisch. Wie sonst hätte er über Jahre seine relativ kleine Armee von Sieg zu Sieg führen können? 
Unter uns Betschwestern...: Jared Leto als Hephaistion hat in dem Film mehr Ausstrahlung. Und das liegt nicht (nur) am reichlich angewendeten Kajal ;-)

Schade, dass Stone die geschichtlich gesicherte homosexuelle Liebesbeziehung zwischen Alexander und Hephaistion nur in Worten und innigen Blicken zeigt. Und selbst dass war einer Gruppe von griechischen Anwälten schon zu viel. Ein griechischer Volksheld schwul? Oioioi... Das geht den Erfindern der "Knabenliebe" dann doch zu weit. Was im angeblich rückständigen 4. Jahrhundert vor Christus keine große Sache war, ist im angeblich so aufgeklärten 21. Jahrhundert n. Chr. ein heißes Eisen. Tuntenball in Babylon.
Oliver Stone, 58, erklärte in der Wochenzeitung "Die Zeit" Alexanders Homosexualität zum zentralen Punkt. "Normalerweise würde man homosexuelle Liebe in einer Großproduktion nie so darstellen", betonte er. Aber die Liebe zwischen Alexander und Hephaistion sei eine "echte, mit allem, was dazugehört: Nähe, Vertrauen, Körperlichkeit". 

Pluspunkt in Kürze
Es gibt doch noch etwas lobend zu erwähnen: Die Choreografie der Massenszenen. Sehr beeindruckend aus der Vogelperspektive (im wahrsten Wortsinne), aufwühlend im Wüstensand und mitreißend im indischen Dschungel. Blutig, dreckig, detailgetreu. Eine Steilvorlage für Albträume und/oder Pazifismus.

Fazit
Der Vergleich mit der 2005 anlaufenden Produktion von Baz Luhrmann mit Leonardo DiCaprio und Nicole Kidman steht noch aus. Aber dieser Alexander ist sein (bzw. Dein) Geld nicht wert.

Drama, Monumentalfilm

USA 2004

Originaltitel: Alexander

Regie: Oliver Stone
Drehbuch: Oliver Stone, Christopher Kyle, Laeta Kalogridis

 

Darsteller & Rollen

Colin Farrell .... Alexander
Jared Leto .... Hephaistion
Anthony Hopkins ....  Alter Ptolemäus
Angelina Jolie .... Olympias (Alexanders Mutter)
Val Kilmer .... Philip (Alexanders Vater)
Christopher Plummer .... Aristotles (A.s Lehrer)
Rosario Dawson .... Roxane (Alexanders Frau)
Elliot Cowan .... Ptolemäus
Joseph Morgan .... Philotas
Ian Beattie .... Antigonus
Jonathan Rhys-Meyers .... Cassander
Denis Conway .... Nearchus
Neil Jackson .... Perdiccas
Garrett Lombard .... Leonnatus
Chris Aberdein .... Polyperchon
Rory McCann .... Crateros
Fiona O'Shaughnessy .... Amme
Connor Paolo .... Junger Alexander
Patrick Carroll .... Junger Hephaistion
Peter Williamson .... Junger Nearchus
Morgan Christopher Ferris .... Junger Cassander
Robert Earley .... Junger Ptolemäus
Aleczander Gordon .... Junger Perdiccas
Brian Blessed .... Ringkampf Trainer
Gary Stretch .... Cleitus
John Kavanagh .... Parmenion
Nick Dunning .... Attalus
Marie Meyer .... Eurydice
Mick Lally .... Pferdehändler
Tim Pigott-Smith .... Wahrsager
Raz Degan .... Darius
Erol Sander .... Persischer Prinz Phamakes
David Bedella .... Schreiber
Jessie Kamm ....  Alexander als Kind
                                                                                

Ralf Königs Lysistrata

Pressetext:

411 vor Christus. Sparta und Athen bekriegen sich seit 30 Jahren. Um dem sinnlosen Kampf ein Ende zu setzen, besetzen die Athenerinnen unter Führung von Feministin Lysistrata die Akropolis. Sie verweigern sich ihren Männern sexuell, und zwar solange, bis endlich Frieden geschlossen wird.
Hepatitos, Anführer der schwulen Gemeinschaft Athens, nutzt die Gunst der Stunde und überzeugt die Armee von der "Zwangshomosexualität", um angestaute Hormone abzubauen und wieder kampffähig zu werden. Nach anfänglicher Skepsis finden mehr und mehr Athener Gefallen am schwulen Liebesspiel, doch den Frauen entgeht natürlich nicht, dass ihr Plan zu misslingen droht.
Der spanische Regisseur Francesc Bellmunt verfilmte mit großem Aufwand, amüsanter Besetzung und viel Humor Ralf Königs Comic "Lysistrata" , eine Neuinterpretation frei nach der Komödie von Aristophanes. Dabei sparte er nicht an historischen Schlachten und frivolen Szenen.
Für die deutsche Synchronisation wurden namhafte Akteure wie Lilo Wanders, Monty Arnold und Peer Augustinski gewonnen.


Komödie

Spanien 2002

Regie: Francesc Bellmunt
Drehbuch: Francesc Bellmunt, nach dem Comic "Lysistrata" von Ralf König, 1987 erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag

 

Rollen & Darsteller
Lysistrata: Maribel Verdú
Hepatitos: Juan Luis Galiardo
Lampito: Cristina Solana
Harpix / Hefklos: Eduardo Antuña
Potax / Sülzos: Antonio Belart
Ajax / Ohropax: Javier Gurruchaga
Mirrine / Myrrhine: Tete Delgado
General Incognitos: Carles Flavià

Die Synchronsprecher
Lilo Wanders spricht Sülzos
Monty Arnold spricht Hefklos
Peer Augustinski spricht Hepatitos

Männer wie wir

Bei Torwart Ecki läuft’s gerade nicht so rund: 

1. hat er seiner Fußballmannschaft den Aufstieg verpatzt 
2. ist er hochkantig aus dem Team geflogen
3. hat er seiner Truppe eine gepfefferte Revanche versprochen - mit einer Mannschaft, die er 4. noch gar nicht hat
5. soll das Ganze schon in vier Wochen mit viel Tamtam in seinem münsterländischen Heimatdorf stattfinden. Und dann gibt es 
6. noch eine Kleinigkeit: Weil Ecki gerade erkannt hat, dass er schwul ist, will er bei diesem Termin beweisen, dass Schwule genauso gut Fußball spielen wie Heteros. 

Jetzt muss er nur noch zehn Mitspieler finden. Nichts leichter als das in einer Fußballstadt wie Dortmund... oder?
Nachdem er sich Verstärkung durch seine Schwester geholt hat, geht es auf die Suche. Erst ziemlich erfolglos, doch schließlich nimmt die Mannschaft langsam Gestalt an. Eine Ansammlung aller Klischee-Schwuppen, die einem einfallen können. Von der Lederkerlen, die in einer Dreierbeziehung leben über den ungeouteten Fußballfan, bis hin zu einer effeminierten Türken-Tucke. OK, noch mehr Details? Dann wären noch die Lesbe im Körper eines Mannes zu erwähnen und die Krönung ist vielleicht die Hete, die vorgibt schwul zu sein, weil sie unbedingt Fußball spielen will. 

Man könnte meinen, die Regisseurin schreckt vor Nichts zurück. Stimmt. Auch nicht davor, die Heteros mit genau so starken, richtigen und ebenso falschen Klischees zu überzeichnen. Den mit der Homosexualität seines Sohnes überforderten Vater, die verständnisvolle Mutter, die strunzdoofen Fußballer, die engstirnigen Dorfbewohner. Angesichts dieser Ansammlung von Stereotypen ist schon 'mal Sitcom-Niveau garantiert.
Doch der Film schafft es noch weiter. Dank einer sehr romantischen, über einen Dornenweg gehenden, Liebesgeschichte zwischen Ecki und dem Traummann Sven (Zivi im Krankenhaus, in dem Eckis Schwester arbeitet); dank der brillanten schauspielerischen Leistung auch in den Nebenrollen (z.B. Mariele Millowitsch ganz ruhig und pointiert); dank einer innovativen Kameraführung; dank der guten Absicht, die überall durchschimmert.

Kritisieren kann man eine gewisse "Vorhersehbarkeit"; aber schließlich sollen die "Guten" doch siegen, oder? 

Eine glatte, unterhaltende Komödie mit Schmunzlern und Schenkelklopfern über "Männer wie wir". 

 

 

 

Komödie

Deutschland 2004

Regie: Sherry Horman

Drehbuch: Benedikt Gollhardt

 


Darsteller & Rollen

Maximilian Brückner .... Ecki
Lisa Potthoff .... Susanne
Dietmar Bär .... Eckis Vater
Saskia Vester .... Eckis Mutter
Rolf Zacher .... Karl
Mariele Millowitsch .... Elke
David Rott .... Sven
Christian Berkel .... Rudolf
Charly Hübner .... Horst
Markus John .... Tom
Andreas Schmidt .... Jürgen
Hans Löw .... Klaus
Willi Thomczyk .... Wirt
Nicholas Bodeux .... Werdender Vater
Max Hopp .... Steffen
Jochen Stern .... Rudi
Felix Vörtler .... Udos Vater
                                                             

Bärenbrüder

Elche gut, alles gut!
von Dirk Jung

Der neue Film „Bärenbrüder“ („Brother Bear“), der am 18. März in die deutschen Kinos kommt, ist der 44. abendfüllende Zeichentrickfilm aus dem Hause Disney. Mit sechs neuen Songs von Phil Collins untermalt, wird man in die Welt vor 10.000 Jahren versetzt. In der Tradition von „Mulan“ und „Tarzan“ wurde die Geschichte von drei Brüdern zeichnerisch in Szene gesetzt.

Der Film will die Botschaft von Bruderliebe, Toleranz und Freundschaft näherbringen. Man wird in den Nordwesten Amerikas mitgenommen, um die drei Brüder Sitka, Kenai und Denahi kennenzulernen. Durch einen tragischen Unfall wird der Älteste, Sitka, während eines Kampfes mit einem Bären getötet. Der Bär überlebt den Unfall, doch Kenai, der jüngste der Brüder, schwört diesem Rache, da er ihn für den Tod seines Bruders verantwortlich macht. Etwas unglaubliches jedoch passiert, als Kenai es schafft, den Bären zu überwältigen: er selbst wird in einen Bären verwandelt. Plötzlich in eine völlig neue Lebenswelt versetzt und mit Hilfe eines kleinen Grizzlys namens Koda, lernt er viel, was ihm als Mensch verschlossen geblieben wäre. Der zornige Kenai und der liebenswert tolpatschige Koda ergänzen sich. Aus einer anfänglichen Zweckgemeinschaft heraus, in der der Kleine seine Mutter finden will, der Große auf der Suche ist nach „dem Berg, wo das Licht die Erde berührt“, um rückverwandelt zu werden, schließen sie Freundschaft.

Man sieht Bilder, die das Leben vor ein paar hundert Jahren hätten darstellen können, doch als die beiden Bären einen ihrer Wegabschnitte auf Mammuten zurücklegen, wird einem das Zeitalter bewusst, in dem die Geschichte angelegt ist. Hintergrund für diese Wahl mag sein, dass man sich bei einer Geschichte, die vor 10.000 Jahren spielt, auf den Mensch, die Tiere, die Natur konzentrieren konnte. Es musste auf keinerlei zivilisatorische Errungenschaften eingegangen werden und im doppelten Sinne wurde sich auf das Naturalistische beschränkt.

Zwei besonders nette Kreaturen tauchen in der Szenerie immer wieder auf: die beiden nach Alaska eingewanderten Elche Benny und Björn – ob die Namensgeber da wohl an eine schwedische Popgruppe dachten? Würde es bei animierten Filmen auch eine Oscars®-Kategorie für die besten Nebendarstellern geben, so könnte es keine anderen Gewinner geben. Diese beiden leicht unterbelichteten Geweihträger liefern beim jüngeren, wie beim älteren Publikum gleichermaßen die meisten Lacher. Und als sich die beiden auf recht niedliche Weise gegenseitig ihre Liebe gestehen, wird auch der letzte Zweifler über die bis dahin nur angedeutete Beziehung der beiden zueinander aufgeklärt sein.
Abgesehen von den Kalauern der Elche finden sich die besten leider erst im Abspann wieder - schade, dass sie nicht vorher in den Film eingebaut wurden. Dies heißt aber auch, auf jeden Fall den Abspann nicht verpassen.

Nicht nur künstlerisch ragt dieser Disney heraus, auch durch seine Konzeption und seine Komplexität. Von der ersten Idee, später mit „Bears“ als Arbeitstitel, bis hin zur Veröffentlichung vergingen 10 Jahre. Es ist der erste Disney-Zeichentrick, der fast komplett in den Studios in Florida entstand. Kalifornien, Wyoming und Alaska wurden besucht, Bärenexperten wurden in die Studios zur Beratung geladen und sogar Bärenjunge direkt vom Zeichentisch beobachtet, um spezifische Bewegungen zu studieren.
Die Natur sollte mit den Mitteln der Zeichentrickkunst dargestellt werden – so natürlich, wie möglich: unterschiedliche Schichten des Himmels, unterschiedliche Arten von Wolken, raue und primitive Landschaften, Berge, die sich auf Berge türmen und nicht zuletzt natürliche Bewegungsabläufe der dargestellten Figuren.

Besondere filmische Mittel wurden hinzugezogen, um die Darstellung der Verwandlung von Kenai in einen Bären und sein Leben als Bär zu unterstreichen. Einerseits werden dem Film die kräftigen Farben vor der Verwandlung entzogen, um sich danach noch kräftiger als zuvor zu präsentieren. Und hier wird das Filmformat von dem gewohnten 1,85:1 in das beeindruckende Cinemascope mit 2,35:1 geöffnet. Der Zuschauer, wenn er es überhaupt bemerkt, wundert sich kurz, weiß aber nicht genau, ob sein Eindruck ihn nicht täuscht, ob der Film plötzlich „breiter“ wurde. Nicht überhörbar ist, dass zu diesem Zeitpunkt auch der Sound voluminöser wird.

Betrachtet man die Eigenart der Synchronisation eines Zeichentricks, die darin besteht, dass vom Sprecher zuerst der Text aufgezeichnet wird und dann die dazugehörigen Mimiken samt Mundbewegungen gezeichnet werden, hat der 11-jährige Johannes Bachmann mit seiner Stimme für Koda ein wahres Wunder vollbracht. Koda redet ohne Punkt und Komma und natürlich wird ein Film nach der Fertigstellung im Herkunftsland nicht nochmals für den deutschen Markt gezeichnet – hatten die deutschen Synchronstimmen bei „Findet Nemo“ schon einen harten Job (z.B. Anke Engelke als „Dorie“), so muss man einem 11-jährigen wirklich Hochachtung zollen, wenn er bei der Synchronistation kaum Zeit zum Luftholen hat. Dem jungen Talent, das sich in seiner Freizeit auch mal als Hobby-Regisseur betätigt, stehen die altersmäßig gestandeneren Herren Daniel Brühl (Kenai), Gedeon Burkhard (Sitka) und Moritz Bleibtreu (Denahi) in kaum etwas nach.

Hört man sich die musikalische Untermalung und die Songs an, so lässt sich eine solide Arbeit von Phil Collins feststellen. Im Gegensatz zu den englischen Original-Songtexten hören sich die von Phil Collins in deutsch gesungenen Lieder, wie schon bei „Tarzan“, etwas gewöhnungsbedürftig an. Da fragt dann schon mal ein Kind im Publikum seine Mutter: „Warum singt der denn so komisch?“.

Besonderes Augenmerk sollte man auf eine Aktion richten, die Buena Vista International (die Verleihfirma des Films) zusammen mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) organisiert. Beide stellen gemeinsam einen kostenlosen Unterrichtsleitfaden für Schulen zur Verfügung und neben weiteren Informationen zum Film unter www.baerenbrueder.de gibt es unter www.wwf.de/baerenbrueder mehr zu diesem gemeinschaftlichen Unterfangen. 

Die Geschichte um die drei Brüder Kenai, Sitka und Denahi konnte sich gegen die Konkurrenz bei den diesjährigen Oscars® nicht durchsetzen. Mit „Findet Nemo“ und „Das große Rennen von Belleville“ (Bundesstart: 8. April 2004) waren in der Kategorie zwei weitere Schwergewichte der Animationskunst nominiert. Letzterer, eine französisch-kanadisch-belgische Produktion um eine Großmutter, die mit ihrem Hund auf die Suche nach ihrem auf der Tour de France verlorengegangenen Enkel geht, ist sicherlich einer der skurillsten und besten Filme des deutschen Kinojahres. Doch mit dem Kassenschlager „Findet Nemo“ (bis Februar 2004 860 Millionen Dollar Einspiel und damit der weltweit erfolgreichste Zeichentrickfilm aller Zeiten) konnte ein ebenso hervorragender Film die Trophäe nach Hause holen.

 

Diese Filmbesprechung wurde GayStation freundlicherweise von Dirk Jung zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns dafür herzlich. Mehr Artikel des Autors gibt's auf seiner Homepage mit einem Link auf seine Homepage www.dirkjung.de

Zeichentrick

USA 2003

Originaltitel: Brother Bear

Regie: Aaron Blaise, Robert Walker

 

 

 



 

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