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Kreuz und queer

geht es zu in dieser WG. Zwei Schwule - einer mehr der schüchterne, unauffällige Typ (links im Bild), der andere die extravagante Obertucke Darren (rechts im Bild) mit SM-Ambitionen - bewohnen ein Appartement in der Londoner City. Mit dabei ist noch eine Stewardess (Saftschubse, ihr wisst schon). Das trio infernale bekommt noch reichlich Zuwachs durch die schrillste "Männergruppe" jenseits des "Bewegten Mannes". Ja, Jungs und Mädels: SOOOOO stell' ich mir die psychoanalytische Hölle vor! :-)

"Männergruppe"
Na, 'mal im Ernst... Die Charaktere sind so brillant gezeichnet; jeder für sich ein kleines Kunstwerk. Und darunter fallen eben auch die beiden Psycho-Heinis, das Pärchen, das die Männer- bzw. Frauenselbsterfahrungsgruppe leitet und sich dabei nicht selten wegen Raumplanungs- und Lautstärke-Problemen in den Ohren liegt. Simon Callow ist der männliche Teil, der uns noch als "der Todesfall" in Vier Hochzeiten und ein Todesfall in guter Erinnerung ist. Mit Trommeln und Wilder-Mann-Wochenende gehen die Jungs auf Selbsterfahrungs-Expedition.

"Woher kenn' ich den bloß..."
Ebenfalls einschlägig vorbelastet ist Hugo Weaving als "Mizzi" in Priscilla - Königin der Wüste. Hier ist Jeremy allerdings dunkel und vielhaarig und der sexbesessene Lover von Darren (Tom Hollander, der durch seine einzigartige, selten erreichte Mimik und Gestik hier in der Rolle eines wahren Paradiesvogels brilliert). Die eigentliche Hauptperson ist Leo (Kevin McKidd) - sympathisch aber einsam. Zumindest was den Sex angeht. Sein heterosexueller Chef nimmt ihn als "frisches Blut" mit in die o.g. Männergruppe, wo er sich prompt in den suuuupi-scharfen Iren Brendan (James Purefoy, mittig im Bild) verknallt. Als er mit dem "Stein der Wahrheit" in der Hand damit herausrückt, geht's in der Gruppe rund! Kurz nach ihm outet sich ein weiteres Mitglied und baggert Leo an. Das wiederum sieht der wohl nicht gaaaaanz so heterosexuelle Brendan nicht so gerne... Leo kann sein Glück gar nicht fassen und muss so Brendan die Initiative überlassen. Na ja, und außerdem hat er ja noch Darren, der wie ein Schoßhund aufpasst, dass Leo nicht schon wieder alles vermasselt.

Kreuz und que(e)r
Dummerweise (na ja, lustig ist es trotzdem!) ist auch noch die Beinahe-Ex Brendans, Sally (Jennifer Ehle) die alte Schulfreundin Leos! Es kommt, wie es kommen muss - was damals nicht klappte ...
Alles durcheinander, Jeder mit Jedem oder /und Jeder. Kaum eine denkbare Konstellation, die nicht vorkommt. Eine erfrischende Story rund um vermeintliche sexuelle Identitäten und "Identitätspolitik" sowohl von Heteros und Homos mit überraschenden Wendungen und Verwirrungen.

Handwerklich ist der Film auch ein echter Knaller. Regisseurin Rose Troche liefert ein saubere, ideenreiche und oftmals überraschende Arbeit ab. Die Rollen sind perfekt besetzt. Zugegeben - alles miteinander ist die Story doch etwas unglaubwürdig - aber darum geht's nicht... Spaß muss man in/an diesem Film einfach haben!

Kurztext für Nervöse:
Dicke Handschuhe/Fäustlinge anziehen für den Film; sonst gibt's blaue Flecken vom 
"Auf-die-Schenkel-klopfen"!!!


Diesen Film gibt es nun endlich als DVD von Kinowelt - zu kaufen bei Amazon.

Komödie

(Bedrooms and Hallways)

Regie: Rose Troche

GB 1998

 

Darsteller und Rollen:

Kevin McKidd ... Leo
Tom Hollander ..Darren
James Purefoy ...Brendan
Hugo Weaving ...Jeremy
Jennifer Ehle ......Sally

Get Real - Von Mann zu Mann

Was uns "In & Out" vorexerziert hat, spielt dieser Film nun nach. Steven (Ben Silverstone Baujahr '79) ist im Film süße 16 und damit beschäftigt zu vertuschen, dass er schwul ist. Denn außer seiner "besten Freundin" Linda (einer Fag Hag, wie sie im Buche steht und mit gnadenlos sarkastischem Humor gesegnet; dargestellt von Charlotte Brittain) kennt niemand sein Geheimnis. Viel Erfahrung hat er indes noch nicht, die einzigen, auf die er zurückgreifen kann, hat er auf einer Klappe im Park gesammelt.

Und eines schönen Tages bändelt er dort, ohne es zu wissen, mit dem Supersportler und Mädchenschwarm der Schule "Sex on Legs" - John Dixon (Brad Gorton) an. Der ist auch noch Schulsprecher, bei allen beliebt und zumindest eine Art Respektsperson bei der Clique um Kevin (Tim Harris), die unseren süßen Steven regelmäßig malträtiert. Pöbeleien, Anrempeleien, aufs Dach geschossene Taschen und auch mal Handgreiflichkeiten gehören zum Pensum, das Steven über sich ergehen zu lassen hat. Eigentlich hat er nur einen Freund, oder besser Kumpel, von dem er gelegentlich schon mal 'ne Hausaufgabe abschreiben kann: Mark (Patrick Nielsen). Dieser allerdings hat seit geraumer Zeit nur ein Ziel vor Augen: wie er die Schönheit der Schule, Wendy, auf sich aufmerksam machen kann. (Da kann man sich sogar für die Schülerzeitung, die sie bislang als Soloprojekt betreibt, engagieren. Und aus Solidarität macht auch Steven mit, da kann er seine heimlichen Schreibambitionen vielleicht doch in was Nützliches fließen lassen.) Durch die Schülerzeitung findet Steven auch eine andere Freundin: Jessica (Stacy A. Hart), die, nachdem sie Schürzenjäger Kevin zum Teufel gejagt hat, ziemlich niedergeschlagen ist und die Stevens verständnisvolles Zuhören fehlinterpretiert.

Nun ja, das erste Treffen von Steven und John geht jedoch mächtig in die Hosen, vor allem, da John nicht nur irritiert ist, sondern insbesondere noch nicht akzeptieren kann oder will, dass er "einer von denen" sein soll. Folgerichtig flüchtet er nach einem hastigen, fast schon groben Küsschen kopflos von Steven. Die nächsten Tage tut er in der Schule so, als würde er ihn nicht kennen und geht jedem neuen Annäherungsversuch von Steven aus dem Wege. Erneuten Anlauf nehmen die beiden eigentlich erst nach einer Schuldisko, auf der sie sich anschmachten und John, nachdem er sich Mut angetrunken hat, einfach Steven hinterherläuft. Und siehe da: die beiden kommen sich näher, John kann sich - in Stevens Arme - fallen lassen und auch erstmals darüber reden, was ihn seit langem umtreibt: eine flüchtige Begegnung mit einem Schüler einer anderen Schule bei einer Schulexkursion ...

Nun, so John, habe er einen Freund, der ihn versteht, gefunden. Allerdings dürfe keiner davon wissen. Das schließe ein, dass man sich in der Schule auch weiterhin nicht kennt und allenfalls nach der Schule geheim miteinander was machen kann. Bei diesen Anlässen kann John auch richtig aus sich rausgehen, sich fallen lassen; im Beisein oder mehr noch vor anderen indes nicht. Schließlich hat er ein Image zu wahren und soll, der Familientradition entsprechend, i ein paar Monaten nach Oxford gehen. Trotz aller Nähe und Glücksmomente, die die beiden mit- und beieinander finden, tut John Steven, aus eben diesen Imagegründen, immer wieder weh. Zum Showdown kommt es, als nach einem Wettkampf Steven seinem Freund in der Umkleidekabine gratuliert: als Kevin und andere Cliquemitglieder hinzukommen stößt er Steven demonstrativ von sich und tritt gar nach ihm.

Es prallen zwei detailreich gezeichnete Figuren aufeinander. Der einerseits ängstliche Steven, der aber seine Homosexualität schon lange für sich akzeptiert hat, aber sein Coming Out nach außen noch vor sich hat. Und der völlig verunsicherte John, der seine aufkeimenden Gefühle für Männer und vor allem für Steven zum Teil durch regelrechte Verzweiflungstaten zu unterdrücken versucht. Ich denke, dass sich in der einen oder anderen Figur jeder junge Schwule - wenigstens ansatzweise - wieder finden kann. Zugegeben, ich bin nicht mehr der Jüngste und ich muss mich schon ein paar Jährchen zurückerinnern, aber da sind schon so einige Parallelen. Schaut euch den Film an und urteilt selbst.

Trotz diesen harten Tobaks gelingt dem 25-jährigen Newcomer-Regisseur Simon Shore eine gefühlvolle Teenager-Komödie, die einige Publikumspreise einheimsen konnte. Von der technischen Seite her gesehen ist es dem Film gelungen, in sehr detailreichen Bildern die jeweiligen Stimmungen einzufangen. Die Musik ist stets passend und die Einstellung der tanzenden Paare auf der Fete schlichtweg genial. Die Charaktere (auch in den Nebenrollen) sind stimmig gewählt und bereichern den Gesamteindruck.

Für einige ein bisschen störend, für mich durchaus nachvollziehbar und im Bereich des Möglichen das eher pathetische Ende, die Verständnis heischende, fast schon um Mitleid bittende Selbstoffenbarung Stevens vor der versammelten Schule, als er für einen bei einem Wettbewerb eingereichten Aufsatz einen Preis bekommt. Viel Mut gehört auf jeden Fall dazu, aber auch die Reife, einen derart pathetischen Monolog zu halten; aber schließlich haben wir ja mittlerweile ein neues Jahrtausend. Auf jeden Fall übertreibt die britische Produktion es nicht mit dem Pomp und gleitet nicht in den unwirklich-perfekten Glamour aus Hollywood, sondern zeigt mit wenigen Ausnahmen eine Geschichte, wie sie so ähnlich wirklich hätte passieren können; verliert aber dabei nicht die erfrischende Portion Witz, die vor allem durch Stevens und Lindas Unterhaltungen gespeist wird. Ein Beispiel: als Steve John anschmachtet, der ein Amt an der Schule innehat: "Er ist der Schulsprecher... Du glaubst nicht, wie sehr ich mir ein ' w ' dazwischen wünsche..." Ein Film in der würdigen Tradition des Coming-Out-Kultstreifens "Beautiful Thing"!

Die nunmehr endlich als DVD vorliegende Produktion bietet neben dem deutschen und englischen Originalton auch zuschaltbare Untertitel. Als Extra wäre neben dem gut gemachten Kinotrailer und einigen anderen Kurzvorschauen das Interview mit dem Regisseur Simon Shoke hervorzuheben.

Die DVD ist bei Kinowelt - Arthaus erscheinen und kann z. B. bei Amazon bestellt werden.

© 2004 Dieter Herchenbach & Dirk Carius

Coming-out und Emanzipationsdrama

Regie: Simon Shore
Drehbuch: Patrick Wilde
nach seinem Theaterstück "What's wrong with angry?"

GB 1998

s. a. Kinoposter

Darsteller & Rollen:

Ben Silverstone...Steven Carter
Brad Gorton .......John Dixon
Patrick Nielsen......Mark
Tim Harris............Kevin
Charlotte Brittain..Linda
Stacy A. Hart.......Jessica
Kate McEnery.......Wendy

Gruppenfoto aller Darsteller

 

Oscar Wilde

Die Lebensgeschichte des skandalumwitterten Schriftstellers Oscar Wilde (1854-1900), der zunächst von der viktorianischen Gesellschaft gefeiert und hofiert wurde, die er gleichzeitig herausforderte und mit seinem Witz und Esprit immer wieder aufs Korn nahm und schließlich von ihr vernichtet wurde. In der Titelrolle erweist sich der britische Autor und Schauspieler Stephen Fry, dessen Bücher sämtlich in Deutsch vorliegen und gerade vom Aufbau-Verlag neu herausgebracht wurden, als Idealbesetzung.

1883: Oscar Wilde kehrt von einer triumphalen Amerikatournee nach London zurück. Seine Werbung um die hübsche Constance Lloyd wird erhört, das Paar heiratet.
Wenige Jahre später: Wildes Genialität, geistreicher Witz und verschwenderische Lebensweise haben ihn populär gemacht, sein Roman 'Das Bildnis des Dorian Gray' seinen literarischen Ruhm gemehrt. Oscar Wilde ist Vater zweier Söhne, die er über alles liebt. Doch die Begegnung mit dem jungen Kanadier Robert Ross verändert sein Leben. Er stellt sich seiner homosexuellen Neigung. Je berühmter er wird, desto größer wird die Gefahr eines Skandals. Die viktorianische Gesellschaft duldete die Homosexualität, nicht aber ihre Öffentlichmachung oder gar das Bekenntnis dazu.
1892: In der Nacht des rauschenden Erfolgs mit seiner Komödie 'Lady Windermeres Fächer' lernt Wilde den attraktiven jungen Lord Alfred Douglas, genannt Bosie, kennen. Wilde vernachlässigt seine Familie, Bosie zieht seinen Geliebten in die schwule Halbwelt. Als Bosies Vater, der gewalttätige, exzentrische Lord Queensbury von der Beziehung seines Sohnes zu dem gefeierten Poeten erfährt, beschuldigt der Lord öffentlich Oscar Wilde der 'widernatürlichen Unzucht'. Der Sohn, der seinen Vater hasst, treibt Wilde in einen für ihn verheerenden Beleidigungsprozess. Wilde wird der Homosexualität überführt und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Der einst umjubelte Schriftsteller und gefeierte Dandy ist ein Ausgestoßener, ein Verfemter.
Die Jahre im Zuchthaus zeichnen den an ein Bohéme-Leben Gewöhnten schwer, er wird sich davon nicht mehr erholen. In sich gebrochen, von der Gesellschaft verfemt, versucht er sein Glück auf dem Kontinent, ohne jemals wieder Fuß fassen zu können. Verarmt, vereinsamt und ohne Bosie stirbt er schließlich in Paris.

Der Film zeichnet nicht nur die äußere Lebensgeschichte, mit viel Aufwand in die viktorianische Zeit versetzt, nach; er lässt auch die emotionalen Wallungen zwischen Wilde und seiner Frau als Lebenspartnerin, Wilde und seinem Geliebten Bosie sowie auch die zwischen Wilde und Bosies Vater lebendig vor die Augen des Betrachters treten. Das wohl größte Verdienst des Films ist, dass er den Zuschauer erstmals die damals grandiose Wirkung und den offensichtlichen Charme des Salonhengstes Oscar Wilde erahnen lässt. Selbst weiß Gott keine Schönheit zog er dennoch alle mit seiner Eloquenz, seinem Wortwitz und seinem Dandytum in Bann. Viel mehr noch als in seinem Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" (auch verfilmt mit Helmut Berger in der Titelrolle) tritt diese ganz besondere Wirkung vor allem in Wildes Theaterstücken "Lady Windermeres Fächer" (bislang nur die britische Originalversion verfügbar), "Ein perfekte Ehemann" sowie "Ernst sein ist alles" zutage. Die dankenswerterweise nunmehr aus Erzählungen ehemaliger Gesprächspartner in den Salons rekonstruierten "Tischgespräche" (in deutscher Übersetzung bei Blessing erschienen) hingegen lassen beim reinen Lesen nicht den redegewandten Charmeur vor Augen treten, wie in Stephen Fry überzeugend in Szene setzt. Letzterer ist dem deutschen Publikum als Schauspieler bislang eher wenig - allenfalls aus seinen Gastauftritten in Monty Pythons "Blackadder" bekannt.

Mit "Oscar Wilde" gelang Regisseur Brian Gilbert ein großer Wurf. Für die "Los Angeles Times" zeichnete er das „definitive Porträt des Oscar Wilde“. „Er schaffte es, die freimütige Schilderung seiner Homosexualität mit einer oft bewegenden Darstellung seiner Emotionalität und seiner artistischen Ideale zu verbinden“ (Variety). Stephen Fry ist „unwiderstehlich, beeindruckend und bewegend“ (Empire). „Das gesamte Ensemble spielte brillant, vor allem Stephen Fry, der der geborene Oscar Wilde ist, und Jennifer Ehle, die als Wildes Frau einfach herzerweichend ist“ (Miranda Levy).

Nachdem der Film ja schon seit 1998 als Video vorliegt, hat Arthaus-Kinowelt den Film nunmehr als DVD herausgebracht. Diese bietet neben der originalsprachlichen Audioversion als Extra eine Dokumentation "Simply Wilde", in der Stephen Fry, der Regisseur Brian Gilbert und  Drehbuchschreiber Julian Mitchell ihren persönlichen Zugang zur Person und zum Werk Oscar Wildes ebenso wie Schwierigkeiten bei der filmischen Umsetzung schildern. Auch erfährt man noch einige Hintergründe, leider ist diese Doku jedoch nur 23 Minuten lang.

Erschienen als DVD bei Kinowelt - Arthaus.

Kaufen als DVD bei Amazon oder als VHS.

 

© 2004 Dieter Herchenbach & Dirk Carius

Drama

Regie: Brian Gilbert
Drehbuch: Julian Mitchell
England 1997

Darsteller & Rollen: 

Stephen Fry........Oscar Wilde
Jude Law.....'Bosie', Lord Alfred Douglas
Vanessa Redgrave.....'Speranza', Lady Wilde
Jennifer Ehle.......Constance Wilde
Gemma Jones.....Lady Queensbury
Judy Parfitt.........Lady Mount-Temple

                                                                   

 

Erdbeer und Schokolade

Erdbeer und Schokolade gibt's in Kuba... Als Eis... Auch wenn es weder nach dem einen, noch nach dem anderen so richtig schmeckt, scheiden sich die Geister, welche Sorte "Mann" nun wählen soll. Der eine nimmt Schokolade, der andere Erdbeer. Der eine ist ein junger, heißsporniger Hetero, der andere ein intellektueller und nicht mehr ganz so junger Schwuler. Und diese beiden Menschen finden trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihrer Gegensätze zu einer Freundschaft.
In diesem Film erzählen Tomás Alea und Juan Carlos Tabío die Geschichte des stramm kommunistischen Studenten David (Vladimir Cruz), der in einem Eiscafé von Havanna durch den selbstbewussten Diego (Jorge Perugorría) frontal angemacht wird. Diego ist nicht nur ein homosexueller Künstler, sondern auch ein schlagfertiger Systemkritiker. Er bringt den entsetzten Studenten unter einem Vorwand dazu (er kippt ihm – natürlich aus Versehen – etwas auf die Hose), ihm nach Hause zu folgen, um ihn dort zu verführen. Für seinen schwulen Bekannten hängt er als Zeichen seines vermeintlichen Triumphes gar Davids Hosen auf den Balkon. Doch drinnen läuft keine körperliche Verführung, wohl aber eine kulturell-ideologische: Diego präsentiert David all die großen, doch leider verbotenen Literaten und Künstler, die Kuba hervorgebracht oder über Jahre beherbergt hat – allesamt Personen, von denen David in seinem Literaturstudium noch nie gehört hat. Wie es ihm anerzogen, flüchtet David entsetzt und lässt sich von seinem Freund und Parteigenossen Miguel überreden, den verdächtigen Künstler zu bespitzeln. Zwischen dem Lebenskünstler Diego und dem Kommunisten David entwickeln sich heftige Debatten um persönliche und politische Freiheiten. Der leidenschaftliche Kulturkenner Diego weckt in David ein Gespür für Kubas vergessene Traditionen und zeigt ihm, dass man seinem Land auch ohne stramm-sozialistische Ideologie verbunden sein kann. Diego allerdings bekommt immer größere Probleme. Er überwirft sich mit seinem Freund, dem Bildhauer Germán (Joel Angelino), im Streit über eine politisch riskante Ausstellung und erhält Berufsverbot. Verzweifelt will er emigrieren. Zuvor möchte er noch ein sinnenfrohes Gastmahl geben. 

Ach ja: trotz der Tatsache, dass David nicht schwul ist und auch nicht wird, sind beide zum Schluss beste Freunde und wollen sich nicht voneinander trennen. Diese gute Freundschaft zeigt sich auch nicht zuletzt dadurch, dass Diego selbstlos seiner Freundin und Nachbarin Nancy (Mirta Ibarra) den noch unerfahrenen, jungfräulichen David zur Einführung in die Freuden des heterosexuellen Sex zuführt.

Dem während der Dreharbeiten erkrankten Tomás Gutiérrez Alea und Co-Regisseur Juan Carlos Tabío gelang eine lakonische, schlagfertige und sensible Tragikomödie über Toleranz, Respekt, Freundschaft und Liebe sowie die Kunst des Überlebens im heutigen Kuba – und alles vor der traumhaften Kulisse des leider verfallenen Havanna. Stürmisch gefeiert, erhielt "Erdbeer und Schokolade" 1993 den "Großen Preis" des Lateinamerikanischen Filmfestivals, 1994 den "Silbernen Bären" und den Spezialpreis der Jury und wurde als bester ausländischer Film für einen "Oscar" nominiert. Nunmehr ist dieser ebenso bedrückende wie beglückende Film auf DVD – bei Arthaus – erhältlich. Diese bietet neben dem original spanischen Sound die deutsche Synchronversion, der deutsche Untertitel ist wahlweise zuschaltbar. Weitere Soundversionen, die durchaus verfügbar wären, fehlen jedoch leider ebenso wie anderes Bonusmaterial. Dafür ist der Preis vergleichsweise günstig. Bestellen kann man die DVD bei amazon.de.

Technische Angaben 
DVD Bild: 1,78:1 (16:9 anamorph) 
DVD Sprachen/Ton: Deutsch, Spanisch (Dolby Digital 1.0 Mono) 
DVD Untertitel: Deutsch 
DVD Extras: Trailer

© 2004 Dieter Herchenbach & Dirk Carius

Tragikomödie

Cuba, Mexiko, Spanien 1993
(Fresa y chocolate)

Regie: Tomás Gutiérrez Alea und Juan Carlos Tabío
Drehbuch: Senel Paz, nach seiner Erzählung „The wolf, the woods and the new man“
Musik: José María Vitier
Kamera: Mario García Joya
(104 Min.)

 

 

Rollen & Darsteller

Diego Jorge Perugorría
David Vladimir Cruz
Nancy Mirta Ibarra
Miguel Francisco Gattorno
Germán Joel Angelino
Vivian Marilyn Solaya
Santero Andrés Cortina
Freund Antonio Carmona
Taxifahrer Ricardo Avila
Erste Passagierin María Elena del Toro
Zweite Passagierin Zolanda Ona
Nachbarin Diana Iris del Puerto
und andere 

                                                    

 

Jeffrey - It's just Sex

Jeffrey (Steven Weber) ist ein Möchtegern-Schauspieler, der öfter kellnert, als dass er vor der Kamera steht, meistens in zweitklassigen Fernsehproduktionen. Angesichts der vielen Aids-Opfer unter seinen Freunden und Bekannten beschließt er, Sex zu meiden und künftig enthaltsam zu leben. Was er braucht ist eine Ersatzbetätigung. Warum nicht Sport? Doch schon bei seinem ersten Training im Fitnessstudio trifft Jeffrey den ebenso charmanten wie geilen Steve (Michael T Weiss), was seinen gerade gefassten Beschluss auf eine harte Probe stellt. Als Jeffrey dann auch noch erfährt, dass Steve HIV-positiv ist, versucht er, ihm aus dem Weg zu gehen, doch sein väterlicher Freund Sterling (Patrick Steward) arrangiert ein gemeinsames Abendessen. Jeffrey ist hin- und hergerissen zwischen der Zuneigung zu Steve und seiner Angst vor Ansteckung. Er begibt sich auf die Suche nach Antworten. Auf den schrillen Show-Seminaren der selbstherrlichen New-Age-Missionarin Debra (Sigourney Weaver) findet Jeffrey nicht die Hilfe, die er braucht. Noch weniger bringen ihm die Ratschläge des fidelen Priesters Dan (Nathan Lane), der lieber ein Musicalstar wäre, Sex nicht als Werk des Teufels erachtet und sich sogar an ihn ranmacht. Zwar bewundert er die Haltung von Mrs. Marcangelo (Olympia Dukakis), die sich stolz hinter ihren transsexuellen, lesbischen Sohn stellt, doch auch dies bringt ihn nicht weiter. Erst als Sterlings HIV-positiver Freund Darius (Bryan Batt) stirbt und aus dem Jenseits zu ihm spricht, versteht Jeffrey, dass er Aids hassen soll und nicht das Leben...
Der Film beruht auf dem gleichnamigen Theaterstück von Paul Rudnick, das auch auf mehreren deutschen Bühnen mit Erfolg gelaufen ist. Die längst überfällige DVD erschien bei Arthaus / Kinowelt, hat aber außer dem englischen und deutschen Ton sowie wahlweise zuschaltbaren deutschen Untertiteln keine Extras zu bieten. Was aber den Wert des Filmes in keiner Weise einschränkt. Zu bestellen kann man die DVD bei amazon.de.

Technische Angaben 
DVD Bild: 1,66:1 (letterboxed) 
DVD Sprachen/Ton: Deutsch Dolby Digital 2.0 Stereo, Englisch Dolby Digital 1.0 Mono 
DVD Untertitel: Deutsch 
DVD Extras: Trailer

© 2004 Dieter Herchenbach & Dirk Carius

Spielfilm 

USA 1995
Regie: Christopher Ashley
Drehbuch: Paul Rudnick nach seinem
Bühnenstück
Musik: Stephen Endelman
Kamera: Jefrey Tufano

Rollen und Darsteller:

Jeffrey: Steven Weber
Sterling: Patrick Stewart
Steve: Michael T. Weiss
Darius: Bryan Batt
Debra Moorhouse: Sigouney Weaver
Vater Dan: Nathan Lane
Mrs. Marcangelo: Olympia Dukakis
Skip Winkley: Robert Klein
Anne Marwood Bartle: Christine Baranski
Acollyte: Kathy Najimy
Mom: Debra Monk
Dad: Peter Maloney
Sharon: J. Smith Cameron
Kellner K.: Todd Freeman
Tim: Victo Garber
Dave: Ethan Philips
und andere
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