Zärtlichkeit der Wölfe

Bochum, nach dem Zweiten Weltkrieg. Fritz Haarmann, ein ehemaliger Metzger, Hausierer und Kleinkrimineller, wird von der Polizei zu Spitzeldiensten erpresst. Niemand ahnt, dass der geistig eher minderbemittelte, harmlos wirkende Mann der lange gesuchte Massenmörder ist. Haarmann hat, seitdem er im Krieg verwundet worden ist, „kein Glück mehr bei den Frauen"; also vergnügt er sich mit jungen Männern, meist Streunern und Strichern. Er lockt sie in seine Wohnung, bewirtet und missbraucht sie und bringt sie schließlich um. Die Leichen zerlegt Haarmann, das Fleisch verkauft er an ein Gasthaus. Als Kinder in einem Fluss mehrere Schädel und andere menschliche Skelettreste finden, wird die Polizei - nicht zuletzt auf Drängen der Besatzungsmacht - aktiv. Mit Hilfe eines Lockvogels wird Haarmann auf frischer Tat ertappt, ausführlich verhört und untersucht und schließlich „wegen Mordes in 24 Fällen" hingerichtet. 

Der historische Haarmann wirkte in den 20er Jahren in Hannover, der Film-Haarmann treibt es in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg in der Gegend von Bochum und Gelsenkirchen. Drehbuchautor und Haarmann-Darsteller Kurt Raab: „Es ging uns ja nicht darum, einen historischen Film oder einen dokumentarischen Film über Haarmann zu machen; eine soziologische Studie darüber, wie Haarmann zum Massenmörder geworden ist, sowieso nicht. Es sollte ein Kriminalfilm, ein Thriller über einen Massenmörder sein in einer Zeit, die ihm den Nährboden bot. Das war in den 20er Jahren gegeben, aber in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg war die Situation ähnlich." Während Romuald Karmakar in seiner vielbeachteten Haarmann-Studie „Der Totmacher" auf historische Authentizität abzielte, verstand Ulli Lommel seinen Film eher als „böses Kinomärchen über ein fast liebenswertes Monster in Menschengestalt". Tatsächlich wirkt Kurt Raab als Haarmann zeitweise wie ein vom Schicksal gebeutelter Untoter, ein Werwolf oder Vampir, der wie alle klassischen Horrorfiguren auch unser Mitleid verdient.

Mehr Infos bei Rosemarie Kuheims www.deutsches-filmhaus.de

Deutscher Spielfilm von 1973
Regie: Ulli Lommel
Produzent: R.W. Fassbinder
Musik: Peer Raben

Fritz Haarmann: Kurt Raab
Granz: Jeff Roden
Frau Linder: Margit Carstensen
Frau Bucher: Hannelore Tiefenbrunner
Inspektor Braun: Wolfgang Schenck
Wittkowski: Rainer Werner Fassbinder
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© 2005 Dieter Herchenbach