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Die Dokumentation zeigt das Liebesleben einiger Schwuler in der Republik Elfenbeinküste anhand eines bunten Spektrums, das von Vincent, dem Erzähler und
Griot, bis zu Barbara, der temperamentvollen Vorsitzenden des örtlichen Transvestitenverbandes reicht. In ihrer Begleitung reisen wir nach Abidjan, dem Regierungssitz des westafrikanischen Staates, und in kleine Dörfer des Hinterlandes.
WOUBI CHÉRI läßt uns ein homosexuelles Afrika entdecken, das es immer gegeben hat, das aber heute sein Schweigen bricht. Dieses Afrika tritt immer stärker aus dem Verborgenen hervor und ist nicht mehr bereit, sich an den Rand der Gesellschaft drängen zu lassen. Dem Anschluß an die internationale Schwulenbewegung steht die Andersartigkeit der gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen auf dem afrikanischen Kontinent entgegen. Der Film gibt Einblick in eine entstehende homosexuelle Identität.
In Afrika stoßen Sexualität und Liebe auf weniger Barrieren und Tabus als in Europa. Das weitverzweigte Netz der Familien, die vielen aufeinanderfolgenden Ehen und die Polygamie eröffnen der Vorstellungswelt in Liebesdingen Horizonte, die weit über das einzelne Paar hinausgehen. Sie lösen die Familienzelle in ein reiches Spektrum von verwandtschaftlichen, ethnischen und gefühlsmäßigen Beziehungen auf. Europa ist gerade erst dabei, diese Zusammenhänge in ihrem ganzen Umfang zu entdecken.
Anspielungen auf Sexuelles in jedweder Form sind in Afrika mit einem starken Tabu belegt. Die Sexualität wird frei ausgelebt, sofern sie vor fremden Blicken geschützt bleibt und nicht in der Öffentlichkeit von sich reden macht. Unter diesen Bedingungen erschüttert jede Erwähnung, jeder Versuch, eine homosexuelle Identität zu schaffen, deren gegenwärtige stillschweigende Duldung.
Aber dieses Tabu und die Verschwiegenheit ermöglichen paradoxerweise eine größere Freiheit, eine auf Diskretion beruhende Nicht-Diskriminierung. Selbst die Transvestiten, die ihre sexuelle Neigung in aller Öffentlichkeit ausleben, vermeiden es sorgfältig, diese allzu genau zu benennen. Ihre sexuelle Identität, die im Okzident ein so brennendes Problem darstellt, scheint ihnen keine größeren Sorgen zu machen. Die "Szene" behauptet sich dort auf ihre Art, immer mit Humor, und sicher ebenso frei wie die westlichen Gays.
Mit dem Entstehen der ersten Verbände, z.B. des Transvestitenverbandes der Elfenbeinküste in Abidjan, wird diese stillschweigende Duldung heute aufgebrochen.
Kürzlich war in RUE PRINCESE von Henri Duparc der erste Transvestit im Film zu sehen. Weniger ernste Transvestiten traten in den lokalen Fernsehserien auf. Noch deutlicher wurde Mohammed Camara mit seinem 1997 in Cannes gezeigten Film DAKAN, in dem er zum ersten Mal unverhüllt eine Liebesgeschichte zwischen Jungen in Guinea zeigt.
Während das homosexuelle Afrika immer stärker in Erscheinung tritt, bahnt sich ein kultureller Konflikt an, der eine Kluft auf dem ganzen Kontinent aufreißen könnte. Viele afrikanische Regierungen weigern sich noch, die Existenz der Homosexuellen und Prostituierten in ihrem Land anzuerkennen und drohen ihnen mit Ausschluß aus der Gesellschaft.
Die Nachhut der nationalistischen Politiker verleumdet die Homosexualität nach wie vor als westlich-dekadente, aus Hollywood importierte Erscheinung, die für die Bevölkerung ebenso schädlich wie Sitcoms und Hamburger sei. In Simbabwe hat Präsident Robert Mugabe die Homosexuellen kürzlich beschuldigt, die "Menschenwürde zu beschmutzen" und "schlimmer als Hunde und Schweine" zu sein.
Homosexuelle hat es in Afrika immer gegeben, aber heute fehlen ihnen die Worte, sie ersticken an ihrem Schweigen, sie suchen eigene Bezugspunkte und vor allem Anerkennung. Dort, wo sie mundtot gemacht oder brutal unterdrückt werden wie in Simbabwe, tauchen sie in die Unterwelt ab und bewegen sich im Verborgenen. Aber nicht überall sind sie zu einem Außenseiterdasein gezwungen. Vor allem in der Republik Elfenbeinküste sind sie aufs engste ins tägliche Leben und kollektive Bewußtsein einbezogen. Sie gehören mit dazu: schweigend und fast unsichtbar, außer für die, die bewußt nach ihnen suchen.
WOUBI CHERI ist das Ergebnis dieser Suche. Die Woubi und die Yossis der Elfenbeinküste erzählen von ihren Erfahrungen im Alltag; Humor, Emotion, Revolte und Tradition sind im Spiel. Sie lassen uns an ihren Freuden und Leiden Anteil nehmen. Ein "Gay"-Leben, wie es bisher noch nie gezeigt wurde.
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Dokumentation von
Philip Brooks und
Laurent Bocahut,
Frankreich 1998,
56 Min.
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