Womit hab' ich das verdient?

... fragt sich Carmen Maura, die die Hauptrolle in dieser schwarzen Komödie in dem Pedro Almodóvar-Film spielt. Gloria (Carmen Maura) lebt mit ihrer Familie in einem tristen Wohnsilo in ständiger Nervenanspannung. Ihr Mann Antonio (Angel de Andres Lopez) nervt sie ebenso wie ihre nichtsnutzigen Söhne Toni (Juan Martinez) und Miguel (Miguel Angel Herranz), ganz zu schweigen von ihrer Schwiegermutter (Chus Lampreave), die auch bei ihnen wohnt. Da Antonio als Taxifahrer nicht genug Geld heimbringt, muß Gloria als Putzfrau mitverdienen; ihre Nachbarin Cristal (Veronica Forqué) hält sie als vielgefragtes Callgirl zusätzlich in Atem. So kommt Gloria nur mit Aufputschmitteln mühsam über die Runden. Eines Tages langt es ihr. Ihr Mann hat das zweifelhafte Talent, jede fremde Handschrift täuschend ähnlich nachzuahmen, und soll dafür eingespannt werden, fiktive Hitler-Memoiren zu produzieren. Daraus wird nichts, denn Gloria schlägt ihm in einem Anfall wütender Eifersucht eine Schinkenkeule so heftig auf den Schädel, daß Antonio stürzt und sich dabei tödlich verletzt. Damit hat sie nun auch noch die Polizei im Haus... 

Auch in dieser provozierenden Farce erspart Pedro Almodóvar seinen Hauptfiguren und den Zuschauern so gut wie nichts und konfrontiert sie mit einem grellen Kosmos dauernder Regelverstöße. Anders als die Hausfrau-und-Mutter-Märtyrerinnen amerikanischer Melodramen kultiviert seine Hauptfigur keinen Heroismus des Verzichts, sondern giert nach Ausbrüchen, vom schnellen Seitensprung in der Duschzelle bis zum Verkauf eines lästigen Sohns, den sie einem Päderasten überläßt. Dabei muß Carmen Maura in der Rolle der Gloria so reizlos verhärmt aussehen, daß sie nach den Dreharbeiten gestand, vor lauter Häßlichkeit habe sie nach Feierabend nicht mehr aus den Depressionen der Heldin herausgefunden. 

 

© 2000 Dieter Herchenbach