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Drei Regisseure widmen sich zeittypischen Paarproblemen, die Lesben dreier
unterschiedlicher Generationen zu drei unterschiedlichen Zeiten hatten,
die nur durch die äußere Konstanz des Ortes (alle drei Episoden spielen
im selben Haus) zusammengeführt werden:
1961
Edith (Vanessa Redgrave) und
Abby (Marian Seldes) sind schon seit 25 Jahren ein Paar,
haben als Lehrerinnen an derselben Schule gearbeitet, sich zusammen ein
Haus gekauft, in dem sie sich auch häuslich eingerichtet hatten -
offiziell aber waren sie kein Paar, sondern allenfalls befreundete
Damen, Edith die Kollegin von Abby. Ja, und offiziell lief das Haus -
auch wenn sich Edith und Abby die Hypothekenraten geteilt haben. Ein
rührendes Pärchen geben die beiden Rentnerinnen ab, wie liebevoll sie
miteinander - und auch mit den Tieren in ihrem Garten - umgehen! Doch
dann passiert das Unglück: Abby stürzt bei dem Versuch einen aus dem
Nest gefallenen Vogel wieder einzusetzen von der Leiter und stirbt im
Krankenhaus. Da sie keine Familienangehörige darf Edith nicht zu ihrer
bewusstlosen Partnerin und man vergisst trotz Flehen die im Krankenhaus
Nächtigende vom Tod ihrer Geliebten in Kenntnis zu setzen.
Doch ist das nicht bereits schlimm genug, bleibt es nunmehr an Edith
hängen, den einzigen Verwandten Ted, einen Neffen Abbys, zu informieren.
Der kommt auch gleich mitsamt seiner sehr materialistisch eingestellten
und Besitz ergreifenden Frau sowie ihrer Tochter angereist. Als er die
Besitzurkunde über das Haus erblickt, gehen im schon richtig die
Dollarzeichen in den Augen auf und noch weitaus mehr seiner Frau, die
zwischenzeitlich schon einen Kleinkrieg um die ganzen Innereien des
Hauses ("Ist das Abbys?") angezettelt hat. Hat Ted zunächst scheinbar
noch Verständnis für Edith und will sie gar weiter, unter Umständen
gegen eine Mietzahlung, im Haus wohnen lassen, redet ihm seine Frau das
schon bald aus und so landet Edith schließlich auf der Straße. Ein
Zugeständnis allerdings gibt es: Ted erklärt sich bereit ihr wenigstens
die gezahlten Hypothekenraten zu ersetzen (wollen wir hoffen, dass er
das Versprechen hält).
1972
Linda (Michelle Williams) wohnt mit drei lesbischen
Freundinnen zusammen in dem Haus, das früher Edith und Abby gehört hat.
Am College haben die vier sich massiv für die Gründung einer
Frauengruppe eingesetzt und einiges erreicht, werden nun aber - Undank
ist der Welten Lohn - von dieser kurzerhand an die Luft gesetzt, da sie
Lesben sind, der Rektor Druck gemacht habe und die Zeit einfach "noch
nicht reif" sei für das Durchsetzen von und Kämpfen für lesbische
Ziele (Und außerdem: was hätten denn Frauen damit zu tun?). Bei einem
Besuch in der - immerhin schon vorhandenen - Lesbenbar außerhalb der
Stadt
lernt Linda Amy (Chloë Sevigny)
kennen, die allerdings so ziemlich von
dem Frauenbild, das die vier leben, abweicht. Kurz:
Amy ist ein "kesser Vater", egal ob sie nun mit Lederjacke
oder in Schlips und Kragen daherkommt.
Logisch, dass die drei Mitbewohnerinnen Sturm laufen, als sich Linda in
sie zu vergucken droht und selbst als sie schon mit ihr geht, verstummen
die Lästermäuler nicht. Das geht sogar soweit, dass sie Amy frontal
angreifen und ihr ihr Anderssein vorhalten - und Linda nicht den Mut
aufbringt zu ihrer Freundin zu stehen: sprachlos schweigend steht sie
daneben und sieht tatenlos zu, wie Amy das Haus verlässt, nicht ohne
Linda zuzuraunen "Ich würde nie von dir verlangen, dass du dich
änderst". Erst als Amy schon weg ist, wird Linda ihr beleidigender
Patzer bewusst. Ist es zu spät oder ist eine Versöhnung noch möglich?
2000
Kal (Ellen DeGeneres; zu der Zeit die Freundin von Anne Heche,
der Regisseurin dieses dritten Teiles) und
Fran (Sharon Stone) sind ein Paar und haben nur einen Wunsch:
ihre Verbindung mit einem gemeinsamen Kind zu krönen. Also: frag doch
mal bei den Schwulen! Interessenten finden sich auch, nur kommt man in
dem wesentlichen Punkt überein, nämlich dass der Vater nur als
biologischer Zeuger gebraucht werde und sich danach gefälligst aus dem
Leben der Mütter wie des Kindes verziehen solle.
Also was bleibt: der Weg zur Samenbank. Dass auch diese Methode mit
ihren eigenen Hindernissen und kleinen Gemeinheiten gepflastert ist,
müssen die beiden Mütter schon bald in wirklich manchmal skurrilen
Szenen erfahren. Die Krönung dieser Episode ist sicher, so sage ich das
jetzt einfach mal als Schwuler, das Barbiepüppchen-Outfit und Image von
Sharon Stone! Nun ja, und soll ich hier verraten, wie die Episode
ausgeht? Lieber nicht ...
Eines vorweg: der Film ist durchweg zu empfehlen und
auf jeweils verschiedene Weise sehenswert, auch wenn sicher nicht alle
drei Szenen und Episoden gleich sind. Auch erhebt der Film nicht den
Anspruch DIE Probleme der
Lesben zu den einzelnen Zeiten oder die generationstypischen schlechthin
zu thematisieren. Dennoch haben alle drei geschilderten Konstellationen
durchaus ihre Berechtigung und mögen zu der jeweils zugeschriebenen Zeit
auch eine erhöhte Brisanz und Relevanz gehabt haben / haben, plausibel
und authentisch sind sie allemal. (Nun gut, das Problem des
Kinderkrieges stellt sich für ein Rentnerpaar in den 1960ern sicher
nicht!).
Der äußere Zusammenhalt der drei Episoden einzig
durch die Gemeinsamkeit des Ortes mag etwas dürftig erscheinen - ja und
muss es ihn denn für einen Film überhaupt geben. Ein anderer gemeinsamer
Rahmen - nämlich typische Paarprobleme unter Lesben - trägt den Film
mindestens genauso gut.
Mir persönlich hat die erste Szene (1961) am besten
gefallen. Das mag und wird sicher zu einem großen Teil der
schauspielerischen Exzellenz und Erfahrung einer Vanessa Redgrave zu
verdanken sein, nicht umsonst hat sie ja für ihre Rolle auch den Emmy
und einen Golden Globe verliehen bekommen. Doch ist auch die Szene
selbst die wohl am durchgängigsten plausibelste. Auch die etwas spaßige
Inszenierung des Kinderwunsches eines lesbischen Paares hat, bis auf die
etwas gewöhnungsbedürftige Kostümierung Sharon Stones, durchaus etwas
für sich, man guckt es nicht ungern.
Einzig die zweite Szene schwächelt in diesem Rahmen
etwas dahin: Das Plädoyer für die persönliche Freiheit eines jeden so zu
sein wie er will und sich zu "paaren" mit wem er will geht durch die
teilweise etwas gestellt wirkende Szenerie etwas verloren, und auch die
Linda, die sicher nicht so intendiert war, kommt manchmal einfach als
kleines Dummchen, Naivchen rüber, das sie aber definitiv nicht ist.
Den Film gibt es in nur deutscher Fassung als VHS sowie alternativ als
DVD, die standardmäßig mit dem amerikanischen Original- (leider nur DD
2.0) und dem deutschen Synchronton (DD 5.1) daherkommt. Untertitel gibt
es leider keine. Neben der schon standardmäßigen Kapitelvorschau bietet
die DVD außerdem noch eine Trailershow, nur werden sicher nur wenige
schwule und lesbische Zuschauer die dort angepriesenen Actionstreifen
interessieren.
Erschienen sind DVD und Video bei
Splendid
Entertainment Kaufen als DVD
bei Amazon als DVD
oder als
VHS.
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Drama USA 2002
Originaltitel: If these walls could talk II Regie: Jane Anderson, Martha
Coolidge, Anne Heche
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