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Vera, eine junge, attraktive Schiffbauingenieurin, steht mit beiden Beinen im Leben. Sie ist unabhängig, tatkräftig und selbständig. Daher liegt für sie auch kein Widerspruch
darin, Beruf und Erziehung ihrer achtjährigen Tochter Taddi gleichzeitig zu meistern. Vom Vater des Kindes erfährt sie dabei keine Unterstützung. Der aufstrebende Jungpolitiker war schon immer nur an der eigenen
Karriere interessiert, weshalb ihn Vera vor die Türgesetzt hat. Ihre Durchsetzungskraft schlägt sich auch erfolgreich im Beruf nieder. – Ein lang gehegter Traum steht kurz vor der Erfüllung: Vera soll die nächsten Jahre in
Shanghai arbeiten. Doch ganz unvorhergesehen wendet sich das Blatt. Zwischen zwei Terminen hetzt Vera zum Arzt, um die Ergebnisse einer Routineuntersuchung abzuholen. Völlig unerwartet wird die junge Frau mit
einer entsetzlichen Wahrheit konfrontiert. Sie ist HIV-positiv. Vera ist wie gelähmt. Ziellos fährt sie durch die Stadt, verpaßt einen wichtigen Termin für Shanghai und baut
einen Unfall. Doch schließlich verdrängt sie Angst und Verzweiflung. Erstens – vielleicht haben sich die Ärzte geirrt, zweitens – das wichtigste ist, daß ihre Tochter Taddi
nicht infiziert ist. Doch die Hoffnung trügt – Veras Ergebnis wird bestätigt. Einziger Lichtblick: Taddi ist gesund! Und außerdem können noch Jahre vergehen, bis die
Krankheit bei ihr selbst ausbricht. Trotzdem – die junge Mutter muß für die Zukunft planen: Wer kümmert sich um das Kind, wenn sie dazu nicht mehr in der Lage sein
wird?
Natürlich bietet sich Veras Vater an, die Erziehung der Enkeltochter zu übernehmen. Vorsichtig muß Vera ihm beibringen, daß seine Gesundheit und sein Alter eine
solche Belastung nicht mehr zulassen. Als Vera Taddis Erzeuger mitteilt, daß sie HIV-positiv ist, läßt seine erste Reaktion keinen Zweifel daran, daß auch er nicht als Erzieher in Frage kommt – ganz abgesehen davon, daß
Taddi da auch noch ein Wörtchen mitzureden hat. Dann ist da noch Maren, Veras beste Freundin, aber auch Konkurrentin im Shanghai-Projekt. Kann Vera der ehrgeizigen, erfolgreichen jungen Frau eine solche Verantwortung
zumuten? Gerade in dieser schwierigen Entscheidungsphase bricht die Krankheit aus – Vera hat Aids. Einziger Lichtblick in dem bedrückenden Dunkel, das Vera umgibt, sind ihre schwulen Nachbarn. Beide
wissen durch Schicksale von Freunden, wie grauenhaft der Tod durch Aids ist. Schonungslos bereiten sie Vera auf das vor, was sie erwartet. Trotz dieser brutalen Offenheit
gelingt es den beiden, mit ihrem munteren Sarkasmus Vera Mut zu machen. Zwei Fremde werden so zu Freunden, die ihr helfen, ihr Schicksal und ihre Angst zu besiegen.
Am Ende wird es die kleine Taddi sein, die entscheidet, bei wem sie bleiben möchte, und es Vera auf diese Weise ermöglicht, die ihr verbleibende Zeit zu nutzen und
vielleicht sogar zu genießen, soweit es die Krankheit erlaubt...
Leise und ernst konfrontiert „Woanders scheint nachts die Sonne" mit der Angst und der Wut über die
Sinnlosigkeit einer tödlichen Krankheit und mit unserer Hilflosigkeit ihr gegenüber. Ohne rührselig und sentimental zu werden, erzählt Rolf Schübel erfrischend nüchtern und
zurückhaltend. Mutig wie die Protagonistin selbst geht der Film das schwierige Thema an und
erschließt Wege des Umgangs mit der schicksalverändernden Krankheit. Der herausragenden Julia Jäger gelingt es dabei, Pathos zu vermeiden und Schmerz niemals
plakativ zur Schau zu stellen. Eine Prise schwarzen Humors, der zuweilen schmunzeln macht, lockert düstere Szenen auf,
anstatt sie tränenreich auszuschlachten.
„Woanders scheint nachts die Sonne" entläßt seine Figuren und mit ihnen auch den Zuschauer mit einem positiven Ausblick in die Zukunft. Trotz aller Traurigkeit macht
dieser Film Mut.
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