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WIR heißt der Film, nur gehört der Rezensent nicht zum dargestellten Personenkreis. Und das aus zweierlei Hinsicht: erstens - und wohl am gewichtigsten - er ist nicht Mitte Zwanzig wie die Personen im Film. Und zweitens: er wohnt nicht in Berlin, sondern in Leipzig - wenn es denn daran liegt. Auf jeden Fall steht er erstens mit beiden Beinen im Leben und ist nicht frustriert wie doch viele der Personen im Film. Dennoch findet er den Film beachtenswert. Woran liegt's? Was wird erzählt? Wie schon gesagt: es geht um zehn Menschen, Mitte Zwanzig, im heutigen Berlin. Sie stammen aus der gut bürgerlichen Mittelschicht, haben Abitur gemacht und alle Möglichkeiten stehen ihnen offen. Sollte man meinen. Allen gemeinsam ist: sie haben allesamt noch nicht weder ihren Ruhepol, noch den Sinn des Lebens gefunden und sind auf der Suche: nach dem richtigen Lebensweg, dem Sinn im Leben (kann man ihn in Nepal finden?), nach dem richtigen Job (gelangweilter, Privatgespräche führender Call-Center-Agent ist auf Dauer doch nicht der Bringer), dem richtigen Studienfach (ja, ja, die Langzeitstudenten, die nach jeweils 2 Jahren von einem Fach ins andere wechseln) und natürlich auf der Suche nach Liebe ... So weit so gut. Doch dass ihnen alle Möglichkeiten offen stehen, hilft ihnen eigentlich überhaupt nicht, im Gegenteil. Das Grundproblem: sich zu sehr zu verpflichten - das ist doch nun wirklich nichts, das ist Schnee von gestern. Also ab in die Unverbindlichkeit, in die Beliebigkeit. Das ganze Leben ist Party oder zumindest doch ein Spiel - der Song "Ich will doch nur spielen" würde hier wirklich selten gut passen, nicht nur in Bezug auf die Austauschbarkeit der Beziehungen. Dahin flüchten sie sich denn auch: in allenfalls unverbindliche, einzig auf Fun gerichtete Beziehungen, in den Konsum von Drogen, Medien und Menschen. Sie proben die Flucht nach vorne, indem sie ihre Verletzlichkeit hinter schnoddrigen Zynismen zu verbergen suchen. Oder sie ziehen sich zurück in die eigenen vier Wände, in Tagträumen auf der Suche nach dem inneren Gleichgewicht... Erfrischend anders ist das Landei (nun nicht wirklich Landei, eher normal gebliebener Stadtmensch) Florian (OLIVER BOKERN), der nunmehr nach Berlin kommt und zunächst bei seinem vordem besten Freund Pit (JANNEK PETRI, im Bild rechts) unterkommt. Der hat sich inzwischen geoutet und das ist auch ok für Florian. Doch die richtig gute Idee ist das nicht, wie sich herausstellt, Pit geht ihm aus dem Weg und versucht ihn - trotz großer Bleibe - so schnell wie möglich in eine andere WG abzuschieben. Wie Pit später zugibt, liegt das daran, dass er sich in Florian verguckt hat und ihn nicht so zu kriegen, damit käme er nicht klar. Jedenfalls ist auch Pit noch als größtenteils bodenständig zu bezeichnen. Abgesehen vom Fitness-, Schöhnheits- und Coolnesswahn, den er an den Tag legt, um sein Ziel eines Tages als Werbeboy für geile Männerslips groß rauszukommen, sucht er eigentlich 'nen richtigen Freund, will sich also schon binden und ist auch sonst gar nicht entwurzelt. Ganz im Gegensatz zu Carsten (KNUT BERGER, im Bild links). Scheinbar (a modern) - oder wirklich ? - bi, treibt er die Beliebigkeit, Unverbindlichkeit und Bindungsangst ans Max. Bei seiner Freundin meldet er sich, auch wenn er es zehnmal versprochen hat, nicht, ihre Anrufe bleiben genauso unbeantwortet wie er sich die Freiheit des Verkehrs mit anderen Männlein und Weiblein herausnimmt. Das treibt seine Freundin Judith (KARINA PLACHETKA) zur Weißglut, bringt ihm aber auch nicht wirklich Erfüllung. Der Schlusspunkt fällt, als Judith ihn besuchen will, er sie reinlässt und ohne Vorwarnung ins Schlafzimmer schickt, um noch Brot zu holen. Denn da liegt just Pit, den Carsten tags zuvor aufgegabelt hatte. Dass der sich nun nicht mehr von der Gabel nehmen lässt und das Unmögliche - Carsten zu binden und zivilisieren - lässt sich da noch nicht absehen. So wie diese, nennen wir es Liebe, auch wenn das nun wieder so nicht thematisiert wird, sich findet, sind auch zwei andere Suchende kurz davor sich zu finden, wenn es nicht vorher zur den Film fast beendenden Katastrophe käme: Auf einer Party lernt Florian nun seinerseits Petronella (RIKE SCHMID) kennen, Künstlerin und Clubausstatterin, die seit Jahren schon mit Till (SEBASTIAN REIß) zusammen ist ohne wirklich glücklich oder erfüllt zu sein. Klar, dass sie da auch offen ist für die Avancen Florians ... Doch dann kommt die Katastrophe: ein nur wenig beachtetes Mitglied des Freundeskreises verliert die Kontrolle, nicht nur über sich, auch über das Auto, in dem er einige der Freunde kutschiert. Doch der tragische Unfall zeitigt auch Gutes: er bringt die Freunde auf den Boden der Tatsachen zurück. WIR ist ein Ensemblefilm und erzählt mit viel Sympathie von den Träumen, Problemen (!) und Sehnsüchten großstädtischer Mittzwanziger. Er wirkt ehrlich und kommt authentisch rüber: ein Tipp also. Bestellen kann man die bei Eurovideo erschienene DVD unter anderem bei bei amazon.de. Weitere Infos zum Film inklusive downloadbares 10seitiges Presseheft mit Team- und CrewDoku, auf der offiziellen HP. |
Jugend-Drama |
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Darsteller und ihre Rollen Oliver Bokern .... Florian |