Vier Bären im Schnee

„Gefühle des Alltags“, nennt Werner Klein (48) Fensterputzer und Kioskbetreiber aus Rodgau-Dudenhofen seine Müllkunst. Er präsentiert seine skurrilen Objekte den irritierten Nachbarn anlässlich seiner „Coming-out-Performance“. Werner ist ein unbequemer Geist, ein Individualist, der sich selbst einen Eigenbrötler nennt und dennoch nicht die Hoffnung verloren hat, eines Tages seiner Einsamkeit zu entfliehen.
Gefunden haben sich Heinz Ketzer (56), Straßenbahnfahrer, und Karlheinz Röpke (62), Kellner. Ihre Partnerschaft hält seit 20 Jahren. Ein gescheiterter Versuch sich selbstständig zu machen, hat sie nur noch mehr zusammen geschweißt. Ihr größter Wunsch gilt der Gleichstellung auch vor dem Gesetz. (Anmerkung: am 10. November 2000 erfolgte die Verabschiedung des Lebenspartnerschaftsgesetzes, das die Lebenspartnerschaft zweier Personen gleichen Geschlechts regelt.)
Nachdem Manfred Bresler (58) in Frühpension ging, hat er sein „Gay Life“ konsequenter und intensiver gelebt als je zuvor. Das zeigt sich auch in seinem Outfit. Er lebt allein, eine feste Partnerschaft ist er nie eingegangen. Während junge Schwule ihr Leben in immer selbstverständlicherer Offenheit leben, haben ältere Männer noch die massive Repression der 50er- und 60er-Jahre miterlebt.
Andreas Buhr zeichnet Lebenswege nach, in denen sich trotz Startschwierigkeiten ein schwules Selbstbewusstsein entwickeln konnte, jedes auf seine eigene Weise. 

Film von Andreas Buhr, 1999

 

© 2001 Dieter Herchenbach