Victor/Victoria

Travestie-Komödien-Klassiker mit Julie Andrews als Frau, die vorgibt, ein Mann zu sein, der vorgibt eine Frau zu sein. Dann verliebt sich auch noch der mutmaßliche Gangster James Garner in sie/ihn/es und sein Bodyguard gibt Coming Out-Nachhilfe...

Paris im Jahr 1934: Die Sängerin Victoria ist seit langem ohne Engagement. Das Zimmer wird ihr gekündigt, seit Tagen hat sie nichts mehr gegessen. Bei einer aus der Not geborenen Zechprellerei lernt sie den ebenfalls stellungslosen alternden Homosexuellen Toddy, einen ehemaligen Vaudeville-Star, kennen. Der phantasievolle und einfallsreiche Toddy überredet sie zu einer tollkühnen Aktion: Victoria soll sich als Victor, Frauendarsteller aus Russland, ausgeben. In der Künstleragentur erregt das Paar tatsächlich größtes Aufsehen, und schon bald ist das erste Engagement unter Dach und Fach. Victor/Victorias erster Auftritt in einer noblen Transvestitenshow wird zum Sensationserfolg. Ganz Paris liegt ihr/ihm zu Füßen. Manager Toddy und sein Star residieren im Ritz, Taxis, Champagner und Kaviar werden Gewohnheit. Eines Abends findet sich auch der amerikanische Nightclub-Tycoon aus Chicago, King Marchan, mit seiner hochblonden Geliebten Norma ein. Er ist fasziniert von der Frau, die er dort auf der Bühne sieht, deshalb verärgert und verunsichert, als sich die Dame als Victor entpuppt. Trotzdem zieht es King immer wieder in die Show, und bald kommt er auch hinter das Geheimnis. Für Victoria ist die Situation nicht minder strapazierend, denn sie hat sich längst in den maskulinen King verliebt. Die beiden beginnen eine heimliche Liebesaffäre, die King in ein schreckliches Zwielicht bringt. Gleichzeitig rücken ihm seine Geschäftspartner aus der Chicagoer Unterwelt, alarmiert von der eifersüchtigen Norma, auf den Leib. Für sie ist ein homosexueller Boß untragbar.

Mit "Victor/Victoria", einem freien Remake des alten Ufa-Erfolgs "Viktor und Viktoria" von Reinhold Schünzel aus dem Jahr 1933, gelang Regisseur Blake Edwards (geb. 1922) eine funkelnde Musikkomödie, die mit glänzenden Revuenummern und handfester Komik zu unterhalten weiß. "In der Doppelrolle glänzt Julie Andrews unter der Regie ihres Gatten Blake Edwards, der in einem kunstvoll errichteten Art-Deco-Paris alle Tunten tanzen läßt. Treffsicher ins Milieu passen Robert Preston als alternder Homophiler, Lesley Ann Warren als blondes Gangsterliebchen und sogar James Garner als etwas notleidender Vertreter 'echter' Männlichkeit", heißt es u. a. im "Filmjahr 1984". Für den "Filmdienst"-Kritiker ist der Film "eine stilsichere, elegante und charmante, romantische Farce um Verwirrungen der Liebe und um sexuelle Identität, die mit geistreichen Dialogen, gelungenen Slapstickeinlagen, einer perfekten Choreographie und hervorragenden Schauspielern brilliert."

KOMÖDIE im Paris der 30er: Sängerin macht als Sänger Karriere.
Das Treffen mit Toddy (Robert Preston) wird zum Segen für die gebeutelte Victoria (Julie Andrews). Der alternde Entertainer rettet die Sängerin nicht nur aus heikler Lage, er hat auch eine großartige Idee. Er will aus Victoria Victor Grazinski machen - einen Grafen und Travestiekünstler. Als Kerl könnte Victoria endlich den langersehnten Erfolg auf den Pariser Varietébühnen feiern. Und tatsächlich: das Publikum ist begeistert. Victor (natürlich auch Julie Andrews) avanciert zum gefeierten Star. Von dem ist auch der Chicagoer Gangster King (James Garner) ganz angetan. Der verliebte Amerikaner steht allerdings auf Frauen und ist überzeugt, dass Victor eigentlich eine Victoria ist.
Henry Mancini erhielt für die Filmmusik einen Oscar. Julie Andrews spielte die Hauptrolle zeitweilig auch in der Broadway- Fassung. Fazit: Das Remake des nachfolgenden Films von 1933 zeigt ein geistreiches Verwirrspiel, funkelnde Revue und Top- Songs: Blake Edwards at his best! USA/GB 1982, Regie: Blake Edwards.

Amerikanische Musik-Komödie, 1984
Regie: Blake Edwards

Victor/Victoria: Julie Andrews
King Marchan: James Garner
Toddy: Robert Preston
Norma: Lesley Ann Warren

 

© 2000 Dieter Herchenbach