Der Verräter

Tipp für Schwule

"Ein Neonazi-Aussteiger lebt gefährlich"

"Kopf ab, Kopf ab" schreit die Menge in einem Bürgerhaus von Schwerin. Geballte Fäuste recken sich in die Luft. Die entblößten Oberarme geben eintätowierte Hakenkreuze und SS-Runen frei.

Eine Hundertschaft von Polizisten hat alle Hände voll zu tun, um den Mann unbeschadet aus dem Saal zu geleiten, dem der abgrundtiefe Hass gilt. Jörg Fischer ist ausgestiegen aus dem braunen Sumpf und stellt sich seitdem den alten Kameraden in den Weg. Jahrelang war er einer der ihren, hat für die NPD und DVU im Funktionärsbereich gearbeitet. Er war Zeitungsredakteur und Ideologe der Neonazis. Er kennt die Verknüpfungen zwischen Altnazis, Wölfen im Schafspelz und Skinheads. Jörg Fischer zog einen Schlussstrich. Nicht nur, weil er erschreckt wahrnahm, wie seine Hetzpropaganda zu brennenden Asylheimen und gnadenloser Verfolgung politisch Andersdenkender führte. Ein zweiter Grund war seine Homosexualität, die er bei den Rechtsradikalen verstecken musste.

Jörg hatte sich jahrelang in den privaten Bereich zurückgezogen, verarbeitete seine Vergangenheit in einem Buch und wagte sich erst vor wenigen Monaten aus der Deckung. Jetzt läuft er stets Gefahr, von den ehemaligen Kameraden attackiert zu werden. 

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