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Frankreich 1983. Am Bahnhof kommt Henri das erste Mal in Kontakt mit der Stricherzene. Er verliebt sich in den undurchsichtigen, gewalttätigen Jean. Von ihm wird Henri in Rituale von Gewalt und Prostitution eingeführt.
Der 18-jährige Henri begegnet auf dem Bahnhof einer Kleinstadt Jean, der die Stricherszene des Ortes beherrscht. Hin- und hergerissen zwischen der Angst, in dieses Milieu abzurutschen, und der Anziehungskraft, die Jean auf ihn ausübt, folgt er dem undurchsichtigen und brutalen Mann, der ihn immer wieder verlässt.
"Der verführte Mann" ist ein Milieufilm, der Leidenschaft wie eine Naturgewalt erscheinen lässt - als eine Macht, die jede Kategorie von Gut und Böse außer Kraft setzt. Dietrich Kuhlbrodt im epd-Film 9/85: "Patrice Chéreau folgt den Umtrieben seines Helden, als seien sie biologische Gesetzmäßigkeit. Der Film wahrt keine Distanz, hinterfragt nicht, problematisiert nicht und ist gerade dadurch in der Lage, die Kräfte, die den Helden verführen und verletzen, ungehemmt auszudrücken. ... 'Der verführte Mann' ist kein Schwulenfilm. Statt statisch zu verklären, setzt er dynamisch Kräfte frei, die ihre Ursache auch in etwas anderem als in der Entdeckung der eigenen Homosexualität finden könnten. So wie der Film den Schrecken und die Faszination der Kräfte transformiert, die den jungen Jean antreiben, wirkt er als Werk der Befreiung."
Patrice Chéreau, geboren am 02. 11. 1944 in Lézigné (Maine et Loire), wurde bereits mit 22 Jahren Intendant eines Theaters in
Sartrouville. 1969 ging er nach Marseille, später nach Lyon-Villeurbanne. 1983 übernahm er die Leitung des Théâtre des Amandiers in
Nanterre. Dort blieb er acht Jahre und richtete eine Schauspielschule ein, aus der viele bekannte Namen hervorgegangen sind. Seine erste Oper hatte er schon 1969 inszeniert: Rossinis
"L'Italiana in Ager". 1976 dann ein Meilenstein: Richard Wagners "Ring des Nibelungen" in Bayreuth, wo Pierre Boulez als Dirigent wirkte. Sein erster Film "Das Fleisch der Orchidee" entstand 1974. "Der verführte Mann" ist sein dritter Film, an dem er zusammen mit Hervé Guibert sechs Jahre schrieb. Den wohl größten Erfolg sowohl bei Publikum als auch Kritikern erzielte sein Film "Die Bartholomäusnacht" mit Isabelle Adjani und Daniel Auteuil (1994). Aber er dreht auch Filme für das Fernsehen und steht selber vor der Kamera. Chéreaus Filme haben einen persönlichen, intimen Charakter, kreisen um Sexualität, Familie, Verletzungen, z. B. "Wer mich liebt, nimmt den Zug" von 1997.
"Intimacy", ein atemberaubend physischer Film über das Ausleben von Sexualität und das Entstehen von Liebe, koproduziert von ARTE, gewann 2001 in Berlin den Goldenen Bären.
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Beziehungsdrama
F 1983
Originaltitel:
L'homme blessé
F 1983, 105 Min.
Regie: Patrice Chéreau
Buch: Patrice Chéreau, Hervé Guibert
Musik: Albert Ayler
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