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Mehr als nur ein Schwulenfilm...
Ein Klassiker.
Ein Meilenstein.
Ein Zeitzeugnis.
Jetzt auf DVD als "Director's Cut" mit ein paar Extras, wie z.B.
einem Interview mit Ripploh anlässlich der Premiere des "Sequels" Taxi
nach Kairo.
nach seiner Uraufführung wurde der Film zu einem Skandal. kein Wunder, denn
nie zuvor wurde das Leben eines promisken, schwulen Lederkerls in solch einer
Deutlichkeit und Schonungslosigkeit (für den Zuschauer) gezeigt. Im Zeitalter
vor AIDS geht Frank - wir dürfen aus der Gleichnamigkeit des Regisseurs/Darstellers
und der Hauptrolle durchaus auf autobiografische Züge des Filmes tippen - aufs
Ganze. Männer, Männer, Männer. Der Grundschullehrer geht dabei weiter als es
alle guten Sitten es sich auch nur im Entferntesten vorstellen können. Er
sammelt die Objekte seiner Begierde in Parks, auf Klappen und sogar an einer
Tankstelle.
Seine Ungebundenheit, der unverbindliche - ja fast unverantwortliche Sex, den er
fast vergöttert ist nur die eine Seite der Medaille. Die Andere heißt Bernd.
Die ehemalige Zufallsbekanntschaft avanciert zum sogenannten festen
Lebensabschnittspartner. Ihm schwebt eine gemütliche Zweisamkeit vor; in
sicheren Verhältnissen. Er bemuttert seinen geliebten, opfert sich regelrecht
für ihn auf. Frank nimmt das teilweise gerne auf, teilweise aber widert es ihn regelrecht
an.
Sie leben zusammen, sie schlafen zusammen, aber sie leben aneinander vorbei.
Auf dem Berliner Tuntenball kommt es schließlich zum Bruch. Sie können nicht
miteinander, können sie aber ohne einander?
Der Film ist nichts für schwache Gemüter. Explizite Sexualität einer
schwulen Spielart in Wort und Bild; die Grenze zur Pornographie scheint mir bisweilen
überschritten. Ein gefundenes Fressen für jeden Psychologen und Psychiater.
Die zerrissene Seelenwelt eines Schwulen Anfang 30 im Großstadt-Sumpf.
Zur Info:
"Taxi zum Klo" macht Lust, ein Mann zu sein. So warb die Verleihfirma zum Start des Films. Der mit nur 100.000 DM ohne jede Fördermittel gedrehte Film ist in der Szene - zurecht - zu einem Kultfilm avanciert. Und so spielte er allein in New York 1 Million Dollar ein.
Frank Ripploh stellt sich in seinem Film rücksichtslos selber aus, offeriert uns seine geile Gedankenwelt ebenso wie das letzte Schamhaar um seinen Schwanz. Und davon sind anscheinend Schwule rund um den Globus begeistert. Nicht nur sie: Das Festival Saarbrücken, zum Beispiel, erkannte ihm 1981 dafür den begehrten "Max-Ophüls-Preis" zu.
Ripploh war Hauptschullehrer. Aus seinem Schwulsein machte er nie ein Hehl. Im Gegenteil: Als Peggy von Schnottgenberg griff er an. Im "Stern" bekannte er sich öffentlich; der Ärger mit der Schulbehörde war ihm gewiss. Bei den Dreharbeiten zum "Taxi zum Klo" war er noch "Beamter auf Probe", nur wegen eines festgestellten Leberschadens nicht dienstfähig ...
Ripploh bekennt über den Film hinaus, "ein Jagdtyp" zu sein, mit erhobener Lanze ständig nach Opfern unterwegs. "Ich will ungeheuerliche Intimität, in der sämtliche Grenzen verwischt werden. Auch Lust und Schmerz - das muss jeder selbst rauskriegen,
wie viele Dimensionen dahinter stehen ..." Ripploh zieht die Grenzen sehr weit: Er lässt sich auspeitschen, pisst einen anderen in den Mund. "Ich wollte auf jeden Fall zwei Dead-ends konfrontieren: Eine bürgerliche Sackgasse, wo jemand in Kissen, Kaffee und Kuchen erstickt und ein Dead-end von pseudofreier schwuler Sexualität, wo Du mit Hilfe von Drogen zwar Grenzen verwischt, aber nicht aufhebst."
Der Film, so behauptet Ripploh, sei gar kein Schwulenfilm. "Es ist ein trauriger Film, der die Sehnsucht nach einer Beziehung und ihrer Unmöglichkeit zum Ausdruck bringt, bei allem Witz." 1980 gedreht - im Zeitalter vor AIDS, war er ein befreiendes, ehrliches Credo zum eigenen Schwulsein. Heute ist er eine traurig stimmende Erinnerung an rosarote Zeiten ...
Der Film ist bei pro-fun
erschienen
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Drama
BRD 1980 Regie: Frank Ripploh
Buch: Frank Ripploh
Produzent: Frank Ripploh, Horst Schlier, Laurens Straub
Ton: Frank Soletti
Originalmusik: Hans Wittstatt
Kamera: Horst Schlier
Schnitt: Gela-Marilna Runne, Mathias von Gunten
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