Sommersturm

Tipp

 

Selten hat ein „schwuler“ Film in Deutschland schon im Vorfeld seiner Kinoaufführung so viel Publicity bekommen wie dieser. Aber das ist auch gut so.

Sommersturm erzählt die Geschichte von Tobi (Robert Stadlober aus „Crazy“), einem 17-Jährigen, der eine ganz dicke Freundschaft zu Achim pflegt, die auch gemeinsames Wichsen mit einschließt. Außerdem ist er mit ihm in einer oberbayrischen Rudermannschaft. Betonung auf „Mann“schaft. Und eben diese Mannen nehmen an einem Sommercamp mit anschließender Regatta teil, zu dem überraschend ein weiterer Ruderclub auftaucht (nein, es sind keine U-Boot-Fahrer...): Die Truppe nennt sich "QueerSchlag". Wie der geneigte homophile Leser vielleicht schon erahnen wird... Bei den QueerSchlägern handelt es sich um Schwule! Und die mischen die Heteros ganz schön auf. „Geh'n wir Heten kneten gehen“ sag‘ ich nur. 
Konfrontiert mit der offen schwulen Lebensweise gesteht sich Tobi ein, dass er für Achim mehr empfindet als nur Freundschaft. Schüchtern nähert er sich ihm auf eine neue, bisher noch nie da gewesene Weise. Doch auch der verständnisvollste Hetero ist nun’mal nicht schwul.

Das muss Tobi schmerzvoll erkennen. Aber zum Glück gibt es ja noch die QueerSchläger... ;-)
Denn da kann sich Tobi fast die ganze schwule Welt an Fallbeispielen anschauen. Das ständig turtelnde Pärchen Nils & Niels, den sexgeilen Muskelprotz und Hetenknacker Malte und den feinfühligen Leo. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Neugierig geworden?
Also dann noch ein paar Details...
Der Trainer Hansi ist Vaterfigur, Schleifer und guter Freund zugleich für die Jungs vom RSC Starnberg. Der urbayrische Typ ist mit seiner knochentrockenen Art nie um einen Scherz verlegen und für mehrere Lacher gut.
Letzteres ist auch der homophobe Georg aus reichem Hause, den alle nur Schorschi nennen. OK, fast alle, denn Malte nennt ihn "Schorsi". Das ist allerdings nur für Insider ein Brüller, denn das heißt auf Bayrisch "Fürzchen". Also Leute, letzt seid Ihr auch Insider ;-)
Malte ist der fleischgewordenen Traum eines jeden Muckibudenbesuchers. Und dazu noch ein geradezu entwaffnendes Lachen. Der Mann hat den Schalk im Nacken (und ein Tatoo seiner Band übrigens). Er hat sich zum Ziel gesetzt, den leicht begriffsstutzigen "Schorsi" zu verführen. "Heten-Knacken" ist sein Hobby ;-)
Ein wenig im Hintergrund ist zu Unrecht Günther, der hochgewachsene Junge hat eine "furztrockene" Art am Leib; köstlich.
Oder Flasche, der Rudermann der Bayern, ein süßes Hemd. ;-)
Mehr im Vordergrund der Nebenrollen stehen die beiden Ni(e)ls. Ein verliebtes, trutschiges Pärchen; einer groß und einer klein und beide unzertrennlich. Immer glucken sie zusammen. Herzig. Um so größer ist meine Hochachtung vor einem der Schauspieler, der in real life eine Superhete sein soll (vgl. den Audiokommentar...). Seine schauspielerische Leistung ist bemerkenswert und kommt nahe an Robert Stadlober heran.
Die polnische Kollegin, die die Anke, die Tobis Möchtegern-Freundin mimt, versteht übrigens kein Wort Deutsch und hat ihren Text phonetisch auswendig gelernt. Hut ab, das merkt man nicht! Überhaupt sind die Rollen aller Mädchen ebenfalls liebevoll besetzt.
Aber wir bleiben 'mal bei den Jungs. Und machen weiter mit Ferdl, der sich beim Spannen auf die sächsische Mädchenmannschaft in der Eile der Flucht die Vorhaut im Reißverschluss einklemmt und auch sonst noch für allerlei Peinlichkeiten gut ist.
Die Sachsenmädels... Oh mein Gott!!!! Auch hier wird gekonnt mit dem Klischee gespielt. ;-)
Fehlt noch Oli, ein Schwuler der Marke "unauffällig" im positivsten Sinne, den eine Liason mit Leo verbindet, der sich allerdings in Tobi verguckt hat und ihn nach allen Regeln der Kunst auf sich aufmerksam zu machen sucht.
Leo... Der gute Leo... Kaum eine andere Figur hat so viel Zuspruch bei den Kinozuschauern bekommen wie der sympathische Lockenkopf mit dem Dackelblick. Seine vorsichtige Annäherung an den sich im Gefühlschaos befindlichen Tobi geht dem Zuschauer zu Herzen. 

Ein Film über Coming Out, Vorurteile und Klischees, die erste Liebe, Beziehungen, Freundschaft und Unwetter. Aber trotzdem eine vergnügliche Komödie, leichtfüßig inszeniert mit überzeugenden Darstellern. Allen voran Robert Stadlober, der die emotionalen Höhen und Tiefen der Hauptfigur "Tobi" auf die überzeugenst mögliche Weise darstellt. Die Bildersprache  des Films überwältigend. Traumhaft schöne Landschaften; Naturlandschaften wie auch Körperlandschaften. Detailverliebte Großaufnahmen und eine Symbolik, die immer wieder in den Vordergrund rückt.

Sommersturm gewann den Münchner Filmfest-Publikumspreis. Die Auszeichnung war im Jahr 2004 vom Radiosender Bayern 3 erstmals vergeben worden. Per Stimmkarte konnten die Kinobesucher ihr Votum abgeben.

Der Film ist ein absolutes "Muss" für jede schwulen Filmsammlung.

Hinter der Sonderausstattung verbergen sich:
-
Ein kurzweiliges "Making of...", das hauptsächlich aus Interviews mit dem schwulen Regisseur Marco Kreuzpaintner und den Hauptdarstellern Robert Stadlober und Kostja Ullmann besteht.

- Eine Doku "Hinter den Kulissen", die sehr interessante Einblicke in die Dreharbeiten, die beileibe nicht alle im Hochsommer stattgefunden haben, geben. 

- Eine Fotogalerie mit Filmbildern und Schnappschüssen.

- Texttafeln der Biografien aller Haupt- und wichtiger Nebendarsteller und des Regisseurs.

- Musik-Clips von Nova International und Rosenstolz, darüber auch noch ein "Making of" und Interview mit der Gruppe.

- Den originalen Kino-Trailer und diverse TV-Spots.

- Die obligatorischen "nicht verwendeten Szenen", die Herr-der-Ringe-Regisseur Peter Jackson allerdings in eine "Special Extended DVD Edition" integriert hätte. ;-)

- Auch - sehr lustig - eine Ansammlung verpatzter Szenen.

- Und ganz besonders hervorzuheben: Die Audio-Kommentare von Kreuzpaintner & Stadlober, die besonders bei den "nicht verwendeten Szenen" erhellend wirken. Man kann den ganzen Film auch mit zugeschaltetem Audio-Kommentar ansehen. Das ergibt einen nochmaligen Hochgenuss, denn Kreuzpaintner & Stadlober outen sich hier mehrfach jeder auf seine Weise und geben höchst interessante Details vom Dreh und aus ihrem Leben preis. Das Vergnügen will ich Euch hier nicht nehmen und werde also nichts darüber verraten ;-)

OK, ich bin schwach... Also verrate ich Euch, dass Robert Stadlober wirklich nicht hetero ist und bei einer der Sex-Szenen mit Marlon Kittel wollte, dass man seinen Schwanz sieht...

Der Kauf der DVD ist also eine sichere Sache!

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Der Soundtrack ist übrigens auch Spitzenklasse: Kaufen als CD bei Amazon

Drama / Komödie

Deutschland 2004

Regie: Marco Kreuzpaintner

Drehbuch: Thomas Bahmann, Marco Kreuzpaintner

DVD-Verkaufsstart: 04.003.2005

 


Darsteller & Rollen

Robert Stadlober .... Tobi
Kostja Ullmann .... Achim
Alicja Bachleda-Curus .... Anke
Tristano Casanova .... Georg "Schors(ch)i"
Miriam Morgenstern .... Sandra
Marlon Kittel .... Leo
Hanno Koffler .... Malte
Jürgen Tonkel .... Hansi der Trainer
Alexa Surholt .... Susanne
Jeff Fischer .... Flasche
Joseph M'Barek .... Ferdl
Ludwig Blochberger .... Oli
Michael Wiesner .... Nils
Benjamin Vilzmann .... Niels
Laura Maire .... Anke (Stimme)
                                                    

 

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