Rudolf Nurejev: Tartar und Tänzer

Film von Teresa Griffith

Es gab in unserem Jahrhundert eigentlich nur zwei Tänzernamen, die weit über den Kreis der eigentlichen Ballettinteressierten hinaus bekannt geworden sind: Margot Fonteyn und Rudolf Nurejev.
Im Mittelpunkt dieser Dokumentation steht Nurejevs letztes Lebensjahrzehnt, in dem es für die einst so sprühende und fast überlebensgroße Tänzerpersönlichkeit nur noch darum ging, die Tatsache seiner AIDS-Erkrankung vor der Welt geheimzuhalten und dem Tod solange als möglich Paroli zu bieten. Am Beginn dieses letzten Jahrzehnts hatte noch seine Ernennung zum Künstlerischen Direktor des Pariser Opernballetts und dessen nochmaliger Aufstieg in den engen Kreis der Weltspitzen-Kompagnien gestanden, bevor die von Besessenheit, Einsamkeit, Reichtum, Sex und Starruhm strotzende Lebenstragödie des gebürtigen Tartaren den Menschen Nurejev unter sich begrub.

Dazu Archivmaterial von früheren Karrierestationen: der Moskauer Tänzerwettbewerb von 1958, Nurejevs Flucht in den Westen zwei Jahre später, dann - 1987 - die Rückkehr nach Rußland ans Totenbett seiner Mutter und schließlich das darauffolgende katastrophale "Comeback" beim Kirov-Ballett, das einen Tänzerkörper entmythologisierte, der seiner früheren Vollkommenheit längst aussichtslos hinterherlief und nur noch ein Schatten der eigenen Legende war.
Der Film endet - nicht unmakaber - mit der Verleihung des Großkreuzes der Ehrenlegion unmittelbar vor Nurejevs Tod am 6. Januar 1993.

 

© 2000 Dieter Herchenbach