Prom Queen - Einer wie keiner

    

Abgründe tun sich auf! Zumindest für mich! Wer hat gedacht, dass die kanadische Provinz - zumindest was die Obrigkeiten angeht - genauso verbohrt ist wie man es Bayern nachsagt!

Da will ein ansonsten eher un- bis kaum auffälliger Schwuler zum Schulabschlussball nur seinen Freund mitnehmen - und schon sehen alle nur rote Tücher. Nun, das heißt nicht alle, aber der Direktor, die Schulbehörde und natürlich an vorderster Front die katholische Kirche. Ein Angriff auf die Religionsfreiheit gar wird postuliert.

Was jetzt wie ein Emanzipationsdrama klingt, kommt alles andere als dramatisch daher. Wie uns der Abspann verrät mit Absicht und auf keinem Fall dem realen Vorbild entnommen. Denn dieser Film beruht in der Tat auf einem realen Fall - nimmt aber auch nicht den Charakter einer Dokumentation an.

Vielmehr ist es ein kurzweiliger, lustiger und dennoch problemorientierter Film. Natürlich ist das Ende ein bisschen pathetisch-nahegehend, aber auch nicht so übertrieben wie bei amerikanischen Vorbildern.

Ergo: ein eindeutiger Fall für EMPFEHLENSWERT!

 

Die Story:

In der Kleinstadt Inniston geht der 17-jährige Marc Hall (Aaron Ashmore) auf eine katholische High-School. Und die ist eigentlich gar nicht so unsympathisch - zunächst. Doch dann hört man die albernen Durchsagen des Herrn Direktor (der offensichtlich den ganzen Tag nichts Besseres zu tun hat) und ahnt: so locker ist das denn doch nicht.

Doch Klassenkameraden, Freunde und eine engagierte und offene Lehrerin wissen, dass Marc schwul ist. Und haben überhaupt kein Problem damit, auch wenn die katholische Lehre da etwas Anderes sagt. Im Gegenteil, Marcs beste Freundin bringt nicht nur ihren Lover dazu Mark zu unterstützen, sondern noch einige Andere, u. a. zwei Computer-Freaks - und zwar ganz einfach mit der Androhung, ebenfalls nicht zum Ball zu kommen, wenn Marc nicht kommen dürfe. (Und das kann ihr Freund natürlich nicht dulden, will er schließlich mit seinen Freunden, die schon die Schulgrazien auf ihrer Abschussliste für den Abend haben, mithalten.

Dann rückt der Schulabschlussball näher und alle Nicht-Schulmitglieder müssen angemeldet und genehmigt werden. Als Marc daraufhin ankündigt, seinen Freund als Tanzpartner zum Abschlussball mitzubringen, lehnt der Rektor dies ab.

Nachfragen Marcs und seiner Mutter bleiben unbeantwortet, und bei der Beratung der Schulaufsichtsbehörde werden sie brüsk aus formalen Gründen (Anmeldung bitte eine Woche vorher) nicht angehört.

Die Beratung und Anhörung beim nächsten Mal ist grotesk. Auch wenn die Ortsvorsitzende des Verbandes der Eltern und Freunde von Lesben und Schwulen für Marc auftritt und er ganz sachlich darlegt, dass er doch nur seinen Freund zum Ball mitbringen will, können sie gegen das Übergewicht bornierter, v.a. kirchlicher Kontrahenten nichts ausrichten. Zumal das Urteil des Ausschusses eh schon feststand.

Eine Beratung gibt es nicht, ohne eine solche wird einfach die vorgefasste Bestätigung des Verbotes des Direktors verkündet. Man sei nicht borniert und man akzeptiere Schwule, aber das sei nun einmal eine öffentliche, aber dennoch kirchliche Feier und da haben derartige "widernatürliche und sündige" Handlungen nichts zu suchen!

Daraufhin berichtet natürlich nicht nur die lokale Presse, sondern landesweit erhebt sich ein Sturm der Entrüstung und ein schwuler Anwalt (Mitte) sieht hier eine Chance, nicht ganz uneigennützig auch, für das zu kämpfen, wofür er in seinem Alter keine Muße und keine Chance hatte. Und er bringt Marc schließlich dazu, die Sache vor Gericht auszufechten.

Seinem Freund Jason (hier im Film ein wahres Schnuckelchen; rechts im Bild - Mac Fyfe) ist das Ganze nicht nur nicht recht (lebt er doch nicht offen!), sondern regt ihn gar auf und es kriselt zwischen den Beiden! (Irgendwie verständlich, wenn es keiner wissen soll und dann ist man plötzlich kanadaweit im Fernsehen zu sehen!)

Das wiederum bringt - natürlich - Marc aus der Fassung. Der ganze Medienrummel und die Starbehandlung gehen ihm schon auf den Nerv und in Anbetracht der verbohrten Argumente will er die Sache schon hinschmeißen. Doch ein nächtlicher Anrufer, eines anderen schwulen Schülers, dem es genauso geht und für den Marc der Held ist, weil er dazu steht und für seine Sache kämpft, bringen ihn letztlich dazu, die Sache auszufechten, auch wenn ihm neben der sich abzeichnenden Trennung von Jason mehr als klargemacht wird, dass er das ihm schon fast sichere Stipendium - der Ausweg aus dem Muff der Kleinstadt - unter diesen Umständen natürlich vergessen könne.

Einer besonderen Erwähnung wert sind die Eltern - glänzend gespielt von Marie Tifo und Jean Pierre Bergeron. Die sind zwar ganz einfache Leute, und wahrlich keine großer Worte, stehen aber voll hinter ihrem Sohn. Als der ihnen eines Abends, als letzten, überhaupt erstmal "beichten" will, dass er schwul sei, sagt die Mutter nur: "Aber das wissen wir doch mein Sohn. Du hast blaue Haare und ein Poster von Celine Dion an der Wand". Und Schluss. Hier kein pathetisches Gesülz und auch keine Anklagen. Noch "besser" der Vater: der kriegt zwar seinen Mund erst zum Schluss (und dann auch nicht lange) auf, aber dennoch steht er auf für seinen Sohn, als Kollegen zu den Fernsehberichterstattungen dumme Kommentare abgeben.

"Prom Queen nähert sich durch eine märchenhaft–pointierte Erzählweise einem brisanten gesellschaftlichen Thema humorvoll und einfühlsam. Mit Esprit und Charme wird die wahre Geschichte eines mutigen Teenagers erzählt, der zum Vorbild für Homosexuelle in aller Welt wurde." (Zitat aus dem Original-Pressetext)


Die DVD

DVD:
Best.-Nr: 22172
EAN-Code: 4009750221723
FSK der DVD: 12
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch (aus lizenzrechtlichen Gründen in der Originalfassung NICHT ausblendbar)
Audio:
+ Deutsch Dolby Digital 2.0 surround
+ Englisch Dolby Digital 2.0 surround
Bildformat: 16:9 anamorph (1,85:1)
Specials:
+
Dokumentation: Prom Fight: The Marc Hall Story (ca. 16 Min.) [Original-Bild- und Tondoku um den realen Fall]
+ Original-Trailer D und E
+ Biografien: Aaron Ashmore, Marie Tifo, Jean Pierre Bergeron, Tamara Hope, Mac Fyfe und Fiona Reid
+ Interview mit der Produzentin Mary Young Leckie
+ EPIX-Trailer-Show
DVD Erscheinungstermin: 14.10.2005

Kanadische Emanzipationskomödie

Prom Queen - The Marc Hall Story

Kanada 2004

Regie: John L’Ecuyer

Buch: Michael MacLennan; Kent Staines
Produzenten:
Heather Gordon Haldane; Mary Young Leckie

88 Min. (franz. Original: 100')

DVD-VÖ 14.10.2005

Darsteller und ihre Rollen

Marc Hall ...... Aaron Ashmore
Jason .......... Mac Fyfe
Emily Hall ..... Marie Tifo
Audy Hall ..... Jean Pierre Bergeron
Carly ........... Tamara Hope
 

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