Eine Prinzessin auf der Reise durch das Leben

Hetti von Bohlen und Halbach

In Marrakesch am Zoll meldete das Filmteam des Bayerischen Rundfunks nicht nur die Filmausrüstung an, sondern auch einen Karton Haltbar-Schlagobers, getrocknete Ochsenfleischriemen vakuumverpackt, drei Stangen Zigaretten, zwei Flaschen Marillenschnaps und die neuesten Ausgaben der "Yellow Press"...
Auch Prinzessinnen haben zeitweise ganz alltägliche Wünsche. Vor allem Henriette von Bohlen und Halbach. Nach dem Tod ihres Mannes, dem Krupperben Arndt von Bohlen und Halbach, und nach verlorenen Steuerprozessen blieb ihr nur die Residenz in Marrakesch. Doch die kostet viel Geld, das sie nicht mehr hat. Sie muß das Anwesen vermieten, um es erhalten zu können. Hetti von Bohlen ist keineswegs eine gebrochene Frau - ganz im Gegenteil. Optimistisch und mit viel Humor schaut sie in die Zukunft. Als ein Mensch, der sich immer mit dem Leben arrangieren konnte, erzählte sie vom Glanz vergangener Tage ohne große Sentimentalität. Die Wintermonate verbringt Hetti von Bohlen und Halbach in einer 3-Zimmer-Mietwohnung in Kitzbühel. Hier fühlt sie sich zu Hause. Martin Pfeil reiste mit ihr an den Ort ihrer Kindheit, nach Hüttschlag im Pongau, und nach Blühnbach, wo ihre Hochzeit mit dem homosexuellen Arndt am 14. Februar 1989 auf dem Kruppschen Jagdschloß als ein Medienereignis zelebriert wurde, das nur noch von der Mondlandung im selben Jahr überboten wurde. Von Glanz und Gloria, aber auch von Schicksalsschlägen scheinbar unbeschadet, erzählt sie ihre Geschichte. Erst bei genauerem Hinhören dringen auch leise, nachdenkliche Töne in ihre Reise durch das Leben.

Film von Martin Pfeil

 

© 2001 Dieter Herchenbach