Oscar Wilde

Die Lebensgeschichte des skandalumwitterten Schriftstellers Oscar Wilde (1854-1900), der zunächst von der viktorianischen Gesellschaft gefeiert und hofiert wurde, die er gleichzeitig herausforderte und mit seinem Witz und Esprit immer wieder aufs Korn nahm und schließlich von ihr vernichtet wurde. In der Titelrolle erweist sich der britische Autor und Schauspieler Stephen Fry, dessen Bücher sämtlich in Deutsch vorliegen und gerade vom Aufbau-Verlag neu herausgebracht wurden, als Idealbesetzung.

1883: Oscar Wilde kehrt von einer triumphalen Amerikatournee nach London zurück. Seine Werbung um die hübsche Constance Lloyd wird erhört, das Paar heiratet.
Wenige Jahre später: Wildes Genialität, geistreicher Witz und verschwenderische Lebensweise haben ihn populär gemacht, sein Roman 'Das Bildnis des Dorian Gray' seinen literarischen Ruhm gemehrt. Oscar Wilde ist Vater zweier Söhne, die er über alles liebt. Doch die Begegnung mit dem jungen Kanadier Robert Ross verändert sein Leben. Er stellt sich seiner homosexuellen Neigung. Je berühmter er wird, desto größer wird die Gefahr eines Skandals. Die viktorianische Gesellschaft duldete die Homosexualität, nicht aber ihre Öffentlichmachung oder gar das Bekenntnis dazu.
1892: In der Nacht des rauschenden Erfolgs mit seiner Komödie 'Lady Windermeres Fächer' lernt Wilde den attraktiven jungen Lord Alfred Douglas, genannt Bosie, kennen. Wilde vernachlässigt seine Familie, Bosie zieht seinen Geliebten in die schwule Halbwelt. Als Bosies Vater, der gewalttätige, exzentrische Lord Queensbury von der Beziehung seines Sohnes zu dem gefeierten Poeten erfährt, beschuldigt der Lord öffentlich Oscar Wilde der 'widernatürlichen Unzucht'. Der Sohn, der seinen Vater hasst, treibt Wilde in einen für ihn verheerenden Beleidigungsprozess. Wilde wird der Homosexualität überführt und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Der einst umjubelte Schriftsteller und gefeierte Dandy ist ein Ausgestoßener, ein Verfemter.
Die Jahre im Zuchthaus zeichnen den an ein Bohéme-Leben Gewöhnten schwer, er wird sich davon nicht mehr erholen. In sich gebrochen, von der Gesellschaft verfemt, versucht er sein Glück auf dem Kontinent, ohne jemals wieder Fuß fassen zu können. Verarmt, vereinsamt und ohne Bosie stirbt er schließlich in Paris.

Der Film zeichnet nicht nur die äußere Lebensgeschichte, mit viel Aufwand in die viktorianische Zeit versetzt, nach; er lässt auch die emotionalen Wallungen zwischen Wilde und seiner Frau als Lebenspartnerin, Wilde und seinem Geliebten Bosie sowie auch die zwischen Wilde und Bosies Vater lebendig vor die Augen des Betrachters treten. Das wohl größte Verdienst des Films ist, dass er den Zuschauer erstmals die damals grandiose Wirkung und den offensichtlichen Charme des Salonhengstes Oscar Wilde erahnen lässt. Selbst weiß Gott keine Schönheit zog er dennoch alle mit seiner Eloquenz, seinem Wortwitz und seinem Dandytum in Bann. Viel mehr noch als in seinem Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" (auch verfilmt mit Helmut Berger in der Titelrolle) tritt diese ganz besondere Wirkung vor allem in Wildes Theaterstücken "Lady Windermeres Fächer" (bislang nur die britische Originalversion verfügbar), "Ein perfekte Ehemann" sowie "Ernst sein ist alles" zutage. Die dankenswerterweise nunmehr aus Erzählungen ehemaliger Gesprächspartner in den Salons rekonstruierten "Tischgespräche" (in deutscher Übersetzung bei Blessing erschienen) hingegen lassen beim reinen Lesen nicht den redegewandten Charmeur vor Augen treten, wie in Stephen Fry überzeugend in Szene setzt. Letzterer ist dem deutschen Publikum als Schauspieler bislang eher wenig - allenfalls aus seinen Gastauftritten in Monty Pythons "Blackadder" bekannt.

Mit "Oscar Wilde" gelang Regisseur Brian Gilbert ein großer Wurf. Für die "Los Angeles Times" zeichnete er das „definitive Porträt des Oscar Wilde“. „Er schaffte es, die freimütige Schilderung seiner Homosexualität mit einer oft bewegenden Darstellung seiner Emotionalität und seiner artistischen Ideale zu verbinden“ (Variety). Stephen Fry ist „unwiderstehlich, beeindruckend und bewegend“ (Empire). „Das gesamte Ensemble spielte brillant, vor allem Stephen Fry, der der geborene Oscar Wilde ist, und Jennifer Ehle, die als Wildes Frau einfach herzerweichend ist“ (Miranda Levy).

Nachdem der Film ja schon seit 1998 als Video vorliegt, hat Arthaus-Kinowelt den Film nunmehr als DVD herausgebracht. Diese bietet neben der originalsprachlichen Audioversion als Extra eine Dokumentation "Simply Wilde", in der Stephen Fry, der Regisseur Brian Gilbert und  Drehbuchschreiber Julian Mitchell ihren persönlichen Zugang zur Person und zum Werk Oscar Wildes ebenso wie Schwierigkeiten bei der filmischen Umsetzung schildern. Auch erfährt man noch einige Hintergründe, leider ist diese Doku jedoch nur 23 Minuten lang.

Erschienen als DVD bei Kinowelt - Arthaus.

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Drama
Regie: Brian Gilbert
Drehbuch: Julian Mitchell
England 1997

Verkaufsstart DVD: 06. Juli 2004

Darsteller & Rollen: 

Stephen Fry........Oscar Wilde
Jude Law.....'Bosie', Lord Alfred Douglas
Vanessa Redgrave.....'Speranza', Lady Wilde
Jennifer Ehle.......Constance Wilde
Gemma Jones.....Lady Queensbury
Judy Parfitt.........Lady Mount-Temple

                                                            

 

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