Mein wahres Leben in der Provinz

Tipp für SchwuleTipp

 

Mein wahres Leben in der Provinz

"Vom Zauber des Erwachsenwerdens" lautet der Untertitel. Und damit ist des Pud... äh - Filmes Kern genau getroffen. 

Etienne, ein Sechzehnjähriger in der französischen Provinz. Gutaussehend, witzig, Eiskunstläufer. Und stolzer Besitzer einer DigiCam. Jene immer kleiner werdenden Wunderwerke der Technik, die inzwischen mit einer Bildqualität aufwarten können, die vor wenigen Jahren noch dem Profi-Equipment vorbehalten war. Die kleine Kamera kann überall mit hin; kann versteckt in der Schultasche auch im Unterricht aufzeichnen, kann auf das Fahrrad montiert ungewöhnliche Perspektiven einfangen.
Genau das macht Etienne damit. Er hält drauf. Auf sein alltägliches Leben. Auf Kleinigkeiten und auf besondere Momente. Und besonders gern nimmt er seinen besten Freund Ludovic auf's Korn. Kein Wunder, ist er doch ein blendend aussehender Junge in Etiennes Alter. 
So nach und nach beschleicht den Zuschauer das Gefühl, dass der junge Filmemacher mehr für seinen Freund empfindet. Mehr, als der sich jemals vorzustellen wagt. Denn er entwickelt sich zu einem ausgesprochenen Womanizer. 

Im Laufe der Monate sammelt Etienne eine Menge Motive; authentische Zeugnissee seines kleinen Lebens in der Provinz - seines wahren Lebens in Rouen. In einer Art Video-Tagebuch-Collage filmt er sich, seine Mutter, ihren neuen Freund, seine Oma, Freunde. Scheinbar beliebige, banale und manchmal redundante Aufnahmen. Aber diese fügen sich langsam aber sicher zu einem Mosaikbild eines Jugendlichen bei der Entdeckung seines Schwulseins zusammen. 

Wir werden Zeugen der ersten Coming-Out-Schritte des Jungen; Selbsterkenntnis, vorsichtiges Outing in seinem Umfeld und schließlich das beglückende Erlebnis der ersten, schwulen Nacht mit einem Mann.

Wir werden im wahrsten Wortsinne Zeugen, denn die wackelige Kameraführung, die teilweisen Fehlbelichtungen und Unschärfen, die laienhaften Zoomfahrten, all' das suggeriert uns, dass die Aufnahmen tatsächlich von Etienne, Ludovic und Anderen mit der DigiCam gemacht worden sind. Was natürlich bei einem professionellen Filmdreh nicht der Fall gewesen sein dürfte. Wir werden also von Ducastel und Martineau "irregeführt". Anders formuliert: Die beiden Macher von "Felix" legen hier eine so überzeugende Arbeit vor, dass wir ihnen den dokumentarischen Charakter des Filmes problemlos abkaufen. Ein interessanter Ansatz also. Und ein interessanter Film, der viel fürs Auge, Gemüt und bei ausreichenden Französischkenntnissen auch fürs Ohr ist.

Die Originalfassung ist gut verständlich deutsch untertitelt (bei der DVD abschaltbar).


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Comig Out Film Semidoku
(Ma vraie vie à Rouen)
Regie: Olivier Ducastel & Jacques Martineau
F 2002, ca. 100 Min., FSK: o. A.

 

Darsteller & Rollen: 

Jimmy Tavares .... Etienne 
Lucas Bonnifait .... Ludovic 
Ariane Ascaride .... Caroline 
Jonathan Zaccaï .... Laurent 
Hélène Surgère .... Großmutter 

Nicolas Pontois .... Le copain patineur 
Frédéric Sendon .... Kunde in der Buchhandlung 
Marcelle Lamy .... Madame Langrune 
Frédéric Voldman .... L'entraîneur 
Aliette Langolff-Colas .... La jeune femme de la fête foraine (as Aliette Colas) 
Hanako Bron .... Vanessa 
Camille Dumalanède .... Elise 
Magali Hervieu .... La copine d'été de Ludo 
Frédéric Gorny .... L'homme de la falaise 
                                                                            

 

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