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In dieser bemerkenswerten Interpretation der antiken Argonautensage griff der
italienische Regisseur bei der Besetzung der Titelrolle auf die unnachahmliche
Maria Callas zurück, die bereits 1953 in Luigi Cherubinis gleichnamiger Oper an
der Mailänder Scala unter der Leitung von Leonard Bernstein im Titelpart
geglänzt hatte. Spätestens seit diesem Operngroßereignis waren Medea und die
Callas ein und dieselbe Gestalt. Der Film spielt in den archaisch-schlichten
Landschaften Syriens und der Türkei, die die düstere Stimmung dieser
tragischen Geschichte effektvoll unterstreichen.
Jason (Giuseppe Gentile) ist der rechtmäßige Erbe des Thrones von Jolkos,
dessen sich sein Onkel Pelias bemächtigt hat. Im Alter von zwanzig Jahren macht
sich Jason auf, um seinen Onkel zur Rechenschaft zu ziehen und den Thron
zurückzufordern. Doch Pelias ist nur dann bereit zu weichen, wenn Jason ihm das
Goldene Vlies bringt, das Aietes – König der Kolchier und Sohn des
Sonnengottes – in einem Tempel aufbewahrt. Begleitet von einigen Abenteurern
begibt sich Jason auf den gefahrvollen Weg über das Meer nach Kolchis. Hier
trifft er auf Medea (Maria Callas), die Tochter Aietes’, deren Schicksal sich
auf tragische und grausame Weise mit dem Jasons verbindet.
„Ein fast stummer Film, manchmal unfreiwillig komisch, manchmal wie ein
ethnografischer Exkurs, dabei aber elektrisch und verschlüsselt. Die archaisch
strenge Montage ist von seltener Schönheit und Vollkommenheit. Und Maria Callas
als Medea reckt eindrucksvoll ihr Profil in mythische Landschaften.“ (W.
Donner, „Die Zeit“)
Inhalt
Der junge Jason macht sich mit den Argonauten auf die Suche nach dem
Goldenen Vlies, um durch dessen Kraft seinen Onkel Pelias vom
unrechtmässig erworbenen Thron vertreiben zu können. Die Zauberin Medea,
Tochter des Königs von Kolchis, ist von Jasons stattlicher Erscheinung
tief beeindruckt. Sie hilft ihm, das Vlies zurückzuerlangen und flieht mit
ihm. Wieder zurück in der Heimat, heiratet Jason Medea – die beiden
bekommen zwei Kinder. Doch Jason ist von Ehrgeiz geplagt. Er verlässt
seine Familie und heiratet Glauke, die junge Tochter des Königs von
Korinth. Blind vor Eifersucht nimmt Medea nun grausame Rache: Durch ihre
Zauberkunst tötet sie sowohl Glauke als auch deren Vater. Doch damit nicht
genug: Medea ermordet auch ihre beiden eigenen Kinder, ohne dass der
verzweifelte Jason sie davon abhalten könnte.
Technische Daten VHS
Ton & Bild Mono, 1:1,77;
Pasolini über Medea:
"Ich habe in MEDEA alle Themen meiner anderen Filme wieder
aufgegriffen. Ich präzisiere in Parenthese für diejenigen, die sich durch
die Mitwirkung der Callas könnten irreführen lassen, dass ich mich
absolut nicht auf das musikalische Werk von Cherubini beziehe. In dieser
Richtung ist kein Missverständnis möglich. Was das Stück von Euripides
angeht, so habe ich mich darauf beschränkt, nur ein paar Zitate daraus zu
entnehmen.
Kurioserweise basiert das Werk auf einer ‚theoretischen' Grundlage der
Geschichte der Religionen. Nämlich auf M. Eliade, Frazer, Levi-Bruhl und
Werken der modernen Ethnologie und Anthropologie. Medea, das ist die
Konfrontation von Jasons rationaler und pragmatischer Welt mit der
archaischen Welt Medeas. Jason, das ist der zeitgemässe Held (die mens
momentanae), der nicht nur den Sinn für Metaphysik verloren hat, sondern
sich derartige Fragen nicht einmal mehr stellt. Er ist der stumpfe ‚Techniker',
dessen Streben einzig auf den Erfolg ausgerichtet ist." (aus:
Entretiens avec Pier Paolo Pasolini, von Jean Duflot, Paris 1970)
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Drama
Italienisch-französisch-deutscher Spielfilm von 1969
Originaltitel: Medea
Regie: Pier Paolo Pasolini
Sendelänge des Films: 104 Minuten
Crew
Regie Pier Paolo Pasolini
Drehbuch Pier Paolo Pasolini
Kamera Ennio Guarnieri
Produzent Franco Rossellini, Marina Cicogna
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