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"Dafür allein müsste schon ein Fernseh-Nobelpreis erfunden werden" schloss CINEMA seinerzeit in seiner Besprechung dieses dreiteiligen Fernsehfilmes, der in internationaler Koproduktion der öffentlich-rechtlichen deutschsprachigen Fernsehsender Deutschlands (WDR, NDR, BR), Österreichs (ORF) und der Schweiz (SRG-SF, DRS) entstand und von dem für seine minutiös recherchierten authentischen Spielfilme und Dokumentationen bekannten Regisseur Heinrich Breloer verfilmt wurde. Es ist in der Tat verwunderlich, dass es 45 Jahre nach Thomas Manns Tod gedauert hat, dass sich ein Film seines und seiner für das Geistesleben Deutschlands im 20. Jahrhunderts so bedeutsamen Familie angenommen hat. Neben den gesammelten Werken inklusive Tagebüchern und Autobiografien der literarisch tätigen Manns (Thomas, sein Bruder Heinrich, Thomas' Kinder Klaus, Angelus Gottfried, genannt Golo und Erika, aber auch z. B. Elisabeth Mann-Borgese schrieb Theaterstücke) war es vor allem auch Thomas Manns Lieblingstochter Elisabeth Mann Borgese, genannt Medi, die dem Produktions- und Rechercheteam beim Nachverfolgen der bewegten Lebensgeschichte ihrer berühmten Familie tatkräftig zur Seite stand. Mal gut, dass man nicht noch länger gewartet hat, denn dann wäre eine weitere wichtige Quelle, die sich an solche Einzelheiten wie den genauen Aufstellungsort für das Klavier, die Farbe der Gardinen oder den genauen Weihnachtsschmuck erinnern konnte, verloren gegangen. Und das macht eben diesen Film auch aus: Detailverliebt- und versessenheit, selbst solche Kleinigkeiten sollten stimmen. Einen Eindruck von den Vorbereitungs- und Recherchearbeiten sowie einen noch tieferen Einblick in die Lebenswelt, Sichtweisen und Schicksale der einzelnen Manns sowie deren Animositäten untereinander gewinnt man in der dreiteiligen Dokumentation Unterwegs zu den Manns (3 Teile á 90 Minuten), die nach ihrer singulären Ausstrahlung bei Erstsendung des Films dankenswerter Weise mit auf die nun als vorbildliche DVD-Ausgabe vorliegende Edition des Filmereignisses aufgenommen wurde. Darin kommt nicht nur Elisabeth prominent zu Wort, sondern sind wohl alle irgendwo auffindbaren Film- und Tondokumente zu den Manns, inklusive der seltenen Bilder von Erika und Klaus Mann, versammelt. Auch die Rundfunkaufzeichnungen und -interviews mit Mitgliedern der Familie Mann sind dort zu hören und Original- und heutige Aufnahmen von den einzelnen Lebensstationen und Wohnungen der Manns. Außerdem besticht die DVD-Edition mit einer ganz neuartigen Enteractive-Technologie*, die während des Sehens des Filmes Verweise auf auf der DVD enthaltenes EduEntertainment-Material einblendend (die natürlich auch unabhängig vom Film funktionieren). Und neben den entsprechenden Szenen in den Dokumentationen, auf die hier verwiesen wird, ist es vor allem auch der Stammbaum der Manns mit den Kurzbiografien der einzelnen Clan-Mitglieder. Leider fehlt hier einiges Zusatzmaterial, welches aber dafür die Begleitseiten des Filmes im Internet (vom WDR vorbildlichst lekturiert und sehr liebevoll gestaltet) bieten - nämlich die Bibliografien der schriftstellerisch Tätigen samt Verweisen auf Verfilmungen ihrer Werke - und davon gibt es ja nun wahrlich einige. Zurück zum Film, zur Verfilmung selbst: abgesehen von der Detailverliebtheit bezüglich der Örtlichkeiten und deren Möblierung und anderweitiger Staffage beeindruckt der Film sowohl durch die Auserlesenheit der SchauspielerInnen als auch ihrer frappierenden Ähnlichkeit zu den von ihnen dargestellten Personen - was natürlich auch in hohem Maße zur Authentizität des Filmes beiträgt: Das fängt an mit Thomas Mann selbst, der in gewohnt patriarchalischer, die Ruhe weg habender Manier von ARMIN MUELLER-STAHL meisterhaft gespielt wird. Auch seine aus dem angesehenen Hause Pringsheim [das Esszimmer in der Pringsheim-Villa allein wirft einen um] kommende Frau, die das Szepter schwingende, die schöpferische Ruhe ihres Ehemannes wahrende Katia hat mit MONICA BLEIBTREU eine adäquate filmische Umsetzung gewonnen (man vergleiche das nur mit den wenigen erhaltenen Interviewszenen mit der Original-Katia in den Dokus). Einzig dem später eher sensiblen Klaus Mann, der sich schließlich selbst in Cannes das Leben nahm, haucht SEBASTIAN KOCH vielleicht doch ein bisschen zu viel Leben ein!? Ganz im Gegensatz zur burschikos-männlichen, kein Blatt vor den Mund nehmenden, dominanten Schwester Erika, die durch SOPHIE ROIS mit Bravour in Szene gesetzt wird. Doch deren Lover Therese Giese verkörpernde Katharina Thalbach steht ihr in dieser Beziehung in nichts nach. Schließlich beeindruckt Jürgen Hentsch in der Rolle des immer wieder zum Kommunismus streifenden Bruders von Thomas Mann Heinrich, noch mehr jedoch Veronica Ferres in der Rolle der aus einfachstem Zimmermädchenkreisen kommenden Nelly Kröger, die Heinrichs Frau wird. Weiteres zum Verhältnis und zu den gemeinsamen Erlebnissen von Erika und Klaus Mann erzählt die DVD-Version der Arte-Produktion Die Erika-und-Klaus-Mann-Story (zu bestellen z. B. bei Amazon). Überhaupt ist positiv hervorzuheben, dass auch aus dem starken homosexuellen Anteil in der Familiengeschichte der Manns kein Hehl gemacht, sondern auch dieser adäquat in Szene gesetzt wird. Sei es die amouröse Bevorzugung des Kellners am Züricher See durch Thomas Mann oder gar seine nur von Ehefrau Katja erahnte, nur einmal gelebte Affinität zu dem 17-jährigen Klaus Heuser (Ludwig Blochberger) während des gemeinsamen Aufenthaltes auf Sylt 1927 oder während dessen Aufenthaltes bei den Manns später. Auch Klaus' Experimente mit diversen Drogen und seine Liaisons mit wechselnden Männern während seiner Kolumnistentätigkeit in Berlin werden nicht verschwiegen, sondern als integraler Bestandteil Klaus' Persönlichkeit in Szene gesetzt. Und wer wollte die kaum denkbare, doch selten ergreifende Liebe von Erika Mann und ihrer Freundin, der Mit-Pfeffermühlerin und später nicht nur das deutsche Fernsehen dominierenden Schauspielerin Therese Giehse (glänzend gespielt von Katharina Thalbach ) vergessen! Die ganze Lebensgeschichte oder den Inhalt des Filmes hier nachzeichnen zu wollen, würde den Platz dieser eh zu langen Besprechung noch weiter sprengen. Eine solche kann man aber auf den WDR-Begleitseiten des Filmes, und dort ganz speziell im öffentlich zugänglichen Presseheft, finden. Deshalb hier nur kurz die wesentlichen Stationen der Teile 1-3: 1. 1923 - 1933 2. 1933 - 1941 3. 1942 - 1955 besteht aus 3 DVDs im liebevoll gestalteten Schuber mit einem 20seitigen integrierten Booklet. Jede DVD enthält jeweils einen Teil der Lebensverfilmung (á 105 Minuten) sowie einen Teil der dreiteiligen Dokumentation "Unterwegs zu den Manns" und den auf jeder DVD reproduzierten Stammbaum der Familie Mann mit den Kurzbiografien. DVD 3 enthält zusätzlich ein 45-minütiges Making of der Miniserie. Tonformat: Deutsch 5.1 & 2.0 Zum Film erscheinen im Buchhandel zwei Bücher: "Die Manns – Ein Jahrhundertroman" von Heinrich Breloer/Horst Königstein im Oktober 2001 und "Unterwegs zur Familie Mann – Begegnungen, Gespräche und Interviews" von Heinrich Breloer im November 2001.
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Doku-Drama, Mini-Serie |
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Familienbild der Manns
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Rolle und Darsteller: |