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In einem südamerikanischen Gefängnis versauert der Schwule Molina wegen Verführung eines Minderjährigen in einer Zelle mit einem politischen Gefangenen. Der Filmfreund Molina geht Valentin ziemlich auf den Geist. Doch nach und nach nähern sich die Pole an.
Der Schwule soll den Politischen im Auftrag der Gefängnisleitung ausspionieren; aber die haben die Rechnung ohne die Liebe gemacht...
Erstmals erhielt ein Schauspieler (William Hurt) einen Oscar für die Darstellung eines Homosexuellen.
Der politische Gefangene Valentin Arregui und der homosexuelle Luis Molina teilen sich eine Zelle im Gefängnis einer südamerikanischen Diktatur. Um ihrer harten und von Verrat geprägten Realität zu entkommen, flüchten sich die gegensätzlichen Charaktere in eine gemeinsame Welt aus kitschigen Filmträumen und verklärter Erinnerung.
Der homosexuelle Luis Molina teilt sich eine Zelle eines Gefängnisses irgendwo in Südamerika mit dem Journalisten und politischen Aktivisten Valentin
Arregui. Obwohl Valentin nur am Rande für die Untergrundorganisation aktiv war, soll er Informationen zum Kern der Bewegung liefern und wird daher brutal gefoltert. Er ist willensstark, jähzornig und engagiert und lehnt den sensiblen, weichen und unpolitischen Molina zunächst ab. Um Schmerz und Gefangenschaft zu vertreiben, erzählt Molina von einem Film, dessen Hauptfigur Leni, eine schöne und begehrte Diva, ihre große Liebe in den Reihen der verhassten nazistischen Besatzermacht findet. Molina identifiziert sich mit Leni, ahmt während der Erzählung ihre Gestik und ihr Aussehen nach, während Valentin sich mehr und mehr als Lenis Liebhaber sieht und ihr in seiner Fantasie das Äußere seiner großen Liebe gibt. Über diese gemeinsame Fantasie kommen die beiden Männer sich näher und entwickeln eine tiefe Freundschaft. Molina möchte dem Gefängnis entkommen und er soll im Auftrag der Gefängnisleitung Valentin ausspionieren, aber die haben die Rechnung ohne die Liebe gemacht...
Spannende Konfrontation zweier Gegensätze: Babenco lässt die anfangs bewusst klischeehaft gezeichneten Charaktere im Lauf des Films einen beeindruckenden Rollenwechsel durchleben. Über sparsam gestreute überraschende Enthüllungen gewinnen die Figuren an Tiefe und nehmen im Wechsel die Sympathie des Zuschauers für sich in Anspruch. Die Begrenztheit des Raums und die Atmosphäre der Gefangenschaft lassen auch das Publikum Erleichterung in den Phantasien der Männer finden.
Film: "Der Kuss der Spinnenfrau" feierte im Juli 1985 in New York Premiere und wurde schnell zum Kassenschlager. 1986 wurde Babencos Werk für vier Oskars nominiert, doch kurz nach diesem großen Erfolg ging der ursprüngliche Verleih Island Alive Pleite und die Aufkäufer des Bestands stritten sich um die Rechte. So verschwand der Film für zehn Jahre in den Schubladen der Verleihfirmen, bis er 2001 ein großes Comeback feiern konnte, denn Strand Releasing brachte ihn in die Kinos der USA zurück. Das Drehbuch basiert auf einer Novelle von Manuel Puig von 1976, deren Theaterversion auch heute noch erfolgreich auf Bühnen in aller Welt gespielt wird.
William Hurt erhielt für seine Rolle als Luis Molina neben vielen anderen internationalen Auszeichnungen die goldene Palme in Cannes sowie den Oscar als bester Schauspieler. Damit wurde erstmals ein Oscar für die Darstellung eines homosexuellen Charakters vergeben und Hurt etablierte sich als einer der vielseitigsten Schauspieler unserer Zeit. Bereits vor der Verkörperung Molinas gelang ihm die überzeugende Darstellung des Kleinstadtanwalts Ned Racine in "Body
Heat". Weitere Oscarnominierungen erhielt Hurt für die Hauptrolle als Taubstummenlehrer in "Gottes vergessene Kinder" und für die Darstellung des unqualifizierten Nachrichtensprechers Tom in
"Broadcast News - Nachrichtenfieber". Neben vielen weiteren Rollen glänzte er als Sam Farber in Wim Wenders "Bis ans Ende der Welt" und als Psychoanalytiker Henry in Chantal Akermans "Eine Couch in New York". Einen weiteren gemeinsamen Auftritt mit Raul Julia hatte Hurt in Luis Puenzos "Die Pest" 1992.
Der 1946 in Argentinien geborene Hector Babenco folgte früh seiner Leidenschaft fürs Kino und gründete bereits mit jungen Jahren seine eigene Produktionsfirma in Sao Paolo/Brasilien.
Sein filmisches Werk zeichnet sich durch einen unbarmherzigen Blick auf die sozialen Missstände in der südamerikanischen Gesellschaft aus. Besonders die Rolle von Außenseitern bildet einen roten Faden in seinen Filmen, darunter das unbarmherzige Porträt von Rios Straßenkindern
"Pixote: A lai do mais fraco" (1981), "Corazon iluminado" (1996) und jüngst
"Carandiru" (2003), der im vergangenen Jahr im Wettbewerb von Cannes lief und sich wiederholt mit dem Elend von Gefängnisinsassen auseinandersetzt. Neben Regisseuren wie Fernando Mereilles ("City of
God", 2002) ist es ihm zu verdanken, dass die Öffentlichkeit auch andere Eindrücke von Brasilien erhält als Fußball, Strand und Karneval.
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Drama
BR/USA 1985
Original Titel: O Beijo da Mulher Aranha
Regie: Hector Babenco
Buch: Leonard Schrader
Musik: John Neschling, Nando Caneiro
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