Kika

"Kika" ist die schrille Farce mit jeder Menge Provokationen vom schwulen Kultregisseur Pedro Almodóvar um eine - kaum wage ich's zu schreiben - Frau... Ramón fotografiert Topmodels in teuren Dessous. Seine attraktive Freundin Kika arbeitet als Maskenbildnerin und ist eigentlich hinter Ramóns Vater, dem erfolgreichen amerikanischen Schriftsteller Nicholas, her. Der lebt zur Zeit bei dem Pärchen und ist einer Affäre mit Kika nicht abgeneigt. Bald taucht auch Andrea in dem chaotischen Haushalt auf. Als Psychologin ist sie für eine Reality-TV-Show verantwortlich, die Morde, Vergewaltigungen und Unfälle zur besten Sendezeit präsentiert. Als der debile Bruder von Ramóns lesbischem Hausmädchen Juana aus dem Gefängnis ausbricht und plötzlich vor der Tür steht, kommt es zur Eskalation. Der ehemalige Pornodarsteller vergewaltigt Kika insgesamt viermal. Ein zunächst unbekannter Spanner hat die Vergewaltigungen heimlich auf Video aufgezeichnet und Andrea zugespielt, die das Material in ihrer Sendung einem Millionenpublikum zeigt. Es stellt sich heraus, dass die Aufnahmen von Ramón gemacht wurden! Nicholas verlässt die illustre Gesellschaft und zieht sich in ein altes Landhaus zurück. Hier kommt es schließlich zu einem letzten tödlichen Treffen aller Beteiligten.

Die Visagistin Kika rettet dem scheintoten jungen Fotografen Ramon das Leben: Sie sollte den vermeintlichen Leichnam Ramons lediglich nett schminken, doch dadurch holt sie den Herzkranken aus dem Jenseits zurück. Fortan sind die beiden ein Paar, scheinen aber nicht zueinander zu passen. Kika betrügt ihren Geliebten mit Ramons attraktivem Stiefvater Nicholas. Der Schriftsteller birgt ein mörderisches Geheimnis, dem wiederum die narbengesichtige Moderatorin einer grellen Reality-TV-Show auf der Spur ist. Pedro Almodovars "Kika" ist eine stilsicher und virtuos in Szene gesetzte Mischung aus Liebesmelodram, Krimikomödie und Medienfarce, glänzend besetzt mit Veronica Forque, Victoria Abril, Peter Coyote und Alex Casanovas.

Die quirlige Visagistin Kika (Verenica Forque) lebt zusammen mit dem herzkranken Dessous-Fotografen Ramon (Alex Casanovas). Kennen gelernt haben die beiden sich, als Ramon - vom Selbstmord seiner Mutter Rafaela (Charo Lopez) geschockt - in todesähnliche Starre fiel. Ramons Stiefvater, der amerikanischer Schriftsteller Nicholas Pierce (Peter Coyote), bat Kika seinerzeit, die blasse Leiche zu schminken - wodurch Ramon zum Leben erweckt wurde. Seither sind die beiden ein Paar, doch ihre Beziehung gerät in eine Krise, als der solide Ramon seiner leichtlebigen Freundin Kika einen Heiratsantrag macht. Kika befürchtet, dass Ramon ihre Seitensprünge mit dem Schriftsteller Nicholas bemerkt, der nach zweijährigem Auslandsaufenthalt nach Spanien zurück gekehrt und in Ramons Atelier einen Stock höher eingezogen ist. Aber auch Ramon verbirgt ein Geheimnis: Ramon steht noch in Kontakt mit seiner früheren Geliebten, der narbengesichtigen Ex-Psychologin Andrea (Victoria Abril). Sie ist die verantwortliche Moderatorin der ebenso blutrünstigen wie erfolgreichen Reality-TV-Show "Das Schlimmste vom Tage", in der Morde und Unfälle zur besten Sendezeit präsentiert werden. Als Kika in ihrer eigenen Wohnung von einem entlaufenen Triebtäter heimgesucht wird, zeichnet der Voyeuristist Ramon die Vergewaltigung von einer gegenüber liegenden Wohnung aus auf. Er spielt die Bänder Andrea zu, die mit der Ausstrahlung der Vergewaltigung Rekordquoten erzielt. Kika ist tief enttäuscht von Ramon - und auch von ihrem heimlichen Liebhaber Nicholas: Nach Beendigung seines Romans verlässt der Schriftsteller sie, um in die leer stehende Villa seiner verstorbenen Frau zu ziehen. Dort spürt die Reporterin Andrea ihn auf, denn sie hat Nicholas als gerissenen Serienkiller entlarvt. Mit Waffengewalt will sie ihn zu einem medienwirksamen TV-Interview zwingen. Es kommt es zu einem Handgemenge, die beiden töten sich gegenseitig. Beim Anblick einer von Nicholas ermordeten Frau fällt Ramon erneut in Todesstarre, und wieder ist es Kika, die ihn zum Leben erweckt - diesmal mit rabiateren Methoden. Doch Kika kehrt nicht zu Ramon zurück. Stattdessen beginnt sie eine spontane Liaison mit einem sehr gut aussehenden Tramper...

Seit "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" zählt Pedro Almodovar zu den renommiertesten Autorenfilmern Europas. In seinem zehnten abendfüllenden Spielfilm treibt der Spanier einmal mehr ein virtuoses Spiel mit Elementen aus Sex & Crime-Filmen und Screwball-Komödien. Mit traumwandlerischer Sicherheit und mit atemberaubender Geschwindigkeit changiert Almodovar dabei zwischen Groteske und Tragödie. Obwohl die Charaktere in ihren traditionellen Geschlechterrollen permanent in Frage gestellt werden, ist der Zuschauer immer wieder gerührt von psychologisch genauen Beobachtungen und Momenten tief empfundener Wahrheit. Und ganz nebenbei ist "Kika" auch eine ebenso realistische wie augenzwinkernde Reflexion auf den Medienbetrieb und den Voyeurismus des Fernsehpublikums. 

Spielfilm

Frankreich, Spanien 1993 

Buch: Pedro Almodóvar 
Musik: Perez Prado, Hisaig Franculli, Kurt Weil 
Regie: Pedro Almodóvar  

Darsteller und Rollen:

Veronica Forque (Kika), Peter Coyote (Nicolas Pierce), Alex Casanovas (Ramon), Victoria Abril (Andrea), Rossy de Palma (Juana, das Hausmädchen), Charo Lopez (Rafaela) 

 

© 2000 Dieter Herchenbach