In & Out

"In & Out" ist eine Komödie erster Klasse, bei der alles durch ein Versehen beginnt:
Howard Bracket (großartig: Kevin Kline) ist ein Lehrer in einem kleinen Nest und verfolgt im Fernsehen wie fast jeder gespannt die Oscar-Verleihung, auf der ein ehemaliger Schüler (Matt Dillon) für seine Rolle als homosexueller Soldat ausgezeichnet wird - und sich daraufhin bei seinem ehemaligen Lehrer bedankt, mit dem Hinweis: "Und er ist schwul!" - Das war diesem jedoch neu. Und seiner Verlobten, die neben ihm sitzt, auch. (Man stelle sich ihr Gesicht vor!) Schließlich steht die Heirat ja kurz bevor. Hier beginnt das Hin und Her zwischen der Frage, ob an dem unabsichtlichen Outing nicht evtl. doch etwas Wahres ist oder nicht. Eine große Rolle dabei spielt der aufdringliche TV-Reporter (herrlich gespielt von Tom Selleck), der natürlich seine Story haben will.
Ob Lehrer Bracket nun schwul ist oder nicht, wird nicht verraten - und das ist auch nicht so wichtig, denn "In & Out" ist einfach eine Komödie, bei der man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt, ähnlich wie bei "Der Bewegte Mann", oder sogar noch mehr. Der Film nimmt einfach alles auf die Schippe, seien es die Medien, Hollywoodstars oder auch schwule Klischees. Es empfiehlt sich dieses Meisterwerk in einem großen Kino anzusehen, denn Lachen steckt ja bekanntermaßen an. Auch wenn ich den Film mir nochmal anschauen muß, damit ich einige Witze (akustisch!) doch noch verstehe - aber den Film werde ich mir ohnehin nochmal ansehen. Denn es gibt fast nichts zu bemängeln: Klasse Drehbuch (vom schwulen Autor Paul Rudnick), Darsteller (u.a. gibt das Model Shalom Harlow ihr Filmdebüt - als nichtessendes Model[!]), Regie (Frank Oz). Einzige Kritik: zweimal war das Mikro im Bild (zusätzlich zu dem des TV-Reporters, das übrigens echt war).
Die Idee zu diesem Film entstand übrigens, als Tom Hanks auf der Oscar-Verleihung 1994 für "Philadelphia" ausgezeichnet wurde und sich dort bei seinem hervorragenden Highschool-Lehrer bedankte, der schwul war! :-)

Howard Brackett, allseits beliebter Englisch- und Sportlehrer im verträumten Greenleaf, sitzt mit seiner Dauerverlobten Emily vor dem Fernseher und fiebert der Oscar-Verleihung entgegen. Immerhin ist Cameron Drake, einer seiner Ex-Schüler, für den Oscar nominiert. Und er gewinnt tatsächlich. Seine Dankesrede schlägt wie eine Bombe in Greenleaf ein. Er outet Brackett als Homosexuellen, und das kurz vor seiner Hochzeit.

Mit "In & Out - Rosa wie die Liebe" schuf Frank Oz, Miterfinder der "Sesamstraße" und der "Muppets", "eine ausgelassene, nie plumpe Screwball-Komödie zum Thema Homosexualität" (AZ), bestens unterstützt von seinem glänzend aufgelegten Ensemble - von dem "geouteten" Kevin Kline über den "Outer" Matt Dillon bis zur düpierten Dauerverlobten Joan Cusack und dem Zyniker Tom Selleck, der sich seinerseits Kline gegenüber auf überraschende Weise "outet". Als Mutter von Kevin Kline bietet Hollywood-Star Debbie Reynolds ("Singin' in the Rain") eine köstliche Charakterstudie.

Die Nacht der Oscar-Verleihung im idyllischen Städtchen Greenleaf/Indiana: Alles sitzt gespannt vor dem Fernseher, vor allem der allseits beliebte und respektierte Englisch- und Sportlehrer Howard Brackett ist aufgeregt. Immerhin gehört Cameron Drake, einer seiner Lieblingsschüler, zu den Nominierten in der Kategorie Hauptdarsteller. Und tatsächlich macht er das Rennen für seine Leistung in dem bewegenden Antikriegsfilm "Geboren am 6. Oktober". Wie üblich hält Drake eine Dankesrede. Gerührt vernimmt Brackett seinen Namen. Doch dann platzt die Bombe. Der Oscar-Preisträger outet den Lehrer als Homosexuellen.

Ganz Greenleaf hält den Atem an, vor allem Howards Dauerverlobte Emily Montgomery, die erst vor kurzem ihren Bräutigam zu einem Hochzeitstermin überreden konnte, für den großen Tag 50 Pfund abgenommen hat und nun den Kampf um ihr Glück aufnimmt. Die Eltern Brackett verlangen lückenlose Aufklärung, sein Football-Team suspendiert ihn vom Traineramt. Howard versucht, sich möglichst männlich zu gebärden und markiert den Macho. Aber je mehr er sich um die virile Attitüde bemüht, desto schwieriger wird die Lage. Die Situation verschärft sich, als sich der zynische TV-Reporter Malloy an seine Fersen heftet und sich nicht nur als Homosexueller outet, sondern sich auch noch in Brackett verliebt und diesen mit seinem leidenschaftlichen Kuss endgültig in die (Identitäts-)Krise stürzt.

Der Skandal erreicht seinen Höhepunkt, als Howard vor dem Traualtar die Flucht ergreift. Brackett scheint am Ende. Bei der Abschlussfeier erklärt ihn der Rektor der High School in einer flammenden Rede zur Unperson. Da taucht unverhofft Cameron Drake auf.

Frank Oz ("Muppet Show", "Housesitter", "Zwei hinreißend verdorbene Halunken") schmückte seine Kleinstadt-Komödie zwischen Übermut und Nachdenklichkeit mit Insider-Jokes und Zitaten aus der Welt der Frank-Capra-Filme ("Mr. Deeds geht in die Stadt", "Ist das Leben nicht schön?") bis hin zur brillanten Persiflage des Vietnam-Epos "Geboren am 4. Juli" von Oliver Stone und Tom Hanks' Dankesrede zu seinem Oscar-Gewinn mit dem Homosexuellendrama "Philadelphia".

"Wie einst Capra lässt Frank Oz seine Geschichte von unerwarteten Entdeckungen, spießigen Irritationen, Vorurteilen und verrückten Medienauswirkungen in einem Provinzkaff spielen" (Frauke Hanck). Mit augenzwinkernder Situationskomik breiten der Regisseur und sein Autor Paul Rudnick den Kosmos einer Kleinstadt aus, in dem Gerüchte bestens gedeihen und die "Normalität" Gericht hält über die "anderen". Jeder outet sich und wird geoutet, es ist geradezu "in", dies zu tun oder zu erleiden.

Oscar-Preisträger Kevin Kline ("Ein Fisch namens Wanda") - der seine eigene Trophäe für die entsprechende Szene im Film auslieh - gibt eine Glanzvorstellung als völlig verunsicherter wohlanständiger Bürger, der plötzlich dem eigenen unbekannten Ich gegenüber steht; "Magnum" Tom Selleck begeistert - ein Zitat seines Leinwandimages - als viriler zynischer Reporter (ohne Schnurrbart), der Zeit seines Lebens seine verletzliche, nach Zärtlichkeit lechzende Seite verbergen musste. 

Komödie
USA 1997

Original Titel: In & Out 
Regie: Frank Oz 

 

Darsteller und Rollen:

Kevin Kline (Howard Brackett)
Joan Cusack (Emily Montgomery)
Tom Selleck (Peter Malloy)
Matt Dillon (Cameron Drake)
Debbie Reynolds (Berniece Brackett)
Gregory Jbara (Frank Brackett)
Bob Newhart (Tom Halliwell) 

 

© 2000 Dieter Herchenbach