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Jochen Hicks Kinoerfolg bekam zu Recht den Teddy auf der Berlinale 2003 sowie weitere Auszeichnungen. Dokumentarisch aber dennoch spannend erzählt der Film die Geschichten vierer Männer aus der Provinz - fernab der schwulen Metropolen - eben Allein unter Heteros. Besonders interessant sind die Gegenüberstellungen der schließlich doch geouteten Homos mit dem heterosexuellen Freundeskreis, den Kollegen, dem Stammtisch, dem Pfarrer, dem Arzt usw. Den Menschen, die den schwulen Mitmenschen schon seit Jahren und Jahrzehnten kennen, aber eben nicht als Schwulen. Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll, wenn dem Zuschauer aus den Mündern der betroffen reagierenden Heteros die unglaublichsten Äußerungen entgegen kommen. Vielen gemeinsam ist "Nein, sie kennen keinen Schwulen"; selbst wenn der Homo direkt gegenüber sitzt. Die Verdrängung funktioniert perfekt. Die interviewten Dorfbewohner haben oftmals die wunderbare Gabe, sich vor der Kamera selbst zu entlarven. Ihre Borniertheit, ihr Beharren auf 'Natürlichkeit' oder 'Gott', ihre gänzliche Weigerung, Homosexualität in ihrem Umfeld überhaupt nur wahr zu nehmen. Hartmut Alber (57) ist HIV-positiv und hatte ein spätes Coming Out in Onstmettingen auf der Schwäbischen Alb. Jahrelang konnte er nur im Urlaub - fernab der Heimat, vorzugsweise in Thailand - schwul sein. Hick macht sich die Mühe und zeigt ihn nicht nur im schwäbischen Ländle sondern auch mit seinen Thaiboys. Stefan Braun (26) aus Michelwinnaden bei Bad Waldsee
ist Forstwirt. Seine
Mutter hat sich inzwischen nicht nur mit der Homosexualität ihres
Sohnes abgefunden, nein, sie hat einen Selbsthilfeverein für Eltern
homosexueller Kinder gegründet: "Als ich bemerkte, dass mein Hund schwul
ist, habe ich ihn erschlagen." erzählte eine Frau am Telefon. "Bei
meinem Sohn kann ich das ja wohl nicht auch tun, oder?" Im Gegensatz zu den Erfahrungen von Richard, der - inzwischen in fortgeschrittenem Alter - Nazideutschland überlebt hat. Er zeigt uns mit seinem Freund in Zürich die Stätten, an denen Homos damals Feste feiern konnten. Und dabei sind die Schwulen gar nicht so anders als die spießigen Landei-Heten. Hat er doch beispielsweise seinen Fernseher hinter einer Bücherwandattrappe versteckt. Uwe
Furtwängler ist Uniform-Fetischist.
Seine Klamotten kauft er inzwischen im einschlägigen Fachgeschäft in
Berlin unter fachkundiger Beratung. Die Großstadtszene ist für ihn
fremd; dass vor 12 Uhr nachts in den Kneipen nichts los ist verwundert ihn
wie mich bei meinem ersten Berlinbesuch. Denn - hey - ich bin aus Freiburg
und das ist ja schließlich Deutschlands größte Kleinstadt ;-)
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Doku
Deutschland 2003 Regie: Jochen Hick |
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Darsteller: Hartmut Alber, Stefan Braun, Uwe Furtwängler, Erika Micale, Richard, Eduard, Robert Rapp, Ernst Ostertag, Felicitas Furtwängler, Käte Braun, Martin Braun, Anne Lang, Claudio Micale |