Ich bieg' Dir 'nen Regenbogen

Rio Reiser, Rockpoet. Ein Portrait 

Rio Reiser hieß mit bürgerlichem Namen Ralph Möbius, und in den 80er Jahren nannte er sich in seinem erfolgreichsten Rock-Song „König von Deutschland“. Er war Gründer, Sänger und Textdichter der legendären linken deutschen Rockgruppe „Ton Steine Scherben“. „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“ hieß die erste Single der vierköpfigen Band. Kennzeichen der „Scherben“ waren anarchische Texte, die offen Partei ergriffen für APO und Hausbesetzer. Auch als 
Schauspieler fand Rio Reiser Beachtung: Für die Titelrolle in „Johnny West“ (1977) erhielt er den Bundesfilmpreis. 1985, nach der Trennung von den „Scherben“, begann Rio Reiser eine Solokarriere, mit „König von Deutschland“ (1986) wurde er bundesweit bekannt. 
Zusammen mit dem Regisseur Hanno Brühl erzählt Peter Möbius die Geschichte seines Bruders Ralph-Rio. Der Film ist auch eine kleine bundesrepublikanische Zeitreise, vorbei an den letzten Bildern von Jimi Hendrix auf Fehmarn, der kurz nach diesem Konzert starb, vorbei auch an bisher nur im WDR Fernsehen gezeigten Ausschnitten eines Konzertes in Ostberlin kurz vor dem Mauerfall, bei dem das Lied „Zauberland ist abgebrannt“ eine neue politische Interpretation durch das Publikum erfuhr. Vor zwei Jahren ist der Rockpoet Rio Reiser im Alter von 46 Jahren gestorben. In dem Film sieht man ihn als das, was er in seinen Liedern war: „Rio der Erste und Sissi die Zweite“, Agit-Rocker, Minnesänger, Publikumsliebling, das alles und noch viel mehr. 

 

© 2000 Dieter Herchenbach