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1971 wurde der 20-jährige Kinderschlitzer in der
damaligen DDR nach umfangreichen Ermittlungen der Stasi in Eberswalde gefasst
und zum Tode verurteilt. Er hatte es auf blonde Jungen abgesehen und sie grausam
zugerichtet.
Tod einer Bestie - Der Fall Hagedorn.
"Wer kann Angaben machen? Seit dem 31. Mai 1969 gegen 14.00 Uhr werden die Kinder Specht, Henry und Louis, Mario vermisst ..." Die Fahnder mussten ziemlich ratlos sein, als sie zwei Wochen nach dem Verschwinden der Kinder die Öffentlichkeit über die Presse um Mithilfe baten. In den Richtlinien der Volkspolizei hieß es: "Bei der Auswahl der für die Öffentlichkeit bestimmten Informationen ist eine hohe politische Wachsamkeit zu üben. Es kommt darauf an, bei der Bevölkerung die Überzeugung zu festigen, dass nicht ein einziges Verbrechen unaufgedeckt bleibt."
Einen Tag nach der Zeitungsmeldung entdeckte ein Waldarbeiter die Leiche eines der gesuchten Kinder. Wenig später wurde der zweite Junge gefunden. Beide Leichen sind schrecklich zugerichtet. Man vermutete, dass es sich bei dem Täter um einen homophilen Sadisten handelt, der vermutlich in geordneten Verhältnissen lebt. Der Abschlusssatz des Berichtes beunruhigte die Kriminalisten besonders: "Der Sadismus als sexuelle Perversion ist nicht heilbar, eine Rückfallgefahr ist immer vorhanden."
Zwei Jahre später, im Oktober 1971, schlug der Mörder wieder zu. Wieder war das Opfer ein blonder Junge, wieder Messerstich, durchtrennter Hals ... Der Chef-Psychologe entdeckte Parallelen zu dem so genannten Kirmesmörder Jürgen Bartsch, der im Westen wenige Jahre zuvor vier Knaben zu Tode gefoltert hatte. Über die Stasi wurden die Ermittler umgehend mit dem entsprechenden "Kirmesmord"- Material versehen. Man kam schließlich zu dem Schluss, dass nach einem sadistisch veranlagten jüngeren männlichen Triebtäter aus Eberswalde, der homosexuell- pädophil fixiert sei, gesucht werden muss. Am 12. November 1971 wurde der Gesuchte gefasst: Erwin Hagedorn, 1952 geboren, Koch. Er ist geständig und außerordentlich kooperativ. Ein Filmstab der Hauptabteilung der Kriminalpolizei rückt an und hält alles akribisch fest, was Hagedorn bereitwillig berichtet und bei Lokalterminen für die Kamera überaus anschaulich demonstriert. Künftige Kriminalistengenerationen sollten aus dem Lehrmaterial Hagedorn ihren Nutzen ziehen können.
Am 9. Mai 1972 beginnt der Prozess, am 15. Mai bereits wird Hagedorn zum Tode verurteilt. Am 15. September wird das Urteil in Leipzig gemäß der Geheimen Verschlusssache 02014 durch einen "unerwarteten Nahschuss" vollstreckt. Das Gnadengesuch war von Walter Ulbricht abgewiesen worden. Der Verteidiger hatte vergeblich auf die Jugendlichkeit und verminderte Straffähigkeit seines Mandanten hingewiesen. Der bundesdeutsche Journalist Friedhelm Werremeier, der sich mit Erfolg für den "Kirmesmörder" Bartsch eingesetzt hatte, wurde aufmerksam auf den Fall Hagedorn. Im gleichen Jahrzehnt waren da in beiden Teilen Deutschlands offensichtlich zwei jugendliche Mörder herangewachsen, die in Veranlagung und Charakter fast absolut identisch waren.
"Der Fall Hagedorn" - ein Film über einen Mörder, der in der DDR-Geschichte beispiellos blieb. Ein Fall, der zugleich auch deutlich machte, wie sehr die Justiz seinerzeit mit einem solchen Täter überfordert war. Die Protagonisten (Ermittler, Psychologen etc. ), insbesondere aber die Filmaufnahmen, die die Kripo für einen Lehrfilm drehte, lassen erstaunlich tief in das Innere eines Täters blicken.
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HISTORISCHE DOKUMENTATION
Von Michael Erler
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