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Der Kindermörder Jürgen Bartsch
Film von Thomas Fischer
"Bestie von Langenberg", "Teufel in Menschengestalt" - so
titelt die Presse am Morgen des 22. Juni 1966, nachdem die Polizei tags zuvor
den 19jährigen Metzgergesellen Jürgen Bartsch in der Wohnung seiner
Adoptiveltern festgenommen hat. Jürgen Bartsch - dieser Name bereitet von da an
den gleichen Schrecken wie die Namen der Triebtäter Haarmann und Kürten in den
20er und 30er Jahren. Kein Serienmörder hat sich so offen zu seinen Taten
geäußert, kein Sexualstraftäter wurde von so vielen Gutachtern untersucht wie
Jürgen Bartsch - dennoch blieb er ein Rätsel. Vier Jungen im Alter zwischen
acht und zwölf Jahren hat Bartsch umgebracht. Seinen ersten Mord beging er
1962, gerade 15 Jahre alt. Er sprach seine Opfer auf Kirmesplätzen an und
lockte sie in einen alten Luftschutzstollen unweit seines Elternhauses in
Langenberg bei Wuppertal. Im Stollen missbrauchte und quälte er die Kinder, ehe
er sie tötete. Am 18. Juni 1966 hatte Bartsch sein fünftes Opfer gefunden, das
sich aber befreien konnte. Drei Tage später war der "Kirmesmörder"
Bartsch gefasst. Mehr als jedes andere Verbrechen beschäftigt der Fall Bartsch
in den 60er Jahren Juristen, Ärzte, Psychologen und die Öffentlichkeit. Im
Dezember 1967 wird Bartsch nicht zuletzt aufgrund umstrittener Gutachten zu
lebenslangem Zuchthaus verurteilt. In einem zweiten Prozess, der von März 1971
an vor der Jugendkammer des Düsseldorfer Landgerichts verhandelt wird, werden
weitere Gutachten vorgelegt. Er endet mit einem wesentlich geringeren Strafmaß.
Bartsch wird zu zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt und später in der
psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalt Eickelborn untergebracht. Dort heiratet
Bartsch am 5. Januar 1974 die Schwesternhelferin Gisela Deike aus Hannover, die
schon kurz nach dem Urteil Kontakt zu ihm aufgenommen hatte. Bartsch:
"Irgendwann, wenn ich hier raus bin, wollen wir auch Kinder haben."
Doch dazu kommt es nicht. Schuldgefühle und Mordphantasien quälen Bartsch
täglich. Um ihn von diesem quälenden Leidensdruck zu befreien, schlagen Ärzte
verschiedene Psychotherapien vor, auch eine Gehirnoperation wird erwogen.
Schließlich stimmt Bartsch 1976 zu, sich kastrieren zu lassen. Bei der
Operation im Landeskrankenhaus Eickelborn bricht sein Kreislauf zusammen,
Bartsch ist tot. Die Obduktion, die noch am selben Tag in der Leichenhalle des
Westfriedhofs in Paderborn durchgeführt wird, ergibt, dass eine falsche
Dosierung des Narkosemittels "Halothan" den Tod verursacht hat - ein
Kunstfehler, wie die Chirurgen einräumen.
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