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Neben Ein perfekter Ehemann (An Ideal Husband) und vor allem Ernst sein ist alles (The Importance of Being Earnest) ist Lady Windermeres Fächer (Lady Windermere's Fan) eine weitere, süffisante, Wildes Wortwitz und Schlagfertigkeit unter Beweis stellende Komödie des berühmten, doch leider meist nur durch Das Bildnis des Dorian Gray (The Picture of Dorian Gray) bekannten Oscar Wilde. Gerade dieser Roman indes kann die sich ja meist in Dialogen und amüsanten Reaktionen zeigende Sprachgewalt des Briten nicht wirklich dokumentieren und man bekommt so leicht einen nicht ganz so günstigen Eindruck. Insofern: sich lieber an die Komödien halten, denn die leben davon! Und sind einfach nur brillant - nicht alle drei angesprochenen in gleichem Maße, aber doch sehr viel besser als der Roman. Dass drum auch diese Komödien mit praktisch schon fertigem Drehbuch die Filmindustrie gereizt haben, ist wohl klar und wird nun, im Zeitalter der DVD, Gott sei Dank auch ausdrucksvoll dokumentiert. In der Komödie Lady Windermeres Fächer (Lady Windermere's Fan - Uraufführung in London 1892) geht es, wie so oft bei Wilde, um die Unzuverlässigkeit des äußeren Scheins: Italien in den 30er Jahren: Die gehobene Gesellschaft hat mit Robert und Meg Windermere ein Traumpaar. Doch als sie einen romantischen Urlaub in Amalfi machen, gerät ihr junges Glück ins wanken: Mrs. Erlynne, ebenfalls auf Urlaub in Amalfi, ist bekannt für ihre Verführungskünste. Sie scheint auch bei Robert Erfolg zu haben, trotz dass einige Jährchen zwischen ihnen liegen – zu Mrs. Erlynnes Ungunsten. Einige Schecks, die der wohlhabende Robert auf Mrs. Erlynne ausgestellt hat, deuten ebenfalls auf eine pikante Verbindung hin. Als Meg einer dieser Schecks in die Hände fällt, sucht sie in ihrer Verzweiflung Trost bei einem (vermeintlichen) Freund – der lange schon tiefe Gefühle für sie hegt. Zumindest für den Zuschauer lösen sich die Umstände und Hintergründe auf und man erfährt, wie es eigentlich um dieses Dreieck (oder genau genommen Sechseck) bestellt ist, doch wissen nicht alle Beteiligten alles. So bleibt es Meg verborgen, dass die Frau, die drauf und dran war ihre Vorstellungen von Gut und Böse ins Wanken zu bringen und zu einem Schritt zu treiben, den sie später bereut hätte, ihre Mutter war (die sie vor Jahren weggegeben hat). Lord Windermere wiederum erfährt nicht, dass seine Frau drauf und dran war ihn zu verlassen. Eine ausführliche Inhaltskurzbeschreibung findet sich bei Dieter Wunderlich. Der vollständige Titel lautet: Lady Windermere's Fan - A Play about a good woman (Drama eines guten Weibes in der ersten Übersetzung von L. Pavia aus dem Jahre 1902) - und den letzten Teil dieses Titels hat sich die nunmehr neueste Verfilmung des Oscar-Wilde-Stückes zum Filmtitel erkoren. Was natürlich zur Folge hat, dass viele diese Verbindung nicht gleich erkennen. In GOOD WOMAN spielen Scarlett Johanssen (Meg) und die recht ausdrucksstarke Helen Hunt (Mrs Erlynne) die beiden weiblichen Kontrahenten, die sich, wie erstere meint, um Lord Windermere (Mark Umberts in seiner zweiten Rolle) streiten. Ist der Film im Ganzen eine recht getreue Umsetzung des Wildeschen Inhalts und muss man die Mühen wegen der Kulisse etc lobend erwähnen, fehlt ihm doch insgesamt der Witz und das Esprit, das im Stück selbst beim Lesen sofort überspringt.
Auch bin ich mir nicht sicher, dass Ellen Hunt, deren Talent ich nicht in
Abrede stellen will, die richtige Besetzung für die scheinbare
Maneaterin Mrs. Erlynne ist. Ihr Gegenüber Scarlett Johanssen indes ist
fast ein wenig übertrieben in ihren Reaktionen. Irgendwie passen die
schauspielerische Darstellung (eher 1980er/90er-like) und die
Kulissenschieberei eines Amalfi der 1930er nicht wirklich zusammen, so
dass der Rezensent diesen Film nicht mit Feuer und Flamme empfehlen
will. Deutlich überzeugender ist indes die - auch chronologisch gesehen - zweite Verfilmung (DEU 1935) durch Heinz Hilpert mit Lil Dagover in der Rolle der "guten Übeltäterin" Mrs. Erlynne und einer fantastischen Hanna Wag als Lady Windermere. In üppiger Ausstattung und auch sehr schönen Freiluftaufnahmen daherkommend, kommen hier nach Meinung des Rezensenten auch die Gestik und Mimik stimmig daher - und auch die Situationskomik kommt gut rüber. Ich meine, schließlich und endlich ist Lady Windermere eine Adelige und Britin, während Mrs. Erlynne eine bürgerliche Amerikanerin mit zweifelhaftem Leumund ist, die sich nur nach außen reich und galant zu geben versteht. Gerade diesen Gegensatz stellen die beiden Damen in der deutschen Verfilmung sehr gut dar, so dass Rezensent im Zweifelsfalle dieser DVD den Vorrang geben würde. Natürlich kommt diese - im Gegensatz zur zweisprachig verfügbaren GOOD WOMAN - nur mit deutschem Ton daher, da der Film offensichtlich nie synchronisiert wurde. Dasselbe trifft im Umkehrschluss für die von Tony Smith besorgte BBC-Verfilmung aus dem Jahre 1985 zu. Wie die anderen drei Filme der BBC Wilde Collection (An Ideal Husband; The Picture of Dorian Gray; The Importance of Being Earnest) auch, sind diese scheinbar nie im deutschen Fernsehen gezeigt worden - oder aber sie waren Eintagsfliegen, wie es ja leider für die Ausstrahlungen der neuesten Verfilmungen von Ernst sein ist Alles únd Ein Perfekter Ehemann unverständlicherweise nach wie zutrifft.
Wie auch immer, auf jeden Fall gibt es derzeit die gesamte Edition und
somit auch die Lady Windermere nur in der original britischen Fassung
ohne Untertitel oder anderes Extra (plain wie so oft bei den Briten).
Auch sonst überzeugt leider auch diese, für das britische Fernsehen
produzierte Fassung nicht wirklich, was eigentlich für BBC-Produktionen
untypisch ist, aber das mag an der wenig charismatischen Stephanie
Turner als Mrs. Erlynne liegen. Die DVD-Ausgaben im Einzelnen
Helen Hunt .... Mrs. Erlynne
Lil Dagover .... Mrs. Erlynne
Helena Little .... Lady Windermere
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Komödie
GOOD WOMAN USA 2004
LADY WINDERMERES FÄCHER - DEU 1935
LADY WINDERMERE'S FAN GB 1985 |
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Darsteller & Rollen: Lil Dagover .... Mrs. Erlynne
Helen Hunt .... Mrs. Erlynne + LADY WINDERMERE'S FAN GB 1985 Helena Little .... Lady Windermere
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