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Was man leider nur sehr selten hier zu sehen kriegt: einen anspruchsvollen italienischen Film, und dann auch noch ein Schwulenfilm. Allerdings: typisch Randgruppenfilm gibt es den Film weder in einer deutschen, noch anders als italienischen Sprachfassung und auch die hier zu besprechende DVD bietet lediglich einen englischen Untertitel. Erzählt wird die Geschichte von Claudio (Schmacker-Italiener Thomas Trabacchi; hier im Bild rechts). Nach den äußeren Umständen zu urteilen geht es ihm eigentlich ganz gut: er hat seit Jahren einen Freund - Dario (Davide Becchine, hier im Bild rechts), eine auskömmliche Stellung als Banker - und die beiden zusammen haben ein Haus in Rom, das sie aber gleich am Anfang des Films gegen eins in Mailand eintauschen wollen. Einziges Manko: Claudio ist HIV-positiv und nur dank der Medikamente kann er ein mehr oder weniger nach außen normales Leben führen, ins Fitnessstudio gehen, joggen etc. Und trotzdem scheint das Leben irgendwie an ihm vorbeizuschweben, kein Teil von ihm zu sein. Und er ist unzufrieden damit und vor allem auch ob der Tatsache, dass er von morgens bis abends vorsichtig sein muss, aufpassen bzw. sich einschränken muss, damit er diesen Lebensstil aufrechterhalten kann. Das ändert sich, als Claudio eines Abends auf der Klappe (gleich die Eröffnungsszene) eine überaus geile Nummer mit Andrea (Riccardo Salerno) schiebt. Die lässt ihn gar nicht mehr los, und trotzdem lässt Claudio Andrea kalt abblitzen, als dieser sich meldet, dass er seinen Bankausweis gefunden habe. Doch die beiden sehen sich wieder - und nach einigem Zögern geht Claudio auch mit hinauf. Es kommt, wozu es kommen musste - doch Claudio hat kein Kondom dabei und will das Ganze wieder abbrechen. Andrea jedoch redet ihm zu, weiter zu machen, das sei für ihn kein Problem, er will ihn so. Die beiden haben also ungeschützten Sex - und genießen es beide. Claudio lässt neben seinen ehelichen Pflichten auch die anderen schleifen: nimmt seine Medikamente unregelmäßig, schwänzt auf Arbeit. Mit Andrea, sagt er, als er sich später gegenüber seinem Mann rechtfertigt, fühlt er sich irgendwie so "unverletzlich", so als ob nichts an ihn rankäme - was er aber, so Dario darauf, "nicht sei". Claudio fährt sogar mit Andrea ans Meer, wo er schon seit Jahren nicht mehr war und wo seine Familie ein Ferienhaus besitzt, in das Andrea, scherzeshalber, gleich mit ihm einziehen will. Abgesehen vom egoistischen Endpunkt, den Claudio damit seiner zugegebenermaßen erkalteten Beziehung zu Dario setzen würde, könnte doch damit eigentlich Friede, Freude, Eierkuchen sein. Doch Claudio ist auch damit nicht zufrieden, kann sich nicht wirklich auf Andrea einlassen, kriegt Gewissensbisse und verletzt mit seinem Hickhack eigentlich gerade die Menschen, die sich am meisten um ihn sorgen: seinen "Mann" Dario und seinen Lover Andrea. Ersteren lässt er im Dunkeln, im Ungewissen und findet immer neue Ausreden, nicht nach Mailand kommen zu können. Bei letzterem meldet er sich plötzlich nicht mehr, ohne sich irgendwie zu erklären. Und wäre Andrea nicht hartnäckig, wer weiß, wäre Claudio zurück in Darios Arme gewandert. Auch dieser hätte es mehr als verdient, dass Claudio sich zumindest ehrlicher ihm gegenüber verhält, schließlich liebt er ihn und ist, wie Claudios ebenfalls HIV-positiver Freund Allessandro (Riccardo de Filippis) sagt, der "immer-sorgende Samariter", dessen man sich "nicht mehr entledigen kann" - der er allerdings erst noch zu finden hofft. Andrea indes lässt nicht locker, und die beiden verbringen ein paar schöne Tage, vielleicht auch Wochen miteinander, ganz abgesehen von den heißen Leidenschaften jenseits der Schlafzimmertür (und anderswo). Doch schon bald gibt es einen neuen Bruch: ohne dass es sich irgendwie erklärt, flieht Claudio seiner neuen Beziehung. Aus dem Epilog erfahren wir, dass er inzwischen allein lebt, in einer anderen Stadt, in einem neuen Beruf. Wir erfahren auch, dass Andrea inzwischen an AIDS verstorben ist, weil er, davon ist Claudio überzeugt, keine Therapie machen wollte. Wie er damit umgehen soll, weiß er nicht so recht, er erinnert sich nur, dass Andrea die Wahl hatte. Und offensichtlich, so Claudio, hat sich Andrea in Anbetracht der Tatsache, dass der Tod für alle gleich unausweichlich ist, aus freien Stücken dazu entschieden, seinen Tod gezielt in Empfang zu nehmen - von dem Mann, den er liebt. Nun ist es sicherlich nicht politisch korrekt, ungeschützten Sex zu propagieren, noch dazu, wenn man weiß, dass man AIDS hat. Doch das tut der Film auch gar nicht. Im Gegenteil: es ist Andrea, der noch Gesunde, der Claudio, der die Nummer beenden will, überredet doch weiterzumachen. Der einzige Einwand, den man sicher machen kann, ist der, dass der explizit vorgebrachte Grund - seine Liebe zu Claudio - sich bis dahin aus dem Film noch nicht ergibt. Andererseits ist es das Verdienst des Films, den HIV-positiven Claudio nicht als elend oder leidend hinzustellen, gleichzeitig aber herauszuarbeiten, dass das vermeintlich sorglose Leben hart und durch zahlreiche Einschränkungen erarbeitet werden muss, die einem schon diesen Zustand verleiden können. Diese Belastungen lassen auch die vom Standpunkt des rational Denkenden, nicht Betroffenen sicher als egoistisch, schroff und undankbar empfundenen Reaktionen und Entscheidungen Claudios in einem anderen Licht erscheinen. Zutiefst nahe indes geht einem auch die grenzenlose Hingabe Andreas, sein Festhalten an der Beziehung zu Claudio, seine Kraft, die er gewillt ist, ihm zu Verfügung zu stellen - ohne dafür indes die in meinen Augen mehr als berechtigte Gegenliebe oder zumindest auch Dankbarkeit zu finden. Insofern kann das sicher nicht ohne Bitternis vorgebrachte Fazit Claudios (immerhin ist er der Überlebende) auch als recht zynisch empfunden werden. Alles in allem ein beeindruckender, starker Film. Um so mehr ist zu bedauern,
dass er bislang noch nicht seinen Weg weder in die deutschen Kinos noch als DVD
zumindest in die schwulen Buchläden gefunden hat. Überhaupt scheint einzig die
in den USA von PictureThis! herausgebrachte, und deshalb leider Code1-DVD (nur
in den USA und Kanada oder aber einem codefreien DVD-Spieler abspielbar) als
Kauf-DVD greifbar zu sein. Diese - unter dem Titel DAYS herausgebrachte - DVD
bietet die mit englischen Untertiteln versehene italienische Originalfassung mit
Szenenauswahl sowie Trailer zu drei weiteren Filmen. |
Drama |
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Darsteller und Rollen: Thomas Trabacchi........ Claudio
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© 2004 D. Carius, GayStation