Ghettokids

Die Lehrerin Hanna und der Sozialarbeiter Xaver sind bemüht, den griechischen Brüdern Maikis und Christos beim Ausstieg aus dem Drogen- und Strichermilieu Münchens zu helfen.

Maikis und Christos wohnen zusammen mit ihrem älteren Bruder und ihrer Mutter in einer Einzimmerwohnung im Münchner Stadtteil Hasenbergl. Sie sind vor Jahren aus Griechenland nach Deutschland gezogen, in der Hoffnung, hier würde alles besser. Doch die Lebensumstände sind beengt. Die Kids dealen mit Drogen, Christos verdient sich als Stricher Geld dazu. Als türkisch sprechende Griechen sind Christos und Maikis auch an der deutschen Förderschule unter ihren türkischen Mitschülern Außenseiter. Ihr zweites Zuhause ist der Hauptbahnhof, die U-Bahn und das von dem Sozialarbeiter Xaver geführte Jugendzentrum. Am Hauptbahnhof findet auch die erste Begegnung mit Hanna Solinger statt: Beim Gepäckausladen stiehlt Christos ihre Geldbörse, nicht ahnend, dass Hanna am nächsten Morgen als neue Lehrerin vor ihm stehen wird. Keine einfache Aufgabe für Hanna Solinger, denn die Klasse hat es sich zum Ziel gesetzt, jede neue Lehrerin in kürzester Zeit so zu schockieren, dass sie nicht wieder kommt. Die Geschichte spitzt sich zu, als Maikis in den Überfall einer Türkengang auf einen U-Bahnpassanten verwickelt und verhaftet wird, während die Polizei Christos wegen eines Diebstahls verfolgt, für den er in diesem Fall nicht einmal verantwortlich ist.

"Ghettokids" ist ein Film, den man München nicht auf den ersten Blick zuordnet: München - die Stadt, die keine Armut kennt, zeigt in diesem Film ein neues Gesicht. Die Ghetto-Kids werden gespielt von jugendlichen Laiendarstellern aus dem sozial schwachen Viertel Hasenbergl. Dadurch bekommt der Film eine beklemmende Authentizität.

Seit 1995 ist Christian Wagner Dozent für Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Unter seiner Regie entstanden unter anderem "Transatlantis" (1995) und "Zehn wahnsinnige Tage" (1999) (12.05.2000, ARTE).

Christos wird gespielt von dem 13-jährigen Ioannis Tsialas, der bis zur sechsten Klasse die zweisprachige griechische Abteilung am Förderzentrum München Nord im Hasenbergl besuchte. Dort nahm er auch regelmäßig an dem intensivpädagogischen Ghettokids-Projekt "Thealimuta" (Theater, Lieder, Musik, Tanz) teil. Beim Dreh zu "München - Geheimnisse einer Stadt" (2000) von Dominik Graf und Michael Althen hat er bereits als Komparse Filmluft geschnuppert. Ebenfalls in seiner ersten Rolle ist Urjeton Osmani zu sehen. Während seiner Schulzeit am Förderzentrum München Nord nahm der 17-jährige Albaner an dem klassenübergreifenden Ghettokids-Projekt "Thealimuta" und dem Selbsthilfeprojekt für Kinder und Jugendliche "Lichttaler" teil, die ihm auch in schwierigen Lebensphasen Halt gaben. In "Eine Hand voll Gras" (2000) von Roland Suso Richter war er bereits in einer kleinen Nebenrolle zu sehen.

Barbara Rudnik spielt die Lehrerin Hanna Solinger. 1981 debütierte die Schauspielerin in "Kopfschuss", Beate Klöckners Filmerstling zum Thema "Leben als Kino". Den Film sah der ehemalige "Zeit"-Kritiker Hans-Christoph Blumenberg. Er gab Barbara Rudnik 1984 die Hauptrolle in seinem Spielfilmdebüt "Tausend Augen", der ihr zum Durchbruch verhalf. Für ihre Darstellung der Fernsehmoderatorin im mehrfach preisgekrönten Fernsehthriller "Der Sandmann" (1995) von Nico Hofmann wurde sie 1996 mit dem Adolf Grimme-Zuschauerpreis ausgezeichnet. 

Drama
Deutschland 2001

Buch: Gabriela Sperl 
Regie: Christian Wagner 

Darsteller: 

Ioannis Tsialas (Christos), Toni Osmani (Maikis), Barbara Rudnik (Hanna Solinger), Günther Maria Halmer (Xaver Friedmann), Fatih Sahanoglu (Ringo), Michael Tregor (Direktor Huber), Julia Dietze (Kathi Solinger) 

 

© 2002 Dieter Herchenbach