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Was uns "In & Out" vorexerziert hat, spielt dieser Film nun nach. Steven (Ben Silverstone Baujahr '79) ist im Film süße 16 und damit beschäftigt zu vertuschen, dass er schwul ist. Denn außer seiner "besten Freundin" Linda (einer Fag Hag, wie sie im Buche steht und mit gnadenlos sarkastischem Humor gesegnet; dargestellt von Charlotte Brittain) kennt niemand sein Geheimnis. Viel Erfahrung hat er indes noch nicht, die einzigen, auf die er zurückgreifen kann, hat er auf einer Klappe im Park gesammelt. Und eines schönen Tages bändelt er dort, ohne es zu wissen, mit dem Supersportler und Mädchenschwarm der Schule "Sex on Legs" - John Dixon (Brad Gorton) an. Der ist auch noch Schulsprecher, bei allen beliebt und zumindest eine Art Respektsperson bei der Clique um Kevin (Tim Harris), die unseren süßen Steven regelmäßig malträtiert. Pöbeleien, Anrempeleien, aufs Dach geschossene Taschen und auch mal Handgreiflichkeiten gehören zum Pensum, das Steven über sich ergehen zu lassen hat. Eigentlich hat er nur einen Freund, oder besser Kumpel, von dem er gelegentlich schon mal 'ne Hausaufgabe abschreiben kann: Mark (Patrick Nielsen). Dieser allerdings hat seit geraumer Zeit nur ein Ziel vor Augen: wie er die Schönheit der Schule, Wendy, auf sich aufmerksam machen kann. (Da kann man sich sogar für die Schülerzeitung, die sie bislang als Soloprojekt betreibt, engagieren. Und aus Solidarität macht auch Steven mit, da kann er seine heimlichen Schreibambitionen vielleicht doch in was Nützliches fließen lassen.) Durch die Schülerzeitung findet Steven auch eine andere Freundin: Jessica (Stacy A. Hart), die, nachdem sie Schürzenjäger Kevin zum Teufel gejagt hat, ziemlich niedergeschlagen ist und die Stevens verständnisvolles Zuhören fehlinterpretiert. Nun ja, das erste Treffen von Steven und John geht jedoch mächtig in die Hosen, vor allem, da John nicht nur irritiert ist, sondern insbesondere noch nicht akzeptieren kann oder will, dass er "einer von denen" sein soll. Folgerichtig flüchtet er nach einem hastigen, fast schon groben Küsschen kopflos von Steven. Die nächsten Tage tut er in der Schule so, als würde er ihn nicht kennen und geht jedem neuen Annäherungsversuch von Steven aus dem Wege. Erneuten Anlauf nehmen die beiden eigentlich erst nach einer Schuldisko, auf der sie sich anschmachten und John, nachdem er sich Mut angetrunken hat, einfach Steven hinterherläuft. Und siehe da: die beiden kommen sich näher, John kann sich - in Stevens Arme - fallen lassen und auch erstmals darüber reden, was ihn seit langem umtreibt: eine flüchtige Begegnung mit einem Schüler einer anderen Schule bei einer Schulexkursion ... Nun, so John, habe er einen Freund, der ihn versteht, gefunden. Allerdings
dürfe keiner davon wissen. Das schließe ein, dass man sich in der Schule auch
weiterhin nicht kennt und allenfalls nach der Schule geheim miteinander was
machen kann. Bei diesen Anlässen kann John auch richtig aus sich rausgehen, sich
fallen lassen; im Beisein oder mehr noch vor anderen indes nicht. Schließlich
hat er ein Image zu wahren und soll, der Familientradition entsprechend, i ein
paar Monaten nach Oxford gehen. Trotz aller Nähe und Glücksmomente, die die
beiden mit- und beieinander finden, tut John Steven, aus eben diesen
Imagegründen, immer wieder weh. Zum Showdown kommt es, als nach einem Wettkampf
Steven seinem Freund in der Umkleidekabine
gratuliert: als Kevin und andere Cliquemitglieder hinzukommen stößt er
Steven demonstrativ von sich und tritt gar nach ihm. Für einige ein bisschen störend, für mich durchaus nachvollziehbar und im Bereich des Möglichen das eher pathetische Ende, die Verständnis heischende, fast schon um Mitleid bittende Selbstoffenbarung Stevens vor der versammelten Schule, als er für einen bei einem Wettbewerb eingereichten Aufsatz einen Preis bekommt. Viel Mut gehört auf jeden Fall dazu, aber auch die Reife, einen derart pathetischen Monolog zu halten; aber schließlich haben wir ja mittlerweile ein neues Jahrtausend. Auf jeden Fall übertreibt die britische Produktion es nicht mit dem Pomp und gleitet nicht in den unwirklich-perfekten Glamour aus Hollywood, sondern zeigt mit wenigen Ausnahmen eine Geschichte, wie sie so ähnlich wirklich hätte passieren können; verliert aber dabei nicht die erfrischende Portion Witz, die vor allem durch Stevens und Lindas Unterhaltungen gespeist wird. Ein Beispiel: als Steve John anschmachtet, der ein Amt an der Schule innehat: "Er ist der Schulsprecher... Du glaubst nicht, wie sehr ich mir ein ' w ' dazwischen wünsche..." Ein Film in der würdigen Tradition des Coming-Out-Kultstreifens "Beautiful Thing"! Die nunmehr endlich als DVD vorliegende Produktion bietet neben dem deutschen und englischen Originalton auch zuschaltbare Untertitel. Als Extra wäre neben dem gut gemachten Kinotrailer und einigen anderen Kurzvorschauen das Interview mit dem Regisseur Simon Shoke hervorzuheben. Die DVD ist bei Kinowelt - Arthaus erscheinen und kann z. B. bei Amazon bestellt werden. |
Coming-out und Emanzipationsdrama Regie: Simon Shore GB 1998 |
![]() s. a. Kinoposter |
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Darsteller & Rollen: Ben Silverstone...Steven Carter |
© 2004 Dieter Herchenbach & Dirk Carius