Das Geschlecht der Sterne

Drama um Transsexualität. Mädel sehnt sich nach Daddy, welchereiner sich frühzeitig verdünnisiert hatte. Dann erscheint seinereiner wieder auf der Bildfläche; aber als zweite Mammi...

Die zwölfjährige Camille (Marianne-Coquelicot Mercier) lebt mit ihrer Mutter Michèle (Sylvie Drapeau) in Montreal. Nachdem ihr Vater spurlos in die USA entschwunden ist, hat Camille sich ganz von ihrer Umwelt zurückgezogen. Mit kühler Leidenschaft erforscht sie den Sternenhimmel und wünscht sich, dass er bald zurückkehrt. Die Anwältin Michèle führt einen aussichtslosen Kampf gegen den Einfluss des abwesenden Vaters, einem Phantom, das die ganze Liebe ihrer Tochter aufzusaugen scheint. Doch eines Tages steht Pierre-Henri wirklich vor der Tür. Er hat eine Geschlechtsumwandlung hinter sich und heißt nun Marie- Pierre (Denis Mercier). Michèle ist schockiert und wirft ihren Ex-Mann aus der Wohnung. Camille hat sich jedoch bereits derart in ihre Traumwelt verkrochen, dass sie nichts unversucht lässt, um Marie-Pierre zum Dableiben zu bewegen. Sie bedrängt sie mit den Erinnerungen an ein lange zurückliegendes Familienidyll und möchte, dass Marie-Pierre wieder in ihre / seine alte Identität zurückkehrt. Marie-Pierre ist jedoch längst kein Forscher mehr, sie hat ihre frühere bürgerliche Existenz aufgegeben, um zu sich selbst zu finden. Camilles heftige Zuneigung treibt Marie-Pierre in eine erneute Identitätskrise. Verzweifelt weist sie Camille schließlich ab, die tief verletzt ist. Sie vertraut sich ihrem schnoddrigen Mitschüler Lucky (Tobie Pelletier) an, einem sanften Einzelgänger mit geheimnisvollem Doppelleben. Lucky ist von der spröden, intelligenten Camille fasziniert, die so viel mehr von den geschlechtslosen Sternen als vom wirklichen Leben versteht. Eines Abends zeigt er ihr die düster-schillernde Subkultur Montreals, wo Camille ihren Vater beim Flirten mit Männern entdeckt. Sie ist von dieser Offenbarung schockiert und gerät in einen heftigen Gewissenskonflikt. Soll sie weiter an ihrem nostalgischen Traum festhalten und mit Marie-Pierre fortgehen oder muss sie sich nun für ihren eigenen Lebensweg entscheiden?
Die frühere frankokanadische Schauspielerin Paule Baillargon ("Jesus von Montreal") entwarf in ihrem zweiten Spielfilm das einfühlsame Psychogramm einer doppelten Identitätssuche. Ihr gelang dabei ein brillanter Schauspielerfilm, der sein heikles Thema in ebenso behutsame wie poetische Stimmungsbilder umsetzt. 
 

 

 

 

 

 

Drama

Canada 1993

Buch: Monique Proulx 
Original Titel: Le sexe des étoiles 
Regie: Paule Baillargeon 

 

Darsteller und Rollen: 

Denis Mercier (Marie-Pierre)
Marianne-Coquelicot Mercier (Camille)
Tobie Pelletier (Lucky)
Sylvie Drapeau (Michele)
Luc Picard (J. Boulet)
Gilles Renaud (Jacob)
Jean-Rene Ouellet (Luckys Kunde)
Danielle Proulx (Sängerin) 
                                                       

 

© 2000 Dieter Herchenbach