Fellinis Satyricon

Der Film, der den Begriff 'felliniesk' prägte: Frei nach Petron schuf Fellini ein üppiges Fresko über Erotik, Groteskerie und Dekadenz im sinnenfreudigen Spätrom Neros - und damit einen Zerrspiegel für die hedonistischen sechziger Jahre.

Im dekadenten Rom Neros streitet sich der junge Encolpius mit seinem Freund Ascyltus um die Gunst des schönen Knaben Gitone. Beim Gastmahl des protzigen Emporkömmlings Trimalchio erlebt Encolpius später ein ausschweifendes Fest, dann gerät er zusammen mit Ascyltus in immer neue Abenteuer voller Sinnlichkeit und dunkler Schrecken. - Der monumental-monströse Bilderbogen frei nach dem Romanfragment "Satyricon" des römischen Schriftstellers Petronius setzt die Reihe mit Filmen Federico Fellinis fort.

Die jungen Römer Encolpius und Ascyltus sind Rivalen um die Gunst des Lustknaben Gitone. Encolpius entführt ihn dem Schauspieler Vernacchio, verliert ihn aber schnell wieder an Ascyltus. Der Dichter Eumolpus nimmt Encolpius mit zum Gastmahl des Trimalchio, der seinen Reichtum protzig zur Schau stellt. Auf einem Piratenschiff finden Encolpius, Ascyltus und Gitone später wieder zusammen und werden in immer neue bizarre Abenteuer verstrickt. Encolpius muss wie Theseus gegen den Minotaurus kämpfen, aber der entpuppt sich als Schauspieler; als der blonde Jüngling seine Männlichkeit verliert, tun sich selbst sehr liebeskundige schöne Mädchen schwer mit ihm. Schließlich stirbt Ascyltus, und Encolpius macht sich auf die Suche nach einer neuen Welt. - In "Satyricon" hat Federico Fellini Anleihen bei den Roman-Fragmenten des Petronius und antiken Mythen zu einer fantastischen Odyssee durch das Rom Neros und in die Abgründe der Seele verschmolzen. Wie Traumbilder reihen sich Szenen opulent-ausschweifender Lustbarkeiten und blutiger Gewalt aneinander; hinter antiker Maskierung grinst oft die Fratze der Gegenwart. Fellinis Lust an schönen und hässlichen, boshaften und verkommenen Gesichtern, an Körpern und an manieristischem Dekor feiert hier besonders fantastische Triumphe. An vielen unterschiedlichen Interpretationen des Films hat es nicht gefehlt; manche Kritiker sahen in ihm vor allem ein Loblied auf heidnische Sinnenfreude, andere eine apokalyptische Karikatur unserer Zeit im Gewande einer "altrömischen Walpurgisnacht".

 


 

 

 

Satyricon
 
Italien, 1969

Regie: Federico Fellini

(123'46")
Kamera: Giuseppe Rotunno
Musik: Nino Rota

Drehbuch: Federico Fellini, Bernardino Zapponi und Brunello Rondi, frei nach Petronius

Darsteller:
Encolpius Martin Potter
Ascyltus Hiram Keller
Gitone Max Born
Tryphaena Capucine
Trimalchio Mario Romagnoli
Vernacchio Fanfulla
Brigant Gordon Mitchell
Oenothea Donuale Luna
Eumolpus Salvo Randone
Lichas Alain Cuny
Fortunata Magali Noel
und andere
                                      

 

 

© 2000 Dieter Herchenbach