Ernst sein ist Alles

Tipp

 

Alle lieben Ernst. Wer auch immer er ist.

Die wunderbar gewitzte Oscar Wilde-Adaption ERNST SEIN IST ALLES beginnt mit komödiantischem Höchsttempo und wird allmählich immer schneller. Um die zwei befreundeten Gentleman-Schlawiner Jack Worthing (Colin Firth) und Algy Moncrieff (Rupert Everett) kreist die Geschichte der beiden, die viel zu sehr mit dem Charmieren und dem Erfinden von Ausreden beschäftigt sind, um allzeit ihrer Verantwortung gerecht zu werden. So soll sich Jack auf dem Lande eigentlich um seine junge romantische Nichte Cecily (Reese Witherspoon) kümmern. Er reist aber viel lieber unter dem falschen Namen Ernst nach London. Derweil nimmt Algy unablässig vor gesellschaftlichen Verpflichtungen oder Gläubigern Reißaus und gibt sich dabei auf dem Lande selbst schon mal als Ernst aus. Mit ihren Notlügen und Dampfplaudereien können die Herrschaften freilich vielleicht noch Algys rebellische Cousine Gwendolen Fairfax (Frances O'Connor) einwickeln, die sich nur zu gern von Jack (alias Ernst!) erobern lassen möchte. Doch niemand im Bunde kann Lady Bracknell (Dame Judi Dench), der mächtigen Mutter von Gwendolen, etwas vormachen. Und als lauter echte Liebende mit manch falschem Namen auf dem Landsitz von Jack und Cecily zusammentreffen, gerät der amüsante Reigen um vertauschte Identitäten, gesellschaftliche Gesetze und geschliffene Worte zum komödiantischen Wirbelwind ...

Hintergrundinfos:
"The Importance of Being Earnest" wurde 1883 von Oscar Wilde auf dem Höhepunkt seines Schaffens geschrieben - im Urlaub. Auf der Bühne feierte das Stück des in Dublin geborenen und in London lebenden Autors am Valentinstag 1885 im St. James Theatre Premiere und war ein sofortiger Erfolg. Doch in den Monaten danach geriet der offen homosexuell lebende Wilde in die Mühlen der Justiz, als ihn der Marquis von Queensberry wegen grober Verstöße gegen die Sittlichkeit anklagen ließ und eine zweijährige Haftstrafe gegen Wilde erwirken konnte. 
"The Importance of Being Earnest" wurde am 8. Mai abgesetzt - zwei Wochen, bevor Wilde hinter Gitter kam und erst als gebrochener Mann wieder in Freiheit leben sollte. Nach seiner Entlassung schrieb er keine Komödien mehr, sondern vornehmlich melancholische und bewegende Stücke. Doch selbst als ihn ab 1899 seine Gesundheit verließ, hatte Wilde seinen Witz noch nicht verloren. "Meine Tapete und ich", schrieb er am 29. Oktober 1900, "kämpfen ein Duell auf Leben und Tod, und einer von uns beiden muss gehen." Wilde unterlag seinem Gegner am 30. November 1900.


Rupert Everett (Algernon Moncrieff) - Bio
Rupert Everett kam am 29. Mai 1959 im britischen Norfolk zur Welt und lernte sein Handwerk an der Central School of Speech & Drama in London. Seinen ersten - auch internationalen - Erfolg markierte er in der Adaption von Julian Mitchells Bühnenhit "Another Country" als Eliteschüler und Spion mit einem Part, den er schon am Westend geprägt hatte. Es folgten eine Reihe renommierter europäischer Filme wie die Marquez-Verfilmung "Chronik eines angekündigten Todes" oder das kühle Drama "Dance With A Stranger", in denen Everett "aristokratische leading men" mit Geist und Charme verkörperte, als hätte er die Gene von Oscar Wilde und Dorian Gray. Doch als sich abzeichnete, dass sich diese Qualitäten nicht wie erhofft ins seinerzeit noch nicht sehr britenfreundliche Hollywood importieren ließen, kehrte der Mime dem Geschäft für einige Jahre den Rücken. Freilich nicht, ohne seiner Enttäuschung angemessen divenhaft Luft zu machen. So verarbeitete Everett seine frühen Jahre in den köstlichen halbautobiografischen Büchern "Hello Darling, Are You Working" und "The Hairdresser of St. Tropez".
Ab Mitte der 90er wieder regelmäßig vor der Kamera und nicht mehr an abseitigen Projekten interessiert, namentlich an Splatter-Romanzen ("Dellamorte Dellamore") oder Disney-Familienfilmen ("Dunston Checks In"), gab Dashing Rupert ein kleines Comeback in "Madness of King George" und "Prêt à Porter", das nur Vorspiel zum Schlüsselfilm seiner zweiten Karriere sein sollte. 
In "My Best Friend's Wedding" stahl er neben Julia Roberts den anderen die Show nach Belieben und entwaffnete mit spitzer Zunge ganz nebenbei auch den amerikanischen Markt - eine Golden Globe-Nominierung sowie American Comedy Award und Blockbuster Publikumspreis folgten wie selbstverständlich. Seither glänzte Everett in feinen "period pieces" 
wie "An Ideal Husband" (Anlass für seine zweite Globe-Nominierung), "A Midsummer Night's Dream" oder als Cameo-Gast in "Shakespeare in Love" sowie mit dem Mainstream-Schwank als Kinderschreck-Schurke in "Inspektor Gadget." Man sah ihn neben seiner Busenfreundin Madonna in der Komödie "The Next Best Thing" und neben Kathy Bates in "Unconditional Love" und mit Tim Roth im Historiendrama "Cromwell and Fairfax" vor der Kamera.



Rupert Everett - Filme (Auswahl)

1984 ANOTHER COUNTRY 
1985 DANCE WITH A STRANGER 
1986 DUET FOR ONE 
1987 HEARTS OF FIRE 
LES LUNETTES D'OR (Brille mit Goldrand)
CRONICA DI UNA MORTE ANNUNCIATA (Die Chronik eines angekündigten Todes)
1990 THE COMFORT OF STRANGERS (Der Trost von Fremden)
1992 INSIDE MONKEY ZETTERLAND 
1994 PRET-A-PORTER 
DELLAMORTE DELLAMORE 
1995 THE MADNESS OF KING GEORGE (King George - Ein Königreich für mehr Verstand)
1997 MY BEST FRIEND'S WEDDING (Die Hochzeit meines besten Freundes)
1998 B. MONKEY
SHAKESPEARE IN LOVE
1999 AN IDEAL HUSBAND (Ein perfekter Ehemann)
A MIDSUMMER NIGHT'S DREAM (Ein Mittsommernachtstraum)
INSPECTOR GADGET
2000 THE NEXT BEST THING (Ein Freund zum Verlieben)
2001 SOUTH KENSINGTON
2002 THE IMPORTANCE OF BEING EARNEST (Ernst sein ist alles)
WHO SHOT VICTOR FOX
CROMWELL & FAIRFAX 

Komödie

USA/UK 2002; Farbe; 96 Min.; 
6 Akte; 35 mm; CS; Dolby SR/SRD

Regie Oliver Parker
Drehbuch Oliver Parker
nach dem gleichnamigen Stück von Oscar Wilde
Produktion Barnaby Thompson
ausführender Produzent Uri Fruchtmann
Line Producer David Brown
Kamera Tony Pierce-Roberts
Art Director Luciana Arrighi
Kostümdesign Maurizio Millenotti
Schnitt Guy Bensley
Musik Charlie Mole

 

 

Darsteller & Rollen:


Rupert Everett - Algernon Moncrieff
Colin Firth - Jack Worthing
Reese Witherspoon - Cecily Cardew
Judi Dench - Lady Bracknell
Frances O'Connor - Gwendolen Fairfax
Tom Wilkinson - Dr. Chasuble
Anna Massey - Miss Prism
Edward Fox - Lane

                                                   

                          

 

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