Entfernte Stimmen - Stilleben

In einzelnen Momentaufnahmen beschreibt Terence Davies ("The Neon Bible") mosaikartig den Alltag einer Arbeiterfamilie im Liverpool der 40er und 50er Jahre. Ein wesentliches Element des eindrucksvollen Films ist die Musik dieser Zeit.

Ein Arbeiterviertel im Liverpool der 40er und 50er Jahre. Das Leben in diesen Verhältnissen ist nicht leicht für die fünfköpfige Familie mit Vater, Mutter, zwei Töchtern und einem Sohn. Niemand im Haus hat genügend Raum für sich. Der Vater, unbestrittenes Oberhaupt der Familie, lässt seinen tyrannischen Neigungen freien Lauf. Die Aggression, die er ausstrahlt, provoziert eine ständige Stimmung der Angst und Wut. Während die Mutter darauf mit Resignation reagiert, steigen in den Kindern Gedanken an Mord und Totschlag auf. Einzig die Musik bietet ihnen eine Ausflucht aus dieser tristen Welt. Als der Vater stirbt, ist das - bei aller Betroffenheit - für alle anderen auch die Möglichkeit für einen Neubeginn.

Terence Davies ("The Neon Bible") gestaltet seine autobiografische Filmchronik in Fragmenten, die das Leben der Arbeiterfamilie jenseits chronologischer Abläufe wie ein Mosaik vorstellen. In den dramatischen Momenten nimmt die Kamera eine starre Position ein, während die Figuren sich unabhängig davon aus dem Bild bewegen und die Ereignisse oft nur zu hören sind. Eine wichtige Funktion erfüllt die Musik: "(Sie) ist sogar das Gerüst für diesen Film. Die Musik kontrapunktiert die Geschichte ständig, wird sogar manchmal selbst zur Geschichte" (Terence Davies). Der Film mit Pete Postlethwaite ("Die üblichen Verdächtigen", "Brassed Off") wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goldenen Leoparden auf dem Filmfestival von Locarno 1988. Ebenfalls in Locarno hatte im letzten Jahr Davies' neuer Film "The House of Mirth" nach dem Roman von Edith Wharton Premiere.

Spielfilm, Großbritannien 1988 (Distant Voices - Still Lives)
79 Minuten

Regie: Terence Davies

Darsteller: 
Mutter Freda Dowie
Vater Pete Postlethwaite
Eileen Angela Walsh
Tony Dean Williams
Maisie Lorraine Ashbourne
Micky Debi Jones
                                  

 

© 2001 Dieter Herchenbach