East Palace West Palace

A-Lan streift durch die Gärten des alten Kaiser-Palastes immer auf der Suche. Ja, selbst im kommunistischen China gibt es eine Cruising-Area. Der (hetero) Regisseur Zhang Yuhan zeigt eindringliche Bilder aus dem Land der Mitte und machte sich damit zu einer persona non grata. Die einzige Kopie dieses Werkes wurde auf abenteuerlichen Wegen außer Landes geschmuggelt und in Frankreich fertiggestellt. Der Film heimste mehrere Preise ein, während Zhang Yuhan unter Hausarrest stand. 
Doch zurück zu A-Lan: Der pendelt eben zwischen den beiden Toilettenhäuschen am Ost- und Westende des Parks hin und her; daher auch der Filmtitel. Der Polizist Shi nimmt ihn bei einer Razzia fest und verhört ihn. Dabei interessieren ihn vor allem die Details aus dem geheimen, schwulen Leben A-Lans. Angeekelt und fasziniert zugleich. Es entwickelt sich ein dramatisches, gewaltgeladenes Spannungsverhältnis zwischen den beiden Akteuren.

Bei einer Razzia in einem Park wird der homosexuelle Schriftsteller A-Lan festgenommen und anschließend von dem Polizisten Xiao Shi einem langen Verhör unterworfen. Schon bald wird deutlich, dass nicht nur polizeilicher Ermittlungseifer, sondern ganz persönliche sexuelle Neugierde den Polizisten leitet, dessen Opfer gleichfalls auf eine fatale Weise Gefallen an seinem Gegenüber findet. Je länger die Verhörsituation andauert, um so mehr vertauschen sich die Rollen. "East Palace, West Palace - Verhör im Dunkeln" ist ein psychologisch spannend inszeniertes Kammerspiel über das in China streng tabuisierte Thema Homosexualität.

In der chinesischen Sprache existiert bis heute kein offizielles Wort für Homosexualität. "East Palace" und "West Palace" kursieren daher als Code-Wörter für die östlich und westlich am Tianmen-Platz in Peking gelegenen öffentlichen Toiletten, die als Treffpunkte schwuler Subkultur von der offiziellen chinesischen Staatsdoktrin nur als "verabscheuungswürdig" bezeichnet werden. Mit einer Schar übereifriger Kollegen führt der Polizist Shi dort allabendlich Razzien durch. Schwule Pärchen werden mit der Taschenlampe im Gebüsch aufgestöbert und müssen zur Strafe stundenlang in der Hocke verharren. Eines Tages trifft Shi auf diese Weise den jungen schwulen Schriftsteller A-Lan wieder, der seine Homosexualität provozierend offen zur Schau stellt und den Polizisten damit irritiert und herausfordert. Shi nimmt den jungen Mann mit auf die Wache, um ihn einem langen Verhör zu unterziehen. Bereitwillig erzählt A-Lan seine Lebensgeschichte bis hin zu grotesken Umerziehungs-Maßnahmen. Schon bald wird deutlich, dass nicht nur polizeilicher Ermittlungseifer, sondern unterschwellige sexuelle Neugierde den Polizisten leitet, dessen Opfer gleichfalls auf eine fatale Weise Gefallen an seinem Peiniger findet. Je länger die Verhörsituation andauert, desto mehr steigern sich die beiden in ein sado-masochistisch gefärbtes Rollenspiel hinein, bei dem A-Lan schmerzlich unterdrückte Gefühle auf Seiten des scheinbar so linientreuen Polizisten zu wecken versteht...

"East Palace, West Palace - Verhör im Dunkeln" ist ein mit schmalem Budget entstandener chinesischer Underground-Film, dessen internationale Premiere 1997 in Cannes in Abwesenheit des Regisseurs stattfand, der keine Ausreiseerlaubnis erhielt. Das psychologisch nuanciert gestaltete und hervorragend gespielte Zwei-Personen-Kammerspiel ist ein faszinierender fernöstlicher film-noir abseits des offiziellen Kinos der VR China, nicht nur wegen seiner intensiven Shots von nächtlichen Schwulentreffpunkten und Polizeirazzien, sondern vor allem auch wegen seines Plädoyers für Toleranz und Achtung gegenüber Gefühlen, die nicht unbedingt gesellschaftlichen Normen entsprechen. 

Drama

Volksrepublik China 1996 

Buch: Wang Xiaobo, Zhang Yuan 
Musik: Xiang Min 
Original Titel: Dong Gong Xi Gong 
Regie: Zhang Yuan 

 

Darsteller und Rollen: 

Si Han (A-Lan)
Hu Jun (Shi Xiaohua)
Wang Quan (A-Lan als Kind)
Ye Jing (A-Lan als Jugendlicher)
Zhao Wie ("Bus")
Lu Rong (A-Lans Mutter) 

 

© 2000 Dieter Herchenbach