East is East - das Grauen vor dem Trauen

Neuer Brits-Film mit Pakis erobert die Herzen der Zuschauer.

Gedreht 1999, spielt er im Manchester Anfang der 70er. Das leicht zum Despoten neigende Oberhaupt der Familie Khan, George (Om Puri) wünscht sich nichts mehr, als seine Kinder (und es sind deren 6!) im Geiste des Islam zu erziehen: Als gute Pakistani im fremden Land der Briten. Doch die wollen lieber in die Disco und rumknutschen als in die Koranschule.

In seiner Abwesenheit futtern sie auch noch Schweinswürstchen. Inkonsequenterweise hat er eine Einheimische - Ella (Linda Bassett) - geheiratet, was ihm doch einige Schwierigkeiten macht. Nicht nur, dass sie seiner "Herrschaft" immer wieder Paroli bietet, deckt sie auch die ganz und gar verbotenen, nicht mit dem Islam zu vereinbarenden Aktivitäten ihrer Kinder. Und sie weiß auch, dass einer ihrer Söhne längst eine Freundin hat.

Zum ersten Eklat kommt es, als der älteste Sohn, Nazir, seine groß angelegte Hochzeit platzen lässt und in letzter Minute, vor versammelter Mannschaft, davon rennt. Klar, dass er fortan für den Vater gestorben ist und aus dem Haus verstoßen. Nur hinter dem Rücken hält die Mutter samt Kindern den Kontakt zu ihm und rückt wöchentlich zur Telefonzelle vor, um wenigstens Hallo zu sagen.

Wie sich herausstellt, entspricht der Sohn auch ansonsten nicht gerade Vaters Traumvorstellung von einem Respekt erweisenden Sohn: schließlich wird er nach seiner Flucht der Lover eines reichen Modezaren (mit Hund, versteht sich).

Doch auch die erste Pleite hält den Vater nicht davon ab, auch für den Zweit- und Drittgeborenen, Tariq (Jimi Mistri, bekannt aus Hamlet) und Abdul (Raji James), nach Auserwählten zu suchen - tatkräftig unterstützt vom Mullah der Gemeinde. Der auch prompt fündig wird: in der fest in Paki-Hand befindlichen Stadt Bradford alias Bradistan. Diesmal ist es der Vater, der hinter dem Rücken seiner Familie die Bilder der Söhne zu dem angeblichen Familienausflug mitnimmt. Und nachdem die Frauen von den Männern getrennt sind und auch die Söhne unter einem Vorwand aus dem Zimmer, werden diese prompt verhökert - an ein wahrhaft "traumhaft" aussehendes Ladenhüter-Geschwisterpärchen aus "treu islamistischen Hause". Was geht ihn, den Vater, schließlich das Leid seiner Söhne an. Ein guter Sohn hat nur eins: Respekt zu erweisen und zu gehorchen.

Das tut auch ein anderer Sohn nicht, Saleem (Chris Bisson) ist an der Uni und studiert, so meint zumindest der Vater. Ingenieurwesen, doch bastelt er mit Wissen seiner Mutter und Geschwister an seiner Karriere als Künstler. Den ganzen Film hindurch ist er beschäftigt, seine Meisterskulptur fertig zu stellen. Und sie wird es auch und die Vorführung ist genau auf den Tag geplant, da die Familie der ausgewählten Schönheiten bei den Khans zu Besuch ist - und sorgt prompt für eine nicht geplante Überraschung!

Der jüngste Sohn Sajid (Jordan Routledge), der auch etwas hat, was mit dem Islam nicht vereinbar ist, hat es da leider nicht so gut. Seine nach der Geburt vergessene Beschneidung muss nun noch im Alter von 10 (?) prompt nachgeholt werden - und bitte nur in diesem einen Fall darf der Täter auch ein ansonsten verfeindeter Inder sein!

Mal gut, dass diesmal schließlich alle Betroffenen gegen den Vater sind. Sie können sich zwar zunächst nicht durchsetzen bzw. werden zur Ordnung geprügelt (wahrlich! selbst die Mutter wird verprügelt!) Doch unterstützt von der im Laden der Khans arbeitenden Nachbarin Stella (Emma Rydal) platzt der gesamte Vorstellungstermin der Schönen samt hyperkorrekter Mutter und die 4 ziehen unverrichteter Dinge wieder ab.

Ende gut, alles gut. Doch ist der Film eben weit mehr als eine Ethno-Komödie, sie schildert eindrucksvoll das Drama von Einwandererkindern, die von Babybeinen an, hier sogar schon von der Muttermilch, die Kultur ihres Gastgeberlandes aufgesogen haben und dennoch nicht aus vertrauten Kreisen ihrer Landsleute ausbrechen sollen oder damit leben müssen, dass die Community und vor allem auch die eigene Familie sie verstoßen.

Der Film schildert aber ebenso die Tragik der älteren Einwanderergeneration, die bestrebt ist, an den aus der Heimat überkommenen und ihnen eingebläuten Tradition festzuhalten und dafür unter Umständen gar den Zorn und stummen Protest der gesamten Familie auf sich zu nehmen.

Insofern ist hinter der Fassade einer nicht selten komischen Familie auch ein Stück Kulturgeschichte der Menschheit erzählt.

Die deutsche Synchronfassung ist nunmehr auch auf DVD von EuroVideo zu haben und kann über diesen Link bei amazon bestellt werden.

Technische Angaben zur DVD

Sprache: Englische OV und Deutsche Synchronfassung (Dolby Digital 5.1), keine UT

Bildformat: 16:9 Vollformat

Extras:

- Geschnittene Szenen
- Interviews
- Hinter den Kulissen
- Audiokommentar von Regisseur Damien O'Donnell
- Filmografien der wichtigsten Darsteller

Ethno-Einwanderer-Drama und Komödie in Einem

Großbritannien 1999

Regie: Damien O'Donnell

Verkaufsstart DVD: 11. Januar 2001

Darsteller und ihre Rollen

Die KHANs:
Om Puri .............. George
Linda Bassett ...... Ella
Ian Aspinall ......... Nazir
Jimi Mistri ............ Tariq
Raji James ........... Abdul
Jordan Routledge ..Sajid
Archie Panjabi ..... Meenah
Emil Marwa ......... Maneer
Chris Bisson ....... Saleem
weitere
Emma Rydal ........ Stella Moorhouse

 

 

© Dieter Herchenbach & Dirk Carius