Don't ask - don't tell

Tipp für Schwule

 

Also, es gibt so Filme, da weiß man eigentlich nicht, was man davon halten soll. Oder noch besser, man möchte am liebsten rausrennen. Andererseits hat der Film einen Preis gewonnen (Best Feature Award - Boston Underground Film Festival) und das als "eine absolut lustige Schwulen-Komödie" - womit ja auch auf dem DVD-Cover geworben wird. Also vielleicht wird es ja noch?

Nun, zumindest für mich wurde gar nichts, ich habe mich wirklich gefragt, warum ich mir das Ganze antue. Alle Anspielung und sicher beabsichtigte Persiflierung des in der US-Army seit Jahren praktizierten Systems "Keine Fragen - Keine Statements", will heißen: So lange man seine sexuelle Identität den anderen nicht auf die Nase bindet, geht das keinen was an und man kann weiter Soldat in der Army sein / bleiben.

Und was macht der Film daraus? Nun, er dreht den Spieß um - dergestalt, dass die Erde mehr und mehr verschwult ist, dass sogar das Militär schon in Einsatz gebracht wird, um beim letzten Abschiedskonzert von Barbra Streisand einen Schlag gegen das "gefährliche" Auditorium zu fliegen. (Mal wirklich witzige Ausnahme: es stellt sich heraus es ist nicht ganz das letzte, das nächste ultimative Abschiedskonzert findet leider erst drei Wochen später statt.) Wie gut, dass die diesen Zustand herbeigeführt habenden Aliens immer ein wachsames Auge haben und die beiden Flugzeuge kurzerhand zum Absturz bringen.

Einer der beiden abstürzenden Piloten, zugleich führender Mitarbeiter im Geheimprojekt gegen die Verschwulung, heißt Fartin (in der deutschen Fassung Entsprechung Furzen - was natürlich jeder so ausspricht, wie es da steht, und keiner hält sich an die angeblich französische Betonung auf der zweiten Silbe). Und eben jenen wählen die Aliens zu einer Umoperation aus. Ja und überhaupt diese Aliens, kommen vom schwulen Uranus und sind gesamten Universum unterwegs, um ihre Sexgenossen in aller Welt vor Übergriffen zu schützen. Und wie die aussehen! Mit - wie sich herausstellt - angemalten Tennisbällen als herausnehmbaren Augen!

So weit so schlecht. Der umoperierte Fartin, zuvor ein Stecher vor dem Herren, der es seiner Frau Tag und Nacht ordentlich besorgt hat, kommt zurück in seine Kaserne. Die Untersuchung durch den Arzt bringt es aber schon an den Tag: er ist schwul. Was natürlich seine Frau nicht glauben will und alles versucht, die gesamte Mannschaft eines Besseren zu belehren. Wozu sie auch vom Militär beauftragt wird. Schließlich ist die große Frage: kann es musterhaft gelingen Fartin noch einmal umzupolen oder wird die gesamte Erdbevölkerung homosexualisiert?

Schon der Abriss der Story klingt hoffentlich nicht sehr verlockend, auch der Film selbst ist grotten... Also wirklich! Ich meine, dass er in Schwarzweiß daherkommt, insofern das Cover einfach nur irreführend ist - aber wie will man sonst einen neuen Film in Schwarzweiß vermarkten? Und dann die Tonspur / Szenenton. Die Szenen im Flugzeug, als sich die Leute unter ihren Pilotenmasken unterhalten oder am Telefon sind einfach nicht zu verstehen. Authentizität hin und her, aber wenn ich nur raten kann, was hier passiert sein soll, ist das schon komisch, nicht?! Das betrifft allerdings den deutschen wie den englischen Originalton, insofern haben sich die Synchronisateure wohl nur an die Vorgabe gehalten. Dem Verständnis des Filmes ist damit kein Gefallen getan. Allerdings: muss ich das auch alles verstehen?

Eine vielleicht noch interessante Frage, auf die ich aber keine Antwort finden konnte, wäre die, ob der Film von 2002 nicht einfach nur ein verschwultes Remake eines alten Filmes mit nur einigen hineingedrehten schwulen Elementen und eben einer neuen Vertonung ist. Passen würde das ja, nur hebt das nicht wirklich die Qualität des Filmes.

Zu den in einem solchen hineingedrehten Elemten gehörte dann die transsexuelle, mit Fisthandschuhen zum Abtasten der Prostata bewaffnete Krankenschwester, die in Personalunion auch gleichzeitig den ebenso per Blitzschlag verschwulten Sheriff der Stadt spielt. Gegen eine solche Remake-Annahme sprechen allerdings die Angaben zum Film, die keinen Bezug auf eine ältere Vorlage samt ihrer Produzenten, Regisseure usw. nimmt.

Die DVD kommt mit deutschem und englischem Ton, einem Audiokommentar, dem Trailer, einem Musikvideo sowie einem Bonusfilm "Killer from Space", der allerdings die Besprechung auch nicht mehr retten kann. Erschienen ist sie beim Label EuroVideo, die sonst solch durchweg zu empfehleden Sachen rausbringen wie Die Manns, Die Erika-und-Klaus-Mann-Story.

Wer die DVD dennoch kaufen will, kann dies hier bei Amazon tun.

Satire

USA 2002
Originaltitel: Don't ask don't tell

Regie: Doug Miles

Verkaufsstart DVD: 17.02.2005

Darsteller:

Peter Graves ("Mission: Impossible), Greg Roman, Lloyd Floyd, Rosa Rugosa, Mike McCurry 

 

© 2008 D. Carius, GayStation