Circuit

Nur wer mit der Gay-Party-Szene in Amerika vertraut ist, wird mit dem Titel was anzufangen wissen. Die Circuit-Parties sind die angesagtesten Szenefestivitäten, die an wechselnden Standorten stattfinden und ähnlich wie bei uns die heißesten Partytypen, die sich nur dort richtig in Szene setzen können, magisch anziehen und den idealen Rahmen für ihre Performances bieten. Insofern ist dieser Film vor allem auch ein Film fürs Auge, das ja bekanntlich auch mitisst und - würde ich mal sagen - voll auf seine Kosten kommt.

Dieser Film nun ist eigentlich ein Spielfilm und ein Dokumentarfilm in einem, ja das Drehen des Doku-Films wird sogar im Film thematisiert bzw. miterlebt. Filmemacher Tad Sawyer (im Film verkörpert von Daniel Kucan) wirft einen Blick hinter die Kulissen der Party-Boys und der Partys, befragt zu ihren Ansichten vom Leben, von Feiern, ihrer Beziehung zu ihrem Körper und zu anderen.

Der Spielfilm erzählt die Geschichte des Kleinstadt-Cops John (Johnathan Wade Drahos in seiner bislang einzigen Rolle), der in Illinois bei einem nächtlichen Einsatz unbeabsichtigt geoutet wird, woraufhin man ihm nahe legt, doch den Umzug in eine "besser zu seinem Lebensstil passende Umgebung" ins Auge zu fassen. John geht daraufhin nach Los Angeles, wo er zunächst bei einem alten Freund, Gill (Brian Lane Green) unterkommt. Dessen Freund, eben jener Filmemacher Tad, hat sich nach sieben Jahren einen Anderen geangelt, den schwarzen Szene-DJ Julian (Darryl Stevens, auf der Rückseite des Covers im Bild ganz links), der offensichtlich nur für seine Musik lebt, ansonsten wenig zu sagen und zu anderen Betätigungen eine völlig negierende Meinung hat. (Wohl berechtigterweise fragt ihn sein Ex-Lover, was er an diesem Kerl gefunden zu haben glaubt.)

Bereits auf der ersten Party lernt John den Stricher Hector (Andre Khabbazi, im nebenstehenden Cover auf dem oberen Bild, spielt auch in der US-Serie Sunset Beach mit) kennen, der ihn für einen vermeintlichen Konkurrenten hält. Als John ihn des Gegenteils versichert, relaxt er, ganz Partyboy, und bietet auch John von seinem Aufputschmittel an. Auch wenn John ihn hier abblitzen lässt, ist er doch irgendwo von ihm fasziniert oder angezogen und so laufen sich die beiden immer wieder über den Weg. Hector lebt nach der Devise "Du bist nur einmal jung und hübsch, nur ein paar goldene Jahre" und nimmt neben Aufputschmitteln auch Steroide, um seinen Prachtkörper für sich (und seine Kunden?) in Form zu halten. Selbst Schönheits-OPs sind nur eine Frage des Geldes bzw. Sponsors. (Letzteren findet er u. a. im Organisator der L.A.-Circuit-Parties Gino (William Katt).

Hector hat offensichtlich auch mehr für John übrig und macht es sich zur Aufgabe, dessen Erscheinung aufzumöbeln: neue Klamotten, angesagte Musik, Workout zur gezielten Muskelproduktion und immer wieder Partys. Über kurz oder lang probiert auch John zunächst von diesem (eine Steroidspritze in den geilen Arsch), dann von jenem (zunächst die leichten, dann immer schwerere Partydrogen). Ja, und wird so zum richtigen Circuit-Boy. Am Abend der Green Party (der ganze Film ist von den im Farbcode gehaltenen Partys durchzogen) lässt sich John gar als Bottom für Hectors Auftritt bei einem Kunden, der nur zugucken will, gewinnen und ist danach ziemlich neben sich.

Die zwischenzeitlich bei ihm eingezogene ehemalige Schulfreundin Nina (Kiersten Warren) zieht bei ihm aus, nachdem er im Rausch ihren Kater (der zugegebenermaßen sich vorher an seinen Kanarienvögeln gütlich getan hat) fast umbringt. Ihr Appell "Du ruinierst deinen Körper und dein einziger Gedanke ist, wann die nächste Party ist. Ich werde nicht hier sitzen und zusehen" dringen jedoch nicht zu ihm durch. Erst als ihn sein Freund Gill, den er, im Nachrausch vereinsamt, frontal anmacht, ihn im Kalten stehen lässt stehen lässt und er, als Tad ihn für seine Doku interviewt, keine zwei zusammenhängenden Worte mehr herausbringt, macht es bei ihm Klick und in der Folge fängt er sich wieder. Oder soll man sagen, fangen ihn die nicht weniger leckeren Arme von Gill?

In einer Nebenhandlung geht es um den AIDS-kranken Showstar Bobby Rocks (Paul Lekakis), der seinen Schwanz vor jeder Show mit einer Spritze auf Größe bringt. Dieser konnte nur dank Clubbesitzer Gino groß rauskommen und trotz AIDS-Erkrankung eine Krankenversicherung kriegen. Im Gegenzug spekulierte Gino auf eine schnelle und große Rendite durch Abschluss einer Lebensversicherung auf Bobby. Als bei diesem nach einer neuen Therapie die Viruslast kaum noch nachweisbar ist, will er Hector, im Austausch für das Bezahlen einer fälligen Schönheits-OP, zu seinem unwissenden Werkzeug machen, sein Investment wirklich noch zu vergolden. Doch es kommt alles anders ...

Wie schon gesagt, bietet der Film schon allein fürs Auge viel, den ganzen Film über. Auch die Spielfilmhandlung ist alles andere als platt, und durch die in den Film verwobene Doku-Arbeit bekommt man einen tieferen Einblick in die Welt der Zeig-dich-Partys mit all den geilen muskelbepackten, geilen Typen mit all ihren Exzessen, Drogen und eben aber auch Einsätzen der SMH, die Einzelne vor dem Ende der Party wegkarren müssen. Insofern eine echte Empfehlung.

Vertieft und aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet werden die Parties in der zweiten, separat erschienen Doku "When Boys Fly", die bei pro-fun erschienen ist.

Circuit ist bisher nur als Region-1-codierte Version verfügbar und nur auf code-freien DVD-Spielern abspielbar. Neben dem Film (nur in Englisch, keine Untertitel) bietet die DVD den Kinotrailer, nicht verwendete Szenen sowie die Trailer zu drei weiteren Produktionen aus dem Hause TLA-Releasing.

Drama

Regie: Dirk Shafer
Drehbuch: Gregory Hinton & Dirk Shafer
USA 2001

Darsteller und Rollen:

Johnathan Wade Drahos......John
Brian Lane Green................Gill
Daniel Kucan......................Tad Sawyer
Andre Khabbazi...................Hector
Kiersten Warren..................Nina
Paul Lekakis........................Bobby Rocks

                                                            

 

© 2004 D. Carius, GayStation