Bobby

Der Down-Syndrom-Patient Bobby möchte nach dem Tod der Mutter gerne bei seinem schwulen Bruder leben.

Bobby sucht nach dem Tod seiner Mutter innerhalb seiner Familie ein neues Zuhause. Am liebsten würde er bei seinem Bruder Jojo einziehen. Aber Bobby hat das Down-Syndrom und Jojo liebt Männer.

Ausgerechnet an ihrem 60. Geburtstag stirbt Benita Kustermann. Für die Familie ist das ein Schock, für den Sohn Bobby eine Katastrophe. Bisher hatte sie sich um ihn gekümmert, da Bobby, wie er sagt, "nur 21 Chromosomen", sprich das Down-Syndrom, hat. Am liebsten würde er zu seinem Bruder Johannes "Jojo" und dessen Lebensgefährten Marc ziehen, die ihn auch zu sich holen wollen. Doch dann schaltet sich "Nanni", Bobbys Schwester, ein, die es für vernünftig hält, dass ihr Bruder in "geregelten" Familienverhältnissen lebt, also in ihre Familie zieht. Benitas Testament hält für alle eine Überraschung bereit. Derjenige, der Bobbys Vormundschaft erhält, bekommt 1,2 Millionen Mark. Auf einmal ist selbst Nannis Mann Klaus von der Idee, Bobby zu pflegen, angetan. Der Kampf um das Sorgerecht beginnt, und wie erwartet geht die Vormundschaft zunächst an Nanni und Klaus. Jojo und Marc geben jedoch nicht auf. Sie bekommen Unterstützung von Rosi, einer Freundin der Familie, die in Klaus keinen guten Vater sieht. Sie engagiert sich mit Herz und Seele für Bobbys Zukunft und nicht zuletzt durch ihre Stelle beim Jugendamt könnte sich alles zum Guten wenden.

Die Regisseurin Vivian Naefe drehte das Familiendrama, das auf einer wahren Geschichte beruht, über die immer noch tabuisierten Themen Behinderung und Homosexualität mit Feingefühl und moralischem Anspruch. Nicht zuletzt dank der hervorragenden Besetzung ist es ihr geglückt, ein gesellschaftspolitisches Thema populär zu erzählen.

Vivian Naefe, eine der profiliertesten Regisseurinnen Deutschlands, realisierte die Entführungsgeschichte "Meine Tochter gehört mir" (1992), "Man(n) sucht Frau" (1994), den Zweiteiler "Eine ungehorsame Frau" (1998) mit Veronica Ferres und die Komödie "Frauen lügen besser" (1999). Ihr Spielfilm "Einer geht noch" (ARTE, 24.11.2000) wurde 2001 in drei Kategorien mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Vivian Naefe ist darüber hinaus Dozentin an der Filmakademie Ludwigsburg, der HFF München und der Universität Mainz sowie stellvertretende Vorsitzende des Hochschulrates der HFF München.

Die Autorin Gabriela Sperl, promovierte Historikerin, ist bekannt geworden durch den Mehrteiler "Dr. Schwarz und Dr. Martin" (1992) und durch das Drehbuch des für den Grimme-Preis nominierten Films "Wer Kollegen hat, braucht keine Feinde" (1995) von Martin Enlen. Seit vielen Jahren ist sie im Bereich der Nachwuchsautoren-Förderung tätig.

Veronica Ferres ist seit "Das Superweib" (1996) von Sönke Wortmann ein gefeierter Star. Besondere Aufmerksamkeit erregte sie in "Rossini" (1996) von Helmut Dietl, "Eine ungehorsame Frau" (1997) von Vivian Naefe, "Les Misérables" (1999) von Josée Dayan und "Die Manns - ein Jahrhundertroman" (2001, ARTE, 05. 12. 2001) von Heinrich Breloer. Bei den Salzburger Festspielen 2002 und im Residenztheater München stand sie außerdem auf der Bühne.

Markus Knüfken erhielt seine Ausbildung am Schauspiel München. In den 90er Jahren avancierte er vor allem durch Auftritte in Fernsehfilmen wie "Drei Tage im April" (1994, ARTE, 06. 06. 1997) von Oliver Storz oder "Das Paar des Jahres" (1997, ARTE, 09. 05. 2000) von Olaf Kreinsen zum renommierten deutschen Schauspieler. 2000 war er in der Hauptrolle von Mark von Seydlitzs "Models" zu sehen, momentan arbeitet er an "Gott ist tot" von Kadir Sözen.

Bobby Brederlow konnte bei den Dreharbeiten auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Vor zehn Jahren starb seine Mutter und es stellte sich für ihn die Frage nach dem Sorgerecht. Seit 1997 ist er schauspielerisch aktiv. Für seine Darstellung in "Liebe und weitere Katastrophen" (1999) von Bernd Fischerauer bekam er den Goldenen Gong und den Bambi. 

Drama
Deutschland 2001



Darsteller und Rollen:

Veronica Ferres (Rosi Huber), Markus Knüfken (Johannes "Jojo" Kustermann), Bobby Brederlow (Bobby Kustermann), Steffen Groth (Marc Heiter), Hansa Czypionka (Klaus Wilde), Margret Völker (Hannelore "Nanni" Wilde), August Schmölzer (Rechtspfleger Herbert Ettschlager), Otto Kukla (Trucker Karli), Fred Stillkrauth (Hans Huber), Sophie Pflügler (Marie Wilde), Karlheinz Hackl (Dr. Steiner) 

 

© 2002 Dieter Herchenbach