Bob & Rose

Vom Autor der ebenso erfolgreichen wie seinerzeit skandalträchtigen britischen schwulen Fernsehserie Queer as Folk stammt auch diese eher kurze Serie, die ab Sommer 2002 im britischen Fernsehen lief.

Worum geht es? Lehrer Bob (Alan Davies) ist schwul, allerdings derzeit ohne Freund, da für ihn Treue nicht nur ein Wort ist. Auch ONS sind nicht so sein Ding, und so ist das Einzige, was ihm bleibt und was er genießt seine Freundin und Lehrerkollegin Holly (Jessica Stevenson). Und seine Ausflüge in die Schwulenszene in Manchesters Canal Street. Als er wieder einmal von dort unterwegs nach Hause und auf der Suche nach einem Taxi ist, trifft er auf die ebenso ein Taxi suchende Rose (Lesley Sharp). Und da kein Taxi kommt, kommen zumindest die beiden ins Gespräch. Ja, und Rose findet das offensichtlich so nett und beeindruckend, dass sie gleich am nächsten Tag auf Suche nach dem ominösen Fremden der vergangenen Nacht geht. Und kurvt so - rein zufällig - vor Bobs Haus rum, als der von Arbeit nach Hause kommt.

Aus irgendeinem Grunde findet auch er Rose nicht unsympathisch und lädt sie - ohne jegliche Hintergedanken - zum Essen ein. Wie gedankenlos! Das muss eine Frau doch als Vorspiel für mehr auffassen, und Rose tut es auch und ist völlig aus dem Häuschen, als sich ihr offenbart, dass Bob nicht dies im Sinne hatte, als er seine Einladung vorbrachte. Für ihn stimmte neben beiden einfach die Chemie, er fühlt sich locker und frei und kann mit Rose - wie mit Holly - von der Leber weg über alles reden, was ihm so einfällt. So weit, so gut. Doch nun kommt der eigentliche Knaller, an dem sich dann logischerweise auch die Geister erhitzen: Denn nunmehr ist es Bob, der einen Sinneswandel durchmacht und mit einem Mal als Schwuler doch mehr von einer Frau will als nur eine Schwulenmutti.

Es fängt an, als Rose nach einer Nacht im Pub bei ihm nächtigt, aber eigentlich nur das Bett teilen soll: er bekommt einen Steifen und ein andermal wird aus einem einfachen Verabschiedungsküsschen ein leidenschaftliches Münderschlingen. Und so schlittern die beiden denn richtig in eine Art Beziehung mit allem Drum und Dran. Der Haken dabei ist, dass Rose ja eigentlich mit Andy (Daniel Ryan) liiert ist, einer etwas bescheidenen Dumpfbacke von Nachtwächter, der sich aber trotzdem nach Strich und Faden bemüht, es seiner Rose recht zu machen, auf dass sie doch bei ihm einziehe. In diesen Anstrengungen wird Andy auch tatkräftig von Roses Mutter Carol (Barbara Marten) unterstützt, die ihre neue Flamme Trevor (Dave Hill) lieber heute als morgen bei sich einziehen sähe. Sich ihrer Sache mit / bei Bob auch noch keineswegs sicher, lässt sich Rose schließlich auch darauf ein - um dann am Morgen des Umzugs vor Andys Tür auszubüchsen.

Sie kehrt, zum Leidwesen ihrer Mutter und Trevors, in ihr angestammtes Zimmer in Mutters Haus zurück und den beiden mächtig auf den Wecker. Wenn sie denn mal da ist, denn die meiste Zeit bringt sie eh mit Bob zu, und so wird es denn Zeit, dass die beiden ihre ungewöhnliche Beziehung auch ihren Freunden näher bringen - und ihren Eltern. Und alle Seiten sind selten begeistert, sobald sie denn die volle Wahrheit kennen. Denn irgendwie kommt beim ersten Vorstellen immer etwas dazwischen, so dass die ganze Wahrheit (Schwuler liebt Heterogirl) erst nach und nach ans Licht kommt. Neugier wird natürlich allseits erweckt, bei den meisten auch Misstrauen, und im Falle von Bobs bester Freundin Holly auch richtige Eifersucht. Schließlich hat sie schon unzählige Abende geopfert und war jahrelang Bobs Schulter zum Ausheulen und sein Ohr für die neusten Erlebnisse und Avancen. Und jetzt soll sie leer ausgehen? Womit wir dann wieder die klassische Dreiecksgeschichte hätten Holly sich einiges einfallen lässt, um die beiden nicht weiter voranschreiten zu lassen (um nicht zu sagen auseinander zu bringen).

Äußerst begeistert ist auch Bobs Mutter Monica (erstklassig gespielt von Penelope Wilton). Nach dem Coming out ihres Sohnes hatte sie sich nach anfänglichen Problemen voll der Sache verschrieben und es zwischenzeitlich zur Präsidentin der Manchester Zelle der englandweiten PAH - der Elternorganisation von Schwulen und Lesben gegen Homophobie (Parents Against Homophobia) gebracht, eine aufopferungsvolle Tätigkeit, die nur von keinem, nicht mal ihrem eigenen Sohn, richtig anerkannt wird. Und nun bringt der auch noch eine Freundin nach Hause!!! Neben diesem Schock bringt das Ganze auch die seit langem schwelenden Probleme zwischen den Eheleuten an die Oberfläche, ja führt sogar dazu, dass sich die beiden kurzweilig trennen. Und bei Bobs Vater gewinnt der alte Gedanke wieder die Oberhand, dass es sich bei Bobs Schwulsein doch nur um eine Phase gehandelt hat ...

Insofern ist auch das Echo, das die Serie in Großbritannien gefunden hat, durchaus geteilt. Viele Schwule konnten ihr offensichtlich wenig abgewinnen. Auch wenn viele durchaus sehr gute Beziehungen zu Frauen haben, diese nicht selten auch "beste Freundinnen" sind, geht das ganze doch in keinem Falle so weit, dass sie - wie Bob im Film - Liebe für sie empfinden, mit ihr ins Bett steigen und fortan, getreu dem Hetero-Cliché des treuen Ehemanns, jeglichen anderen sexuellen Aktivitäten abschwören. Auf der anderen Seite macht gerade der fallende Schwule die Serie und die Figur des Bob für das Mainstream-Publikum akzeptabel, nähert er sich doch damit ihren Vorlieben und Verhaltensmustern an.

Als Kompromiss geht Bob auch der schwulen Gemeinde nicht verloren, geht er doch, schon mit Rose liiert zum jährlichen von seiner Mutter organisierten Aktionstag der PAH, kettet sich mit ihr zusammen an einen vorbeifahrenden Bus eines den Manchester Stadtverkehr beherrschenden Busunternehmens und wird vor laufender Kamera von ihr als das geoutet, was er ist: ein schwuler Sohn, der mit einer Frau zusammen lebt.

Wie so oft in britischen Filmen, so sind auch in dieser Serie alle Figuren ganz einfache Leute, die jedermanns Nachbarn sein könnten. Weder zeichnen sie sich durch exponierte berufliche Stellung, durch Reichtum, noch durch besondere Schönheit aus - was sie wohl massentauglich machen soll, so dass sie möglichst viele ansprechen. Ob das für das schwule Publikum auch zutrifft, ist mir leider nicht bekannt. Alles in allem ist die Serie nicht unamüsant zu gucken, doch von ihrer Handlung her vielleicht gar nicht ungefährlicher Tobak. Aber mag das jeder selbst entscheiden ...

Eine ausführliche Inhaltsangabe der einzelnen Episoden sowie Hintergrundberichte samt weiterer Informationen zu den Darstellern wie den Regisseuren und Drehbuchautor Russell T Davies finden sich auf der Seite der Produktionsfirma Red Productions.

Bei Amazon kaufen als englische Original-DVD [UK IMPORT], die zur Erleichterung des Verständnisses mit englischen Untertiteln daherkommt.

Britische Fernsehserie

6 Episoden á 45 Minuten

Regie: Julian Farino, Joe Wright
Drehbuch: Russell T Davies
Großbritannien 2002

Darsteller und Rollen:

Alan Davies ...........Bob Gossage
Lesley Sharp ..........Rose Cooper
Jessica Stevenson ...Holly Vance
Daniel Ryan...........Andy Lewis
Penelope Wilton .....Monica Gossage (Bobs Mutter)
Barbara Marten ......Carl Cooper (Roses Mutter)
Dave Hill ........ Trevor Gadds

© 2004 D. Carius, GayStation