Blueberry Hill

Belgien - Ende der fünfziger Jahre. - Der 17jährige Robin (Michael Pas) hat es nicht leicht. Laufend hat er Ärger: mit den Eltern wegen schlechter Zensuren; wegen der prüden und autoritären Erziehungsmethoden in der konfessionellen Berufsschule St. Josef. Zudem hat er Liebeskummer wegen der koketten Cathy (Babette Van Veen), aber seine Freunde Rudy (Oliver Windross) und Jeannie (Hilde Heynen) geben ihm immer wieder Halt. In der Schule gelingt es der Lehrerin Claessens (Myriam Meszières), sich mit ihrer offenen Art und unkonventionellen Ansichten den Respekt der Schüler zu sichern; sehr zum Entsetzen des Schulleiters (Frank Aendenboom), der um seine Autorität fürchtet und ebenso Anstoß daran nimmt, dass seine Kollegin auch noch in einer anrüchigen Kneipe verkehrt.
Um sich auf das Abschluss-Examen vorzubereiten, steigen Robin und seine Klassenkameraden nachts ins Schulsekretariat ein und mopsen die Prüfungsaufgaben. Nur der kleine Eddy (Gert Nevens) - vom Schulleiter wegen seiner sensiblen Art nur "Fräulein" genannt und schikaniert - wird erwischt. Das gnadenlose Verhör lässt den Jungen zusammenbrechen und sich das Leben nehmen. Beim Trauergottesdienst verhindern die Schüler den Versuch, Eddys Tod als Unfall zu deklarieren. Für Robin ist die Schulzeit beendet: Er muss zum Militär und nimmt am Hafen Abschied von der wiedergewonnenen Cathy.

Eine Liebesgeschichte aus den Fünfzigern nannte Autor und Regisseur Robbe De Hert (geboren 1942) seinen Spielfilm "Blueberry Hill", der zahlreiche autobiographische Züge trägt: Schließlich hat der Filmheld auch seinen Namen. De Hert schildert eigene Erfahrungen; die zaghaften Aufmüpfigkeiten eines Halbwüchsigen, der die Lehrer mit ihren Ansichten von vorgestern haßt und sich für James Dean ("Denn sie wissen nicht, was sie tun"), Rock'n'Roll ("Rock around the clock"), Tanz und schöne Mädchen begeistert. Aber die fetzige und in Details sehr originelle Teenager-Story hat auch sozialkritische Aspekte, die durch die nostalgischen Ohrwürmer und Pennäler-Abenteuer keineswegs überdeckt werden. De Herts Erfahrungen mit verklemmten Erziehungsmethoden, die die Erörterung von Lebensfragen be- oder gar verhinderten, werden in Randepisoden höchst eindringlich wiedergegeben: der kleine Eddy, der mit seiner Sexualität nicht zu Rande kommt; die Lehrerin Claessens, die mit ihrer freidenkerischen Lebenseinstellung ständig aneckt; die Schulkameraden, die ihre Erfahrungen in einer Schwulenkneipe machen.

Belgischer Spielfilm von 1989

© 2000 Dieter Herchenbach