Besuch aus Sizilien 

Nach 15 Jahren stehen sie ohne Vorankündigung vor der Tür des 40-jährigen Thomas in Paris: Drei alte Freunde aus Sizilien, die über diese lange Zeit nichts von ihm gehört hatten. Die durch einen Schicksalsschlag niedergedrückten Freunde treffen aber nicht denselben Thomas wieder, den sie einst in Italien kennen gelernt hatten. Alles hat sich von Grund auf verändert...

Sie waren vier Freunde, plötzlich sind sie nur noch zu dritt. Einer von ihnen starb in Sizilien an den Folgen eines tragischen Autounfalls... 15 Jahre zuvor hatte Thomas, ein junger französischer Regisseur, die vier Freunde Enzo, Salvo, Gianni und Antonio, zum Thema seines Dokumentarfilms über Sizilien gemacht. Er wurde ihr Freund, gewissermaßen ihr Bruder aus Paris, so etwas wie ein fünfter Musketier. Nach dem Tod von Enzo entschließen sich die drei niedergeschlagenen Freunde nach Paris zu gehen, um Thomas wieder zu treffen und den Film ihrer Jugend noch einmal zu sehen. Aber Thomas hat sich verändert... zehn Jahre lang hatte er all seinen Ehrgeiz als Regisseur allein dazu verwendet, um gegen den Aidsvirus und das Bewusstsein seines sich unweigerlich nähernden Todes zu kämpfen. Dann beginnt die Dreifach-Therapie... ein Hoffnungsschimmer, der sich zeitgleich mit der Ankunft seiner sizilianischen Freunde abzeichnet. Sie rufen eine Vergangenheit ins Leben, die Thomas bereits vollständig verdrängt hatte. Die drei Freunde wollen ihm helfen, mit sich selbst wieder ins Reine zu kommen, ihn dazu bringen, sich den verschiedenen Facetten seiner Persönlichkeit, die er eher voneinander abzuschotten versuchte, als sie in ihrer Komplexität zu akzeptieren, wieder zu stellen. Er soll sich mit den widersprüchlichen Seiten seines Charakters auseinandersetzen.

"Besuch aus Sizilien" erzählt von vielen Dingen: von Freundschaft, von vergangenen Zeiten, von Abschied und Wiedersehen. Es geht um einen sowohl freundschaftlichen als auch trickreichen Kampf. Zwei völlig verschiedene Wertesysteme stehen sich scheinbar unvereinbar gegenüber. Es ist ein leichter Film, der schwerwiegende Dinge behandelt, eine Komödie.

Vincent Martorana, der Regisseur von "Besuch aus Sizilien", führte bei dem französischen Kurzfilm "Ragazzo" (1983) Regie und schrieb zusätzlich dessen Drehbuch. 1991 drehte er seinen ersten Spielfilm "Les faux-frères" und danach realisierte er mehrere Dokumentarfilme, darunter "Retour en Sicile" (1998) für France 3.

Pierre-Loup Rajot, hier der an Aids erkrankte Regisseur Thomas, war bereits in 28 verschiedenen Spielfilmen bzw. TV-Serien zu sehen und verkörperte nicht selten eine der Hauptrollen. Zuletzt übernahm er in den Komödien "Drôle de Felix" (2000), "Voyous voyelles" (1999) und in Catherine Corsinis "Die neue Eva" (1999) den Hauptpart. In dem Drama "La bicyclette bleue" (2000) trat Rajot als Fiaux auf.

Drama
Frankreich 2000
85 Min.
(Signes de vie)


Regie: Vincent Martorana
Buch: Vincent Martorana, Nathalie Vailloud
Kamera: Isabelle Razavet
Schnitt: Anne Klotz
Ton: Olivier Mauvezin
Kostüme: Virginia Vogwill
Produktion: Moviemento Films

Mit:
Pierre-Loup Rajot
(Thomas),
Roberto Attias (Gianni), 
Marcello Mazzarella
(Salvo),  
Fabio Sartor
(Antonio), 
Félicité Wouassi
(Josephine),
Serge Dupire (Jacques), 
Christoph Huysman
(Pierre),
Christoph Chaplin (Nicolas)
                                        

 

© 2001 Dieter Herchenbach