Beau Travail

  

Wenn Fremdenlegionäre in all ihrer Männlichkeit in einem Film zur Schau gestellt werden, ist das durchaus auch 'was für's schwule Zielpublikum... ;-)

Ja, damals, früher, da war alles - anders, besser oder eben: schöner; der Protagonist von BEAU TRAVAIL sitzt in Marseille und erinnert sich. Sgt. Galoup war Chefadjudant der französischen Fremdenlegion, stand mit seiner Gruppe über Jahre im Ostafrikanischen Djibouti im Einsatz. Das Leben war simpel, spartanisch - und vor allem geordnet.
Körperkraft und inszenierte Sinnlichkeit packt BEAU TRAVAIL auf die Leinwand und das Erstaunlichste daran ist, dass nicht ein Mann, sondern die Französin Claire Denis Regie führte. Ihr Legionsfilm strotzt vor Männlichkeit. Dringt ein in eine Welt, die Frauen normalerweise verborgen bleibt. Das Leben im Camp ist hart - Denis hats ohne grosse Dialoge, doch mit Verve auf die Leinwand gepackt.

Claire Denis ließ sich von Hermann Mellvilles Roman "Billy Budd" zu BEAU TRAVAIL inspirieren. Sie hat Carax'-Liebling Denis Lavant, Altstar Michel Surbor und den bildhübschen Grégoire Colin in die Hauptrollen gesteckt; BEAU TRAVAIL ist die packende Ode einer Frau an die Männlichkeit.

Wenn diese Männer sich schwungvoll an steilen Wänden hochhangeln oder schwerelos über Metallstangen fliegen, dann setzen sie mit ihren Muskeln das Gewicht ihrer Körper außer Kraft: Man spürt die Bewunderung, die Claire Denis für diese Legionäre bei ihrem harten Training empfindet, und doch fehlt ihrem Blick die Heroisierung, mit der sich Leni Riefenstahl in ihrem „Olympia“-Film den Sportlern oder später den Stämmen der Nuba näherte. Mit sanfter Strenge sind die Bilder zu einem filmischen Gedicht choreografiert, und in der Tat wollte die hierzulande mit „Chocolat“ bekannt gewordene Regisseurin mit diesem Film die Stimmung von Herman Melvilles „Nightmarch“ einfangen.

Drama
Regie: Claire Denis

Mit: Denis Lavant, Michel Subor, Grégoire Colin, Richard Courcet, Nicolas Duvauchelle, Adiatou Massudi, Mickael Ravovski, u.a.

 

© 2001 Dieter Herchenbach