Aus lauter Leidenschaft

Mode, Macht und Models

Macht (3)

Die Lust zu träumen, bessere, schönere oder ganz verrückte Welten zu entwerfen, ist seit jeher eine der großen Antriebskräfte der Mode. Die Visionen großer Designer sagen immer etwas über die Sehnsüchte ganzer Generationen aus. Christian Lacroix und John Galliano zeigen ihr ganz persönliches "Labor der Träume" und führen durch die Phantasiewelten der Mode im 20. Jahrhundert. Der erste moderne Visionär war Paul Poiret, der phantastische Inszenierungen entwarf, die den bourgeoisen Muff des 19. Jahrhunderts weit hinter sich ließen. Elsa Schiaparelli war vom Surrealismus beeinflußt und entwarf trompe-l'oeil-Pullover, den Lammkotelett-Hut - getragen von Marlene 
Dietrich -, den Schuh-Hut, Kleider aus Zeitungen und Hummer-Schuhe. Coco Chanel war inspiriert von der Kunst der Renaissance, Christóbal Balenciaga von Francisco José de Goya und Velàsquez. Karl Lagerfeld beschreibt Yves Saint Laurent als einen Modernisten, der von Piet Mondrian, Joan Miró und Pablo Picasso fasziniert war. Die Designer der sechziger Jahre - André Courrèges, Pierre Cardin, Paco Rabanne - ließen sich von den ersten Schritten des Menschen auf dem Mond anregen und entwarfen ihren utopischen Space-Look. Ralph Lauren, Herr einer Phantasiewelt aus Luxus, Landleben und heiler Welt, prägt den Stil der weißen amerikanischen Mittelschicht. Der Film zeigt ihn auf seinem Anwesen im Norden des Staates New York - der Junge aus der Bronx, der sich hier im Stil seiner Mode das Paradies schuf, das man für Dollars kaufen kann. Die größte Traumfabrik war und ist natürlich Hollywood. Hier wurden in den Jahren der Depression die Märchen für die Massen produziert. Die Filme wurden zur kollektiven Phantasie, und die Garderobe der Stars beeinflußte die Frauen auf der ganzen Welt. Designer wie Isaac Mizrahi und Thierry Mugler lassen sich noch heute von Hollywood inspirieren. Die Welt der Mode ist voller skurriler Geschichten, so gab Dior seinen Kleidern Namen, die alle etwas mit Liebe und Frieden zu tun hatten. Damit wollte er seine Kunden glücklich machen. Im Japanischen gibt es drei verschiedene Worte für Kleidung, von denen eines auch die Bedeutung von Glück hat. Auf die Frage, womit er sein Geld verdiene, antwortet Miyake: "Ich mache Glück."

 

© 2000 Dieter Herchenbach