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Ein mehr als offenherziger Film mit einem offensichtlich exhibitionistisch veranlagten - und mehr als ansprechenden - Todd Verow in der Hauptrolle, der auch gleichzeitig als Drehbuchschreiber und Regisseur dieses "beklemmenden Porträts des zwanghaften Suchens nach Gelegenheitssex" (L.A. City Beat) fungierte. Der Hauptheld des Filmes heißt - Zufall oder Absicht? Spielt Todd Verow sich selbst? - auch Todd. Der ist seit fünf Jahren mit John (Dustin Shell) liiert, aber die beiden sehen sich fast nie, da der eine tagsüber, der andere nachts arbeitet. Was - wie Todd sinniert - sie "davon abgehalten sich gegenseitig abzumurksen. Was allerdings mal eine Abwechslung wäre." Ein vernichtendes Urteil eines offensichtlich frustrierten Partners. Doch warum eigentlich frustriert? Aus dem Film selbst wird das nicht klar, da wir die Vorgeschichte und damit die Beziehung der beiden nicht kennen lernen. Was aber schon von der ersten Szene an deutlich klar wird: Todd hat eigentlich nichts anderes im Kopf als Sex - und zwar Sex mit immer anderen Männern. Gut, den ersten Partner, der uns vorgeführt wird, Ben (Jason Bailey) kennt er zumindest schon von früheren Internet-Chats und heute soll es endlich zur Sache gehen. Und das tut es auch - mit einer Abspritzszene vor unser aller Augen! Wie überhaupt der ganze Film ziemlich (s)explizit und somit in Deutschland kaum Chancen haben dürfte außerhalb des Pornoladens zugelassen zu werden. Deshalb wahrscheinlich auch die Zurückhaltung bislang seitens der deutschen Verleiher und DVD-Betreiber. Neben dem Internet erweisen sich öffentliche Toiletten als Erfolg versprechende Jagdplätze für schnellen anonymen Sex. Davor lungert er des Öfteren und schiebt auch mit "bathroom boy" Noah Powell eine geile Blasenummer - und wir sehen in der Tat beides - den Schwanz des Skins und den schwanz- und blasegeilen, sehnsüchtig nach oben guckenden Todd!! Doch auch auf Arbeit - Todd arbeitet als Manager in einem Kino! - ist er voll aufgegeilt und muss schon wenn er kommt erstmal Luft ablassen. Sehr zum Gefallen all derjenigen Zuschauer, die eine wirklich gelungene Strip-Spritznummer zu schätzen wissen! Doch hält seine Arbeitsfähigkeit nicht lange an. Als er auf der Überwachungskamera einen geilen Typen auf dem Kinoklo verschwinden sieht, heißt es für ihn "nichts wie hinterher". Doch vorher noch den eifersüchtigen Freund anrufen und ihm versichern, dass er "just working" müsse, was total "langweilig" sei. Pech nur, dass sein Freund John an diesem Tage ganz in der Nähe arbeitet und sich denkt, er könne (solle?) doch seinem Kerl mal den Tag versüßen. Nur ist der - oh Wunder - nicht an seinem Arbeitsplatz! Als er daraufhin das Klo inspiziert ist zwar keiner mehr zu sehen, doch die verräterischen Geräusche beim Heraufklettern auf die "Schüsseln" machen alles klar. Nachdem der störende Besucher lautstark, aber nur scheinbar, das Etablissement mit der entsprechenden Geräuschkulisse verlassen hat, geht es weiter zur Sache bzw. Todds Schwanz wieder erwartungsvoll durchs Glory Hole - was uns einen einladenden Blick auf seinen fickschwingenden Arsch gewährt. Tja, und was erwartet Todd nun, als er aus der Kabine tritt - ein vor Wut schnaubender John, der ihn ergreift, an die Wand wirft und kreuz und quer durch die Bedürfnisanstalt schleift und eine Abreibung verpasst, ihm Stück für Stück seine Klamotten entreißend (im wahrsten Sinne des Wortes). Dabei holt sich Todd eine Verletzung am Kopf und eine für alle zukünftigen Ficker klare Beschriftung seines Allerwertesten: "FUCK HERE". Nach dem ordnungsgemäßen, nunmehr wiederholten Händewaschen verlässt John das Klo, Todd bleibt verletzt am Boden zurück. Als Todd nach seiner Schicht nach Hause kommen will (warum er plötzlich keinen Schlüssel hat bzw. ob John zwischenzeitlich das Schloss ausgebaut hat erfährt der Zuschauer nicht), kriegt er von seinem Freund lediglich zwei Taschen und dazu deren Inhalt in vereinzelten Würfen vom Balkon auf die Straße verteilt. Doch statt aus dieser Erfahrung klug zu werden oder gar in sich zu gehen, macht Todd weiter, was er offenbar am besten kann und am meisten will: er geht samt Taschen zu einem früheren Fickgenossen Roger (Florian Sanchisthal), dem er, kaum dass er die Wohnung betreten und deren Besitzer abgeknutscht und angeblasen hat, sofort auch seine neue Analmode vorführen muss. Und man glaubt es kaum: jetzt ficken die beiden wirklich anderthalb Minuten in dem Film (mit Vor- und Nachspiel zusammen gar vier Minuten!)!!! Wo hat man so was schon gesehen? Und man sieht wirklich, wie der Ficker seinen Bolzen in die willige Unterlage versenkt! Nur will dieser Roger offensichtlich nichts von einem längeren Aufenthalt Todds bei sich wissen, auf jeden Fall zieht dieser am nächsten Tag samt seiner zwei großen Taschen los Richtung Arbeit - wo er gleich wieder den nächsten Typen (Shawn Durr) aufgabelt, der sich als Fotograf und Inhaber diverser Internetportale entpuppt, was Todd ein Angebot als Modell zu agieren einbringt. Ja, ja, ihr ratet es schon: und wir können zusehen, wie sich Todd lasziv und anmachend in die Kamera rekelt und vor / mit ihr posiert! Doch dann kommt es irgendwie noch dicker: auf Arbeit stellt sich ein Finanzprüfer ein. Sich dumm stellen und Belege nicht finden können hilft nicht wirklich lange und schon bald steht fest, dass der liebe und geile Todd immer mal wieder in seine eigene Tasche abgezweigt hat. Nun mag 310 $ für ein Kino viel oder wenig sein, auf jeden Fall sitzt er in der Klemme. Was kann man nur tun? Vielleicht dem Prüfer einen blasen? Klar! Wäre 'ne Lösung. Schade nur, dass Todd sich selbst verrät, als kurze Zeit darauf ein firmeninterner Ermittler aufkreuzt, der ihn eigentlich wegen der Verletzung befragen wollte, die Todd sich von seinem Freund zugezogen hat und von der - wie auch immer - halt die Firmenverwaltung Wind bekommen hat (wie auch von den Umständen, was die Frage nahe legt, warum er seinen Betriebsunfall nicht unverzüglich gemeldet habe!) Nun, da beide Sachen auf der Hand liegen, verliert Todd auch noch seinen Job. Seine unstillbare Lust nach Sexabenteuern hat also letztlich sein Leben übernommen! Oder kann er doch zu seinem Lover zurück... Trotz spärlicher Dialoge und keiner ausgereiften Kameratechnik beeindruckt der Independent durch die Überzeugungskraft und Authentizität des Hauptdarstellers - mal abgesehen davon, dass er voyeuristische Interessen bestens befriedigt. Dennoch ist das Ganze kein Porno, auch wenn es durchaus Anflüge in die Richtung gibt und man das Ganze sicher auch als einen solchen sehen kann (nur gibt es in dieser Richtung eindeutig Besseres, weil nicht nur Expliziteres). Vielmehr führt der Film auf beklemmende Weise vor, einerseits zu welcher Entfremdung die ständige Suche nach dem neuen Thrill führen kann und wie andererseits dieser Drang sich ständig mit neuen Partnern verlustieren zu wollen zu einem Muss, ja richtigem Zwang wird, der einem im Extremfall das eigene Leben so richtig aus den Händen zu nehmen vermag! Nach seiner Premiere im vorigen Jahr auf der Berlinale und einem Redebut auf dem VERZAUBERT-Festival schwullesbischer Filme im vorigen Jahr ist der Streifen jetzt auch als DVD erschienen, allerdings nur in der amerikanischen Fassung über www.tlavideo.com zu beziehen. Die DVD bietet neben der
obligatorischen Kapitelauswahl noch einen Bonuskurzfilm von 2 Minuten
Länge mit dem Titel FLUFF: zwei Striptänzer-Amateure bei der Arbeit in
einem vollbesetzten Kino, vom gemeinsamen Petting auf der Bühne von
Schoß zu Schoß im Zuschauerraum bis zu einem kurzen gemeinsamen
Bei-der-Stange-Halten-Finale auf der Bühne. Eine auch nicht schlechte
Schwarz-Weiß-Arbeit. |
Drama USA 2004 Regie, Drehbuch und Hauptdarsteller: Todd Verow Weltpremiere auf der Berlinale 2004 und dem VERZAUBERT Queer Film Festival |
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Darsteller & Rollen: |