|
Die 60jährige Putzfrau Emmi lernt in einer Kneipe den fast 20 Jahre jüngeren Gastarbeiter Ali kennen und lieben. Die kleinbürgerliche Umgebung des ungleichen
Paares ist empört.
Die Putzfrau Emmi (Brigitte Mira) und der Marokkaner Ali (El Hedi Ben Salem) gehören zu den Außenseitern der Gesellschaft. Sie ist verwitwet und einsam, er hat
als Gastarbeiter kaum Kontakt zu Deutschen. Sie begegnen sich in einer Kneipe, wagen einen linkischen Tango und gehen zu Emmi nach Hause. Aus Sympathie
wächst Liebe. Emmi und Ali heiraten. Emmis Kinder - die sich sonst kaum um sie kümmern -, die Nachbarn, die Wirtin, sie alle sind entsetzt über die
"unmoralische" Verbindung des altersmäßig ungleichen Paares. Die Ablehnung weicht schließlich einer falschen Freundlichkeit, als die Leute merken,
dass man
das gutmütige Paar ausnutzen kann. Nun, da der äußere Druck nachlässt, sind Emmi und Ali mit ihren Ängsten allein - eine Bedrohung, die an ihren Seelen
frisst.
Gleich zwei Tabus werden in Rainer Werner Fassbinders Film gebrochen: Die Beziehung einer älteren Frau zu einem jüngeren Mann und die Ehe mit einem
Ausländer, einem Gastarbeiter, der dazu noch ein Farbiger ist. Anfang der 70er Jahre, als der Film gedreht wurde, war das eine skandalöse Konstellation. Heute,
mehr als 35 Jahre später, hat die Thematik nichts von ihrer Brisanz eingebüßt. Brigitte Mira in der Hauptrolle war ein genialer Glücksgriff des Regisseurs. Brigitte
Miras Leistung wurde mit dem Bundesfilmpreis gewürdigt, der Film erhielt u.a. den Preis der internationalen Filmkritik 1974 in Cannes. Fassbinder entdeckte in
Mira eine begnadete Charakterschauspielerin. Die aus Hamburg stammende Pianistentochter und Wahlberlinerin hatte lange Jahre ausschließlich auf
Operettenbühnen und im Boulevardtheater gespielt. Selbst mit einem jüngeren Italo-Amerikaner verheiratet, ist ihr die Thematik des Films sehr vertraut.
|
Drama
Regie: Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder
Kamera: Jürgen Jürges
|