Am Ende eines langen Tages

Der elfjährige Bud erlebt in seinem Leben nur Zufriedenheit und pure Mutterliebe. Bis er auf die höhere Schule wechselt ... - Faszinierender Spielfilm mit musikalisch-visuellen Erinnerungen des britischen Regisseurs Terence Davies.

Liverpool, 1955. Nachdem der Vater gestorben ist, gibt es für den elfjährigen Bud weder Ängste noch Sorgen, sondern die uneingeschränkte Liebe seiner Mutter. Wenn Bud allein ins Kino geht, ist die Atmosphäre von einer Art Wohlgefühl erfüllt, das auch das Verhältnis zu seinen älteren Brüdern Kevin und John bestimmt. Doch dieses Paradies der Kindheit endet mit dem Eintritt in eine weiterführende Schule, und für den bis dahin so glücklichen Bud beginnt ein Alptraum. Willkür, züchtigende Hiebe auf die Fingerspitzen durch den Lehrer anstatt eines "Guten Morgen" bestimmen nun einen Teil des Tages.

Regisseur Terence Davies bringt in seinem Film eine Art von Realismus ins Spiel, der in ungewohnte Sphären blicken lässt. Der Zuschauer darf mit der Figur des kleinen Bud noch einmal Kind sein. Davies unternimmt eine ästhetische Gratwanderung, indem er bekannte Musikeinlagen und Zitate aus Radiosendungen verwendet, die einerseits dem Realitätsanspruch, andererseits der kindlichen Wahrnehmungsweise gerecht werden. Den Verlust der Unschuld beschwört Terence Davies als eine sinnliche, visuell faszinierende Hymne auf die Fähigkeiten und den Reichtum des menschlichen Geistes. "Am Ende eines langen Tages" ist nach "Trilogie eines Lebens" (1976 - 1983) und "Distant Voices, Still Lives" (1988) der letzte Teil einer autobiographischen Trilogie des englischen Regisseurs Terence Davies.

Der 1945 in Liverpool geborene Regisseur ist einer der kreativsten, talentiertesten Vertreter des neuen britischen Kinos. Über "Am Ende eines langen Tages" urteilte das "Lexikon des internationalen Films": "Virtuos inszeniertes Traum- und Erinnerungsspiel, das an die Fantasie und Magie von (Kino-)Bildern und Musik appelliert."

Spielfilm, Großbritannien 1992
(The Long Day Closes)
(80 Minuten)

Regie: Terence Davies

Mutter: Marjorie Yates
Bud: Leigh McCormack 
Kevin: Anthony Watson
John: Nicholas Lamont
Helen: Ayse Owens
Edna: Tina Malone
Curly: Jimmy Wilde
Mr. Nicholls: Robin Polley
                                       

 

© 2001 Dieter Herchenbach