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Um eines gleich vorweg zu schicken: der Film ist zu empfehlen! Aber NICHT als
Fleischbeschau, sondern tief gehendes Drama um zwei Brüder, die über Jahre
einander nicht gesehen und entfremdet wurden und nun wieder zusammen finden. Ein
Drama um Freundschaft und Zuneigung im Kontrast zu emotionsentleerten
Familienbanden! Riccardo Soldani (gespielt von Regisseur und Drehbuchautor Marco Filiberti), Sohn aus vermeintlich gutem Hause, ist schwul und da er zu Hause nicht verstanden wird, sein nicht gerade weißwestiger Vater sowieso Vorbehalte gegen ihn hat und nur die Mutter noch mit ihm spricht, hält ihn nach deren Tod nichts mehr daheim. Er macht sich davon und in Rom unter dem Pseudonym Riki Kandinsky Karriere als Pornostar, ja, er steigt sogar zu einer Art "king of Italian gay porn" auf. Ob man bei der Optik etc. unbedingt nachempfinden kann/will, ist Typsache und ne Frage der eigenen Vorlieben. Aber darum geht es auch nicht, oder sagen wir: zumindest nicht primär! Nun stirbt auch noch der Vater und notgedrungen begibt sich Riccardo zum inzwischen maroden Schloss seiner Eltern, wo er von Verwandten und auch der Verlobten seines älteren Bruders Charlotte (eine biestige, reichlich minderbemittelte Francesca d'Aloja) offen angefeindet wird. Nicht zuletzt auch, weil sie denken, er könnte ihnen etwas von ihrem, wie sich herausgestellt gar nicht vorhandenem, Erbe wegnehmen. Sein Bruder Federico (Urbano Barberini) wird zum Alleinerben ausgerufen und muss nun nach Rom, die Dinge mit den Anwälten klären, was ihn dazu bringt, bei eben dort residierenden Riccardo - oder Riki, wie ihn hier alle nennen - abzusteigen. Tja, und da kommt er, der sich von seiner ersten Frau hat scheiden lassen und nunmehr unter der Fuchtel seiner Verlobten Charlotte steht, aus dem Staunen nicht mehr raus. Der als verkommen verschriene residiert in einer Wohnung der Luxusklasse und Geld scheint kein Thema zu sein - und doch: arbeiten geht er nicht oder nur einmal die Woche. Wie geht das? Riki, der jedem Streit und auch Peinlichkeit aus dem Wege gehen will, hält lange mit Allgemeinheiten hinter dem Berg, doch bei der Dauerüberwachung schmeißt er seinem Bruder schließlich sein neustes Produkt um die Ohren: ein Pornoheft mit seinem Konterfei und expliziten Bildern, die sein Hengstteil zu bändigen versuchen. Wie vorherzusehen nimmt das Federico erst mal den Atem. Und doch bleibt er und mehr und mehr lernt er den Bruder kennen und durch ihn, den Ungebundenen und doch viele Freunde habenden, erfährt er, was Freundschaft ist und wie Familie funktionieren könnte. Verstärkt und auf eine Probe gestellt werden die sich nunmehr entwickelnden Bindungen, als die beiden Zeugen eines Verkehrsunfalles werden, bei dem die Mutter stirbt und sie das Kind ins Krankenhaus begleiten. Der Junge, Plapla, ist ein ganz aufgewecktes Kerlchen und für sein Alter (ganze 10!) mehr als erwachsen. Spontan entwickeln beide eine Zuneigung zueinander, die zunächst auch von den Großeltern der Verstorbenen gefördert wird, haben sie doch keine Beziehung zu ihrem Enkel, von dessen Existenz sie zuvor gar nichts wussten. Wie sich herausstellt, wussten sie auch so manches Andere nicht von ihrer Tochter, z. B. dass sie lesbisch war und das Kind Ergebnis einer künstlichen Befruchtung. Und gerade auch aus diesem Grund hat der kleine Plapla überhaupt kein Problem mit der Eröffnung Riccardos, dass er schwul sei, überhaupt keine Probleme. Dafür um so mehr die einfach auch zu alten, zu katholisch erzogenen Großeltern, als sie Riki eines Abends im Fernsehen als Stargast einer Fernsehshow zum Thema: das neue Image der Pornoindustrie sehen, woraufhin sie ihrem Enkel und Riki jeden Umgang miteinander verbieten. Doch rechnen sie nicht mit der Zuneigung der beiden und der Spitzfindigkeit und dem Willen des Jungen: ein Kampf ums Sorgerecht beginnt. Wie stehen die Chancen im katholischen Italien (ja, wie eigentlich hier?) für einen schwulen Pornostar, einen 10-jährigen Jungen adoptieren zu dürfen? Ein nahe gehendes Drama um starre, sinn- und emotionsentleerte Familienbande
auf der einen, echte Freundschaft und Zuneigung auf der anderen Seite - auch und
gerade seitens Personen, die eigentlich alles andere als eben letzteres
ausstrahlen. Doch da wird durch diesen gut gemachten Film sicher so mancher vom
Gegenteil überzeugt. Die DVD gibt es leider noch nicht in Deutschland / Europa FSK: 15 Audio Bildformat: 16:9, 2.35:1 |
Bruderdrama Drehbuch: Marco Filiberti DVD-VÖ: 02.11.2004 Wolfe, USA, nur R1-codierte US-Fassung |
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Darsteller und ihre Rollen Marco Filiberti ........... Riccardo Soldani |